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Mittheilungen aus der Praxis.
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in das eine Ende des Baunmes und läßt an das andere Ende
eise mit einem Hammer klopfen, so muß man dieses Klopfen
)eutlich hören können. Die besten Stämme sind diejenigen, d. h.
die fefstesten und widerstandsfähigsten gegen Witterunaseinflüsse,
velche recht enge Jahresringe haben.
Gegen das Vermorschen von Balkenenden von
Baurath J. Engel (Reueste Erfindungen und Erfahrungen). Ver—
»autes Holz, welhes bald naß, bald trocken wird, unterliegt schnell
der Verwesung, welche durch die Saftstoffe desselben dadurch ein—
geleitet wird, daß diese bei gewisser Wärme und dem Zutritte von
Feuchtigkeit in Gährung und Fäulniß übergehen, an welcher Zer—
etzung die Holzfaser dann auch mit Theil ninimt.
Die Enden der Balken, berichtet der Verfasser in dem öster—
eichischen landwirthschaftlichen Wochenblatte, welche auf der
Mauer liegen und in diese vermauert werden müssen, sind am
ehesten dem Verfaulen ausgesetzt, da theils der Kalkmörtel zer—
törend auf die Holzfaser einwirkt, theils aber auch das Gemäuer
die im Holze des Balkens enthaltene Feuchtigkeit absperrt und den
Zutritt der Luft hemmt. Für die Konservirung des Holzes ist
wer, wie die Erfahrung beispielsweise an den mittelalterlichen
Fachwerksbauten lehrt, dessen freie Lage und ungehinderte Luft—
zirkulation um dasselbe am zweckentsprechendsten. Man hat es
demgemäß versucht, bei hölzernen Stalldecken, Balken nud Mauer—
atten durchgängig freizulegen und keine Ausfüllung der Balken—
ächer, sondern mittelst einer Ueberdeckung aus Holz den Abschluß
zu bilden und das Fenchtigkeit mittheilende Mauerwerk vom Holze
— namentlich dessen Hirn — entfernt zu halten.
Bei einer solchen Konstruktion liegen die Mauerlatten auf
den Balkenzwischenweiten vollständig frei und lassen diese selbst
im Kopfe zwischen der Mauer Spielraum, so daß die Luft zwischen
heiden hindurchstreichen kann. Auf die Balken sind Spattlatten
jenagelt, auf welchen der gestreckte Windelboden mit seinem ca.
10 Centimeter starken Lehmauftrag ruht. Zwischen den Balken—
eldern Dunstabzüge anzubringen, empfiehlt sich nicht, vielmehr ist
jür eine kräftige senkrechte Ventilation des Stallraumes mittelst
Dunstessen Sorge zu tragen, welche der Ansammlung von arößeren
Yengen Wasserdunstes entgegenwirkt.
Wichtig ist ferner das Aufbringen einer Schutzlage von
chlechten Warmeleitern auf die Holzdecke, was am leichtesten durch
die Benutzung des Bodenraumes für die Rauhfnuttervorräthe zu
rreichen ist. Dieses Futterlager muß sich aber über die ganze
Bodenfläche ausdehnen; in der Regel legt man jedoch an der Seite
des Futterbodens Gänge an, welche ohne Futterbelag bleiben
nüssen, und machen sich diese Gänge in ihrer ganzen Ausdehnung
durch das starke Beschlagen an der unteren, im Stalle bemerkbaren
Zeite wahrnehmbar.
Als wirksames Mittel, die Fäulniß erregenden Niederschläge
in den Balkendecken der Ställe zu verhüten, ist auch vorgeschlagen
vorden, dort, wo ein Schutz der Decke durch schlechte Wärmeleiter
licht möglich ist, I0 -15 Centimeter unter der eigentlichen Balken—
decke eine zweite und zwar Bretterdecke anzubringen, um die
wischen den beiden Decken eingeschlossene Luft als schlechten Wärme—
eiter zu benutzen. Diese Vorkehrung soll z. B. zu einem Stalle
es Göttinger thierärztlichen Institutes, welcher vorher außer—
ardentlich stark an Niederschlägen von Wasserdünsten auf der Decke
itt, mit sehr gutem Erjolge angewendet worden sein. Bei ver—
niauerten Balkenköpfen legt man an den Seiten des Balkenkopfes
das Gemäuer ca. 8 Centimeter entfernt, überwölbt den Balkenkopf
ind läßt in der Mauer eine kleine, nach außen führende Oeffnung
ür den Zutritt der Luft; die letztere wird so spät als möglich ge—
chlossen, um die Austrocknung des vermauerten Holzes nach Möng—
ichkeit zu fördern.
Diese Methode ist jedenfalls der Bekleidung des Balken—
opfes mit Dachsteinen und Lehm, oder derjenigen, welche sich
damit begnügt, die dem Balkenkopfe zunächst liegenden Ziegel der
Mauer ohne Mörtel zu verlegen, vorzuziehen. Dieses Verfahren,
die Balkenköpfe durch Anstriche mit Steinkohlentherr oder Um—
fkleiden mit Theerpappe ꝛc. gegen Verderben zu schützen, haben den
Nachtheil, daß die im Holze befindliche Nässe nur noch mehr
ibgeschlossen und dadurch zum Verstocken desselben Anlaß gege—
»en wird.
