leber Gewinnbetheiligung. — Mittheilungen aus der Praxis.
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Ueber Gewinnbetheiligung.
Der Haupistreit unter den Menschen dreht sich um ihren
Antheil an den Gütern dieser Welt. Die Produtktion der
Hüter hat gewaltige Fortschritte gemacht, aber die Ver—
heilung der Güter läßt noch viel zu wünschen übrig. Die
neisten Menschen empfangen ihren Antheil am Gesammt—
vermögen in der Gestalt des Lohnes. Man kann das Lohn—
vstem nicht plötzlich aus der Welt schaffen, wohl aber ver—
bdessern, und zwar am wirksamsten durch eine Verbindung
des Lohnsystems mit dem Antheilsystem oder der Gewinn—
»etheiligung. Der französische Gebäudemaler Leclaire hat
damit schon im Jahre 1842 begonnen; er selbst, der als
irmer Juuge vom Lande nach Paris kam, ist als Millionär
jestorben, seinen Arbeitern aber sind außer ihrem Lohne
mehrere Millionen Gewinnantheile zugeflossen und sein Ge—
cchäft ist noch heute eines der blühendsten in dem Gewerbe
der Gebäude- und Stubenmalerei. Nach dem Vorbilde von
Leclaire haben namentlich in Frankreich zahlreiche Geschäfte
die Gewinnbetheiligung eingeführt und in Paris ist eine be—
ondere Gesellschaft zur Verbreitung der Gewinnbetheiligung
»entstanden. Seit einem Meenschenalter hat das Beispiel
Leclaires außer in Frankreich auch in England, der Schweiz,
Deutschland und Amerika viele Nachahmung gefunden, sodaß
in dem ersten ausführlichen Werk von Dr. Böhmert, das
1878 unter dem Titel „Die Gewinnbetheiligung der Arbeit—
nehmer“ erschien, bereits 120 damals bekannte Versuche mit
dem Antheilsystem beschrieben werden konnten. In der Zeit
don 1878—1891 hat die Zahl der Firmen mit Gewinn—
»ctheiligung namentlich in England und Amerika sehr zuge—
nommen. Das neueste reichhaltigste Verzeichniß von Firmen
bietet die kürzlich erschienene beachtenswerthe Schrift von
Leopold Katscher unter dem Titel: „Die Theilung des Ge—
—
»raktischer Beitrag zur Arbeiter- und Lohnfrage von N. P.
Bisman. mit Erlaubniß des Verfassers umgearbeitet und
auf den neuesten Stand ergänzt von Leopold Katscher (Leipzig,
Ed. Wartigs Verlag 1891). Katscher erwähnt unter a) als
gegenwärtige Fälle der Gewinnbetheiligung 262 Firmen,
darunter 84 aus Frankreich, 18 aus Deutschland, 73 aus
vroßbritannien und Irland, 12 aus der Schweiz, 49 aus
den Vereinigten Staaten von Nordamerika, 16 aus ver—
chiedenen Ländern, und unter b) „Eingestellte Versuche“
38 Fälle. Bei den eingestellten Versuchen sind in Noten
nuch das Jahr und die Gründe des Aufhörens der Versuche
»eigefügt. TDie noch bestehenden und mehr oder weniger
gzelungenen Fälle verhalten sich also zu den wieder aufge—
gebenen und nur theilweise mißlungenen wie 262 zu 38.
Das sind hocherfreuliche Thatsachen.
Der Fortschritt der Idee der Gewinnbetheiligung im
letzten Jahrzehnt besteht namentlich auch darin, daß die
Förderer des Systems, gestützt auf zahlreiche und langjährige
Erfahrungen, jetzt weit beherzter als früher auftreten können.
