Volltext : Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 53, Bd. 12, 1893)

15

Entscheidungen. —- Litteraturbericht. — Bautechnische Notizen.

310

Bahnkörper erst durch Abtragung eines Berges, durch eine Ueber—
brückung oder Anlage eines Tunnels hergestellt werden muß.
Indem bei der Herstellung einer Eisenbahn auch die Technik den
Unterbau von dem Oberbau unterscheidet und zu jenem die Her—
richtung eines geeinneten Terrains, zu diesem insbesondere die
Betiung der Schwellen und Schienen zählt, kennzeichnet sie eben—
falls, daß die auf die Fertigstellung jenes Unterbaues gerichteten
Arbeiten einen Theil der Herstellung des ganzen Werks bilden.
Es ist denn auch nicht abzusehen, warum der Gesetzgeber einen
Unterschied zwischen den für einen Bau erforderlichen Erdarbeiten —
zu denen die Steinsprengungen zu rechnen sind — und anderen
Arbeiten hätte machen sollen, da doch bei ersteren durch fehler—
hafte Leitung eben so sehr Andere in Gefahr gesetzt werden können.“
Ist bei'm Miethen von abgenutzten, reparaturbedürstigen
Miethsräumen, welche, wie auch dem Miether bekannt ist, bis
zum Beginn der vertragsmäßigen Miethszeit von dem bisherigen
Miether benutzt werden, die Renovirung derselben vereinbart, so
muß sich nach einem Urtheil des Reichsgerichts, IV. Civilsenats,
vom 13. April 1893, im Gebiet des Preußischen Allgemeinen
Landrechts der Miether die Renoviruug nach seiner Uebernahme
der Miethsräume gefallen lassen, und er kann dafür, daß er
währeud der ordnungsmäßig ausgeführten Renovation die Mieths—
räume nicht benutzen kann, eine Entschädigung nicht verlangen;
ist für die Renovation eine bestimmte Zeit vereinbart und sodann
der Umfang der Renovation auf den Wunsch des Miethers aus—
gedehnt worden so muß sich der Miether eine entsprechende
Ier der Renovirungsarbeiten über jene Frist hinaus gefallen
assen.

Bautechnische Notizen.

