Mittheilungen aus der Praxis. — Entscheidungen. — Bautechnische Notizen
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Es kanu angenommen werden, wie es ja auch in Wirklich—
keit der Fall ist, daß nur ein Theil der Röhren der Einwirkung
des Frostes ausgesetzt sei und der übrige frostfreie Theil der
Leitung eine bedeutende Ausdehnung habe, beziehungsweise mit
einem Reservoir in Verbindung stehe. Die Wassersäule in jenem,
dem Frost ausgesetzten Theile wird nun allmälig in Eisüber—
führt werden, in der Weise, daß die Eisbildung, von der Peripherie
des Querschuittes anfangend, sich langsam bis zum Mittelpunkte
fortsetzt, bis das Rohr vollständig mit Eis gefüllt ist. Da das
Wasser in dem Aggregatzustande sein Volumen vergrößert, so
wird ein Theil desselben bei dem langsamen Fortschreiten des
Gefrierprozesses in den frostfreien Theil der Leitung zurückgedrängt
werden. Steigert sich jetzt die Kälte, so wird die Eissäule, dem
allgemeinen Verhalten der Körper bei Temperatur-Aenderüngen
folgend, sich zusammenziehen, und zwar sowohl in der Länge, als
auch in radialer Richtung. Die metallenen Rohrwandungen
ziehen sich zwar ebenfalls zusammen, aber in bedeutend geringerem
Maaße, wie der Eiskern, nach Maaßgabe des Ausdehnungs—
Cocffizienten, welcher für Eisen ungefähr 41,,56mal geringer als
für Eis (Eisen /5, Eis /6 für 100 Grad). Infolge hiervon
entsteht ein Zwischenraum zwischen Kern und Rohrmantel und
bei stärkerer Zusammenziehung auch Rißbildung in der Längen—
richtung der Eissäule. — Diese Risse nun und der enistandene
Zwischenraum füllen sich mit Leitungswasser (da ja der dem
Frost ausgesetzte Theil der Leitung unter Druck steht), welches
wieder gefriert. Indem dieser Vorgang bei zunehmender Kälte
sich wiederholt, ist das Rohr stets vollst indig mit einer Eissäule
gefüllt. Durch Erwärmung wird sich zunächst, ehe ein Hlebergang
des Eises in den flüssigen Aggregatzustand eintreten kann, die
Temperatur der Eissäule und des Rohres bis 0O erhöhen und
damit ein Ausdehnen der Körper eintreten. Da nach dem vor—
hin Gesagten die Ausdehnung der Körper verschieden, und zwar
für den Eiskern bedeutend größer ist, als für den metallenen
Mantel, so wird nothwendig ein von innen auf die Rohrwan—
dungen wirkender Druck entstehen, der im Stande sein kann, ein
Zerreißen des Materials herbeizuführen.
Nach dem Vorstehenden ergiebt sich auch die praktische Vor—
schrift für das Aufthauen ‚von Leitungen, nämlich: stets von
»einem offen Theile der Lessung oder vone der Brae wischor
der gefrorenen und der anverfehrten Leitunf n Ierw.
zu bewirken, und zwar in ganz geringen Längen fortschreitend,
damit 1. der erwärmten Eissäule genuügend Spielraum zur Aus—
dehnung in der Längenrichtung gegeben und 2. durch die Aus—
dehnung eines nur sehr kleinen Stückchen Eises in radialer
Richtung eine zu große Spannung vermieden wird. Bei dünn—
wandigen Rohren von großem Durchmesser kann bei schnellen
Erwärmung ein Schmelzen des äußersten Ringes der Eissäule
hervorgerufen werden, bevor die Eissäule selbst sehr erwärmt ist
und sich bedentend ausdehnen kann (Aufthauen der Fallrohre
von Dachrinnen) 3. 7.
Es ist zu diesem Zwecke nöthig, mit einem besonders kon—
struirten, in der Originalarbeit abgebildeten Probeeutnehmer
ein 140m großes Stück der Mortelschicht in ihrer ganzen
Dicke bis auf die Steine zu entnehmen und diese Menge (im
Gewicht von 120—200 8) sammt den darin enthältenen
Steinchen im Vakuunmtrockenschrank, welcher mit flach auf
sitzenden Nickeltrockenschaalen ausgestattet ist, zu trocknen.
Stunde, nachdem kein Wasser mehr entweicht, kaun das
Trocknen unterbrochen und die Probe nach dem Erkalten ge—
wogen werden Als zulässige Grenze für die Bewohnbarkei!
eines Zimmers giebt Emmerich einen Gehalt von 2 Prozen'
Feuchtigkeit im Gesammtmörtel an.
— 7.
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Entscheidungen.