Die ersten Vertheidiger des Systems, Charles Robert,
B. Böhmert und Trombert, verfuhren mehr beschreibend,
ohne das Antheilsystem als ein Universalmittel zur Heilung
der sozialen Wirren hinzustellen. Die beiden neuesten Schrift—
teller über das Antheilsystem, Gilman und Katscher, nehmen
veit entschiedener Partei und ihre Vergleichung der vielen ge—
lungenen europäischeu Fälle mit den wenigen mißlungenen,
owie die Aufsuchung und Darlegung der tieferen Gründe
des Mißlingens einzelner Versuche, ist von unstreitbarem
Werthe und Nutzen für die weitere Verbreitung der Gewinn—
etheligung. Gilman und Katscher heben u. a. hervor, daß
die Arbeitgeber, welche das Antheilsystem eingefüͤhrt haben,
I einig darüber seien, daß die Ueberlassung eines
Bewinnantheils an die Arbeiter einer gesunden Geschäfts—
onlitit gleichktomme, bei welcher sie nichts verlieren; in den
in inen e sin sogar daß der ihnen nach Abzug
e aan heils ver leibende Gewinn größer sei, als der
Hesar gewinn unter dem reinen Lohnsystem. „In Wirk—
ichkeit — so bemerken Gilman und Kalscher — Wird die
Bewinnbetheiligung gewöhnlich eine so erhebliche Steigerung
des Gewinns zur Folge haben, daß des Unternehmers Ein—
ommen gegen früher anwachsen wird. Schon das Aufhören
der Unruhen und Streitigkeiten kann leicht dieses günstige
Ergebniß nach sich ziehen; jeder Fabrikant, der wiederholt
inter Arbeitseinstellungen zu leiden hatte, kennt den hohen
Heldwerth des Industriefriedens. Allein das von uns be—
ürwortete System fördert das Gedeihen des Unternehmers
iuch noch auf andere direktere Art, und zwar durch Ver—
nehrung der Menge und Verbesserung der Güte der Er—
eugnisse, durch Schonung der Werkzeuge und Maschinen,
zurch Sparsamkeit mit den Rohstoffen u. s. w, endlich durch
Verminderung der Beaufsichtigungskosten. So schafft die
erhöhte Emsigkeit und Aufmerksamkeit der Arbeiter einen
»rhöhten Gewinn und aus diesem kommt der auf sie ent—
allende Gewinnantheil. Die Durchführbarkeit des Gewinn—
»etheiligungssystems in jedem Einzelfalle hängt davon ab,
ob die besonderen Umstände des letzteren die Schaffung eines
olchen Extragewinnes ermöglichen. Es wird sicherlich Fälle
jeben, in denen diese Möglichkeit nicht vorhanden ist; im
Jroßen Ganzen sind jedoch die Erfahrungen von neunzig
Prozent der Firmen, die das System eingeführt haben, der—
irtige, daß man alle, welche ein so treffliches Mittel der
Vergrößerung ihres eigenen Wohlstandes vernachlässigen, als
inpraktisch, unpolitisch, geschäftsunkundig bezeichnen kann. —
S5o lange die menschliche Natur sich nicht gründlich ändert,
vird eine Person, die an dem Erträgniß ihrer Arbeit ein
inmittelbares Interesse hat, angestrengter arbeiten, als eine
indere, bei der dies nicht der Fall ist.
(„Aus „Volkswohl“.)
Wittheilungen aus der Praxris.
Praktische Erfahrungen in der Herstellung von Zeich—
aungen und Pausen und deren Vervielfältigung. Bei
Mrheiten ßke Saeaate orfordern, also beispiels
veise Zeichruengen sfür Vervielfältigung, macht man gewöhn—
ich den Entwurf nicht auf Ausführungspapier, sondern auf
einer anderen gewöhnlichen Sorte, von welcher derselbe dann
nittelst Pause auf jenes übertragen wird. Nachstehend be—
chriebene Vereinigung von Komponier- und Pauseverfahren
oll sich vorzüglich bewährt haben, und das sonst erforder—
iche mehrfache Ueberarbeiten der Zeichnung ersparen. Ueber
»em aufgespannten Bogen wird ein zweiter Bogen festen
salbdurchsichtigen Papiers mit Reißzwecken angeheftet. Vor—
üglich geeignet ist das gewöhnliche ungebleichte Sulfit-Cellu—
osepapier (unechtes Pergamentpapier). Darauf wird mit
dohle oder weichem Stift die erste Skizze entworfen. Ge—
vöhnlich beschränkt sich diese auf allgemeine Verhältnisse.
Es fehlen noch die Einzelheiten, die erst allmälich heraus—
zjearbeitet werden. Statt nun zu diesem Zwecke, wie es ge—
vöhnlich geschieht, das Ganze mit Gummi herauszunehmen
ind so die zuletzt festgestellten Umrisse ebenso undeutlich zu
nachen, wie die ersten Striche, lege man einen zweiten Bogen
des Komponierpapieres auf den ersten. Die Umrisse des
interen Bogens schimmern matt, aber noch deutlich erkenn—
nar hindurch, sodaß sie eine Benutzung der bereits festge—
tellten Formen ebensowohl zulassen, wie eine leichte Umge—
taltung und reichere Gliederung. Im Nothfall wird noch
in dritter Bogen benutzt. Sind alle Umrisse endgiltig fest—
jestellt, so wird die Rückseite des obersten Bogens mit
ßraphit eingerieben, sorgfältig auf den untersten Bogen auf—
zelegt und der Bogen an den Ecken mit Reißzwecken befestigt.
Ztatt zu graphitiren, kann man auch einen dünnen Graphit—
»ogen unterschieben. Spannt man nun hierüber ein Blatt
zewöhnliches Pauspapier, um bei Gelegenheit des Pausens
die Formen noch ein letztes Mal zu glätten, gleichzeitig auch,
im jeden gezogenen Strich klar vor sich zu sehen, so wird
zei dieser endgiltigen Ueberarbeitung mit hartem Bleistift
Nr. 4) das Bild der Zeichnung mit aller ursprünglichen
Frische auf den Ausführbogen übertragen und steht dort fest
iund klar zum Nachziehen mit der Feder. Die Vortheile