Bei'm Neubau der grosjen Gasbehälter:Anlagen in Berlin
wird seit vielen Jahren in der Weise verfahren, daß bei'm Beginn des
Baues das runde kuppelartige Dach des Gebäudes fertig markirt und
bei'm Aufbau der runden Umfassungsmauer in die Höhe gehoben wird.
Was bis vor jener Zeit als sprichwörtliche Verkehrtheit galt, den Bau
eines Gebäudes mit dem Dach anzufangen, das ist seit Jahren in Berlin
tändige Praxis. Die erste derartig erbaute Gasbehälter⸗Anlage war die
n der Danziger Straße, die vor etwa sechs Jahren fertig gestellt wurde
und damals die Baukundigen von Nah und Fern anlockte, um das neue
Verfahren zu sehen. Die hegenwärtig noch im Bau begriffenen Anlagen
in der Lutherstraße, wo drei mächtige Gasbehältergebäude errichtet werden,
zeigen dasselbe interessante Bild. Auf der Rundmauer liegt das Dach,
weiches durch 40 hydraulische Pressen jcdesmal um 80 em in die
döhe gehoben wird, worauf die 30 an dem Bau beschäftigten Maurer
in dieser Höhe die Maurerarbeit weiter führen. An den über das Mauer—
werk hinausragenden Dachsparren ist cin Hängegerüst angebracht, von
dem aus die Maurer mit dem nöthigen Arbeitsmaterial versehen werden.
Die zu der Hebearbeit erforderlichen hydraulischen Aufzüge und sonstigen
Maschinen, die mit der größten Genauigkeit funktioniren müssen, sind von
der Berliner Hoppe'schen Maschinen-Fabrik gestellt. Die Vollendung der
drei Gasbehälter Gebäude wird etwa in zwei bis drei Jahren möglich
ein; das Aeußere der Gebäude soll eine gefälligere Ausstattung er⸗
jalten, als sie bisher bei diesen großen Bauten üblich war.
Eine nene Industrie hat in Beuthen O.«“S. ihren Sitz auf—
zeschlagen, welche trotz ihrer Bedeutung eigentlich noch viel zu wenig
Beachtüung findet. Es ist dies die Fabrikation der Böklen'schen
Cementdielen, welche Herr Maurermeister Wygasch seit Jahresfrist
als alleiniger Vertreter für Oberschlesien mit großem Erfolge betreibt.
Wie vortheilhaft die Verwendung dieses trefflichen Baumaterials ist, das
zeigt so recht augenfällig die neue Villa, welche Herr Wygasch sich selbst
auf seinem Grundstücke an der Tarnowitzer Chaussee erbaut hat und die
nn der That überaus sehenswerth ist. Das geschmackvolle Haus ist aus
Doppelwänden mit Isolirschicht hergestellt und entspricht damit allen An⸗
'orderungen der modernen Hygiene. Die Cementplatten trotzen allen
Witterungseinflüssen besser, als alles Ziegelwerk, sie stellen eine wesentlich
zeringere Belastung dar, ersparen Raum und kürzen die Bauzeit eines Ge⸗
‚äudes ganz wesentlich ab. Welch' kolossaler Vortheil das namentlich in
den Gegenden ist, wo Arbeitermangel herrscht, das liegt auf der Hand.
Welche wesentliche Ersparniß an Ärbeitslöhnen ferner daraus erwächst,
das leuchtet ebenso ein. Die reizenden Verzierungen der Villa: Kanten—
Simse, Thurmspitzen und Fensterumrahmungen, and aus rothen Hunsitein
 hergestellt, welcher ebensalls aus der Fabrik des Herrn Wygasch
tammt und sich der gleichen Haltbarkeit erfreut, wie Granit. Die
Färbung des Steines geschieht gleich bei der Mischung des Fabrikats, so—
Jaß der Stein nicht bloß außen, sondern auch durch und durch die gleiche
Farbe trägt; auch dieser Vorzug leuchtet ein. Die Böklen'schen Cementdielen
haben auf allen Ausstellungen Aufsehen erregt. Das schmucke Gebäude
an der Tarnowitzerstraße, eine neue Zierde der Stadt, wird zweifellos da⸗
zu beitragen, diese aussichtsvolle Industrie auch bei uns zu der verdienten
Blüthe zu führen, indem jeder Einzelne sich von der praktischen und
weckmäßigen Verwendbarkeit des gediegenen Materials durch den Augen⸗
chein überzeugen kann. Wir wünschen dem strebsamen Fabrikanten,
der ja jetzt schon kaum allen Anforderungen genügen kann, die an ihn
gestellt werden, besten Erfolg. 28.
Aufrecht stehendes Reißtbrett mit wagerecht geführter
Reißschiene. Die Firma J. M. Voith in Heidenheim a. d. Brenz hat
tehende Reißbretter nebst Gestellen ausführen lassen, welche allen An⸗
orderungen technischer Zeichner entsprechen, da sie infolge ihrer senkrechten
Aufstellung jeder Zeit einen vollständigen Ueberblick über die Zeichnung ge⸗
tatten, auch vom gesundheitlichen Standpunkt den Vortheil bieten, daß sie
sreie, aufrechte Stellung des vor dem senkrechten Zeichenbrette Arbeitenden
ermöglichen. Die Nachtheile sitzenden Arbeitens für Magen und Brust
werden dadurch vermieden. Bei jedem Reißbrett steht ein Tisch, welcher
für die als Unterlagen dienenden Zeichnungen, zum Schreiben u. s. w.
bestimmt ist. Das Reißbrett selbst ist durch Gegengewichte, die an über
Rollen gehenden Lederriemen aufgehängt sind, ausgeglichen, kann leicht
auf und ab bewegt und immer in diejenige Höhe gebracht werden, welche
um bequemsten jür Auge und Hand ist. Die Reißschiene wird an einer
endlosen Schnur geführt, die über vier Rollen hinten am Reißbrett läuft.
diese Parallelführung ist genau und sicherer, als bei einer Anschlagreiß—
chiene. Auf die Schiene selbst ist eine hochkantige Leiste geschraubt, auf
velche man Zirkel, Bleistift, Gummi u. s. w. legen kann. Die wagrechte
Reißschiene ist durch zwei über Rollen am Reißbrett gehende Gewichte so
nusgeglichen, daß sie in jeder Höhe stehen bleibt. Zum Aufhängen einer
dampe ist eine besondere Schiene hoch am Gestelle angeschraubt. Hinten
im Gestelle sind leichte Drahtkonsolen angebracht, auf welche Zeichenrollen
aufgelegt werden können. Die Höhe des Gestelles ist 2800 ww, die Größe
des Reißbrettes 1800 ) 1250 mm. Letzteres kann auch größer oder
leiner geliefert werden. Das Gewicht einschließlich Verpackung beträgt
220 kKg. (Dinglers Polytechn⸗ Journal.)
In der Versuchsanstalt für Bau⸗- und Maschinenmaterial
am Technologischen Gewerbe-Museum zu Wien wurden dieser Tage hoch⸗
interessante Experimente mit den technisch festesten und härtesten Materialien
vorgenommen. Es handelte sich um die Bestimmung des Widerstandes
zegen Zerdrückung einerseits des härtesten Stahles, andererseits des härtesten
GBesteines. Bekanntlich gilt von zwei Stoffen derjenige als härter,
velcher eine alatte Fläche des anderen sichtbar einritzt. während umgekebrt