In der Hofunterkellerung seines Grundstücks beab—
iichtigte der Eigenthümer G.in Berlin einen größeren Pferdestall ein⸗
zurichten. Das Polizei-Präsidium beanstandete das von G. vorge—
segte Projekt, weil der Schlot hinter dem Treppenhaus, sowie er
in der Vorlage sich darstellt, nicht genüge, um die schlechte Luft
aus dem Stall so abzuführen, daß sie für die Anwohner nicht
Hefahren für ihre Gesundheit bewirkt, und weil ferner eine
Hebevorrichtung, um die Jauche aus der Sanmelgrube in die
städtischen Kanäle zu schaffen, nicht zulässig sei. Auf die Klage
des G. machte sich in der Berufungsinstanz der vierte Senat des
Oberverwaltungsgerichts, nachdem er den Geh. Ober-Medizinal—
Rath Dr. Schönfeldt aus dem Kultusministerium und den Bau—
rath Häsecke als Sachverständige gehört hatte, dahin schlüssig:
—VVV000
steht nach den Aussagen der beiden Sachverständigen fest, daß
die Bedienung der vom Kläger in Aussicht genommenen dtörting—
schen Wasserstrahlpumpe ebensowenig Mühe und Sachkenntniß
wie die Benutzung eines gewöhnlichen Anschlusses an die Kana—
lisation erfordert und die gleiche, schnelle und vollständige
Wirkung — Entleerung des Vassins — wie eine Ableitung des—
selben mittelst natürlichen Gefälles hat. Dabei hebt der eine
ss und
ordentlichen Wegschaffung der Stassflüfsigkeiten eine ordnungs—
mäßige Wirthschaftsführung ohne jede Schwierigkeit zu erreichen
sei. Der Eintritt einer Gefahr für die Gesundheit kann auch
nicht dadurch begründet werden, daß das zur Sammelgrube zu
berwendende Material (Klinker mit Cementmörtel) im Laufe der
Zeit sich nicht genügend widerstandsfähig erweisen sollte. Die
Einsteige- und Senkbrunnen der städtischen Kanalisation, deren
Widerstandsfähigkeit polizeilich nicht beanstandet wird, sind aus
dem gleichen Material hergestellt. Die Verfügung erweist sich
mithin insoweit als ungerechtfertigt Anders verhält es sich da—
gegen bezüglich des zur Abführung der schlechten Luft dienenden
Schlotes. Die Sachverständigen haben mit aller Bestimmtheit
erklärt, daß die Ventilation durch einen Ventilationsschacht nur
daun dauernd wirksam sein könne, wenn an das untere Ende
desselben ein Ofen angeschlossen wird, der, wenn es die
Witterung erfordert, in Thätigkeit zu setzen ist. Anderenfalls
werde bei gewissen Windrichtungen und Temperaturverhältnissen
die Ventilalion nicht genügen, um zu verhindern, daß die Stall—
dünste den Bewohnern der den Hof umgebenden Gebäude Gefahr
brächten. Mit Recht hat daher der Beklagte die Ventilation
durch den Schlot für nicht genügend erklärt und ihre Genehmi—
aund abgelehnt. Es war denmach die Klage insoweit abzuweisen
Mittheilungen aus der Praxis.
Bestimmung der Wandfeuchtigkeit. Das poli—
zeilich vorgeschriebene Bestimmen der Wandfeuchtigkeit, welcht
der Erlaubnißertheilung zum Bewohnen der Gebäude voraus
zugehen hat, wird von den betreffenden Beamten in einer
nichts weniger als genauen Weise vorgenommen, indem die
selben durch bloßes Betasten oder günstigen Falles durch Auf—
sichlagen mit einem Schlüssel zu ihrem Urtheil zu gelangen
pflegen, in welch letzterem Falle es davon abhängt, ob
der Schlüssel einen Eindruck auf dem Mörtel hinterläßt oder
nicht. In einem gerichtlichen Falle z. B. beurtheilten die als
Sachverständige aufgestellten Architekten die Wandfeuchtigkeit
zu 223 Prozent, während Pettenkofer und Emmerich dieselbe
auf mindestens 6 Prozent taxirten; in diesem Falle ergab
jedoch die experimentelle Ermittelung nicht weniger als
9,9 Prozent. Die exakte Methode von Gläßgen, der
den Mörtel in kohlensäurefreier Luft trocknet, hat bisher wenig
Verbreitung gefunden und Prof Emmerich unterzieht diese
sowohl, wie eine angebliche Verbesserung derselben von Lehmann
und Nußbaum in Nr. 18 der „Münch Med. Wochenschrift“
einer Kritik. Die letztere Methode nennt E. eine zwei—
fache Verschlechterung der Gläßgen'schen, wohingegen dieser
wiederum der Mangel anhaftet, daß sie nur wenig Mörte!
(25 g) in Arbeit zu nehmen gestattet. Emmerich hat dieselbe
wesentlich dadurch verbessert, daß er das Trocknen im Vakuum
vornimmft
Bautechnische Uötizen.
Verwerthung des ungebrannt gebliebenen Kalksteines.
Den Kalkstein, welcher bei'm Löschen des unvollkommen gebrannten Kalkes
übrig bleibt, soll man nicht wegwerfen, sondern auf folgende Art ver—
wenden: Man baut im Brennofen, knapp am Ständer, einen etagen
förmigen Aufbau aus Kacheln und Thonplatten oder Ziegeln, legt den
betreffenden Kalkstein in die einzelnen Fächer dieses Aufbaues und brennt
ihn. Man erhält dadurch einen sehr feinen Kalk. Der im Ofen ent
stehende Kalkdunst fügt der Waare keinerlei Schaden zu. Der hierdurck
bei jedem Brande gewonnene Kalk ergiebt im Laufe des Jahres ein werth
volles Quantum reinen Weißkalkes.
Gegen das zu schnelle Einfrieren der uach Moniersystem
hergestellten Wasserreservoire. Dies beruht auf der falschen Voraus—
setzung, daß das Wasser in diesen Reservoiren früher gefriert, als in
tisernen und hölzernen Wasserbehältern. Nach den mit den Reservoirer
aus Monierkonstruktion gemachten Erfahrungen friert das Wasser nicht
schneller in diesen Behälfern, alg in den Behältern mit eiserner oder