Litteraturbericht.

Handbuch der Architektur, herausgegeben von Bau—
direktor Prof. Dr. J. Durm, Karlsruhe, Geh Reg.-Rath Prof.
D. Ende, Berlin, Geh. Baurath Prof. Dr. E. Schmitt und
H. Wagner, Darmstadt. Verlag von Arnold Bergsträßer in
Darmstadt. IV. Theil. Entwerfen, Anlage und Einrichtung
der Gebäude. 1. Halbband: Die architektonische Komposition:
Von Geh. Baurath Prof. Wagner in Darmstadt und Professoren
J. Bühlmann und A. Thiersch in München. Zweite Auflage.
Ladenpreis Mk. 16. — Ferner 6. Halbband: Gebäude für Erziehung,
Wissenschast und Kunst. Heft 4: Gebäude für Sammlungen
und Ausstellungen (Archive, Bibliotheken und Museen; Baulich—
keiten für zoologische Gärten ꝛc.; Aquarien; Pflanzenhäuser;
Ausstellungs-Gebäude). Von Geh. Regierungsrath Professor
H. Ende in Berlin, Baurath “ A. Kerler in Karlsruhe, Stadt—
Baurath Kortüm in Erfurt, Architekt O. Lindheimer in Frank—
furt a. M., Regierungs-Baumeister A. Messel in Berlin, Architekt
R. Opfermann in Mainz und Geh. Baurath Professor H. Wagner
in Darmstadt. Ladenpreis Mk. 30. — Dieses herrliche monu—
mentale Architektur-Werk, dem keine Nation ein ähnliches in Be—
zug auf Gründlichkeit und Vollständigkeit an die Seite zu stellen
hat, schreitet rüstig vorwärts und daneben werden die vor Jahren
erschienenen ersten Bände in neuer Bearbeitung auf den heutigen
Stand der Wissenschaft gebracht. Aus diesen Umständen dürfen
wir den erfreulichen Schluß ziehen, daß das wirklich Gute zu
jeder Zeit, sogar in dem wirthschaftlichen Niedergang unserer
Tage, geschätzt und gefördert wird und selbst die hohen An—
schaffungspreise — mit Rücksicht auf das Gebotene sind sie that—
ächlich niedrig — bilden kein Hinderniß. Ganz befonderes
Interesse beansprucht der soeben neu erschienene 6. Halbband des
vierten Theiles, dessen vierte Abtheilung den Bau von Archiven,
Bibliotheken, Museen, Pflanzenhäusern, Aquarien und Aus—
stellungsgebäuden behandelt, worüber die Litteratur bekanntlich
sehr spärliches Material bietet. Mit welcher Sorgfalt der Stoff
bearbeitet wurde, wollen wir an der Abhandlung über Aus—
stellungen nachweisen. Hier findet der Leser in trefflich ausge—
führten Zeichnungen alle derartigen Unternehmungen, von 1851 an
bis zur neuesten — Chicago 1898 — wiebder, und es unterliegt
wohl keinem Zweifel, daß das Studium dieser vergleichenden
Darstellung der Baukunst aller Nationen ausgezeichnete Dienfte
allen Jenen leisten muß, für welche dieses Thema Interesse hat.
Der Ankauf des Werkes wird durch den Bezug einzelner
Theile und durch Ratenzahlungen wesentlich erleichtert, es ist
daher nur anzuempfehlen, daß unsere Leser an den Erwerb dieses
Handbuchs der Architektur denken, das eine erschöpfende Bibliothek
der gesammten Bauwissenschaft in sich vereiniat R —
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.