Das unter diesen Umständen anwendbare Mittel zur Kon—
jervirung verbauter Hölzer besteht hauptsächlich darin, daß man
nicht nur zur gehörigen Zeit gefälltes und trockenes Holz verwen—
det, sondern auch den Rohbau gehörig austrocknen läßt, bevor man
nit dem inneren Ausbaue, bezw. mit der Benutzung des Gebäudes
pedinnt.
Nordamerikanische Rothtannen. Die berühmten
Rothtannen im Staate Californien erreichen, der „America“ zu—
olge, eine Höhe von 2—300 Fuß; die Bäume stehen dicht bei ein—
inder und die Stämme haben hart über dem Boden einen Durch—
nesser von 8 bis zu 20 Fuß. Wenn in den Waldungen des
Dstens der Vereinigten Staaten von einer 409 Aere (ea. 16 Hektar)
imfassenden Bodenfläche 100000 Fuß (Brettmaß) Bauholz ge⸗—
vonnen werden, so hält man dies für ein hübsches Resultat; ein
sewöhnlicher Ertrag in den Rothtannenwäldern Californiens, so
agt das „St. Francisco Bulletin“, variirt für die gleiche Boden—
läche von einer halben bis zu einer Million Fuß und ein Ergeb—
tiß von 2253 Millionen ist nichts besonders Außergewöhnliches.
Während im Staate Maine der Ertrag von 15 000 Fuß von
inem Acre als etwas Hochmerkwürdiges bezeichnet wird, werden
nä Californien schon von einem Acre, also von 0,4 Hektar ein,
elbst zwei Millionen Fuß — in Ausnahmefällen natürlich —
jewonnen, ergaben doch einzelne Bäume bis zu 35000 Fuß! Mit
Zauholz bewächsenes Land in der Nähe einer Bai, welche den
Zutritt zum Walde erleichtert, gilt 20 Dollars und höher, pro
ere. Das von den Sägemüllern auf dem Stamm gekaufte Bau—
solz wird in Uebereinstimmung mit einer durch einen Aufseher
»orgenommenen Schätzung des Betrages des gewonnenen Säge—
solzes bezahlt, basirt auf Anzahl und Durchmesser der stehen
jebliebenen Baumstumpfe. Die gegenwärtigen Preise gehen von
20- 200 Dollars pro Acre; in außerordentlichen Fällen wird uoch
vesentlich mehr bezaylt. Die sog. „Washington-Parcelle“ hat ein
Areal von 320 Acre (130 Hektar), sie liegt 8 Meilen von Heureka,
velches an einer Bai situirt ist, und brachte ihrem Eigenthümer
zie bedeutende Summe von 1-2000 Dollars vom Acre. Diese
Zarcelle wurde von dem ursprünglichen Eigenthümer im Jahre
856 von der Regiernng um einen Mominalwerth von wenigen
Dollars pro Aere gekauft. Wenn übrigeus das Schlagen der
stothtaunenwaldungen im Verhältniß, wie jetzt, fortgetrieben wird,
»ann kann man voraussagen, daß sie binuen weniger als 100
Jahren vollkommen verichwunden sein werden!
Staatliche Bauthätigkeit in Preußen. Im letzten
Jahre sind für den preußischen Staat nicht weniger als 430 Hoch—
Jauten theils begonnen, theils fortgesetzt oder vollendet worden.
Darunter befanden sich: 34 Kirchen, 7 Ministerial- und Regierungs—
Hebäude, 22 Geschäftshäuser für Gerichte, 10 Bauten für wissen—
chaftliche Institute und Sammlungen, 7 Bauten für technische
Lehranstalten, 11 Anlagen für Universitätszwecke, 15 Gumnasien
ind Realschulen, 13 Seminare ꝛc. ꝛc.
Ueber die Klassifikation der Nadelholz-Bau—
und Nutzstämme sind in jüngster Zeit in Fachzeirschriften
nehrfache Erörterungen erschienen, die namentlich gegen die bloße
dlassifikation nach dem kubischen Inhalt der Stämme gerichtet
varen. Der Holzhändler verlangt mit Recht, daß neben der
Masse auch der Schaftform, Länge und Oberstärke der Stämme
bei der Werthtaxirung gebührend Rechnung getragen werde, weil
hiese Faktoren für den Gebrauchswerth der Hölzer von Ausschlag
sebender Bedeutung sind. Nun hat aber die Anwendung der
Fopfstärke nur da einen Sinn, wo die Stämme auf bestimmte
Lokalmasse gleichheitlich abgelängt sind und die Opposition gegen
diese Methode der Klassifikation seitens der Forstverwaltungen
iichtet sich auch hauptsächlich gegen diese Ablängung, welche häufig
den Gebrauchswerth beeinträchtügt. Eine zweckmäßige Vereinigung
iller Rücksichten, in dieser Hinsicht dürfte dagegen die im Schwarz—
vald und in ganz Baden geltende Norm für Klassifikation bieten,
ndem sie für Ganzhölzer, die an irgend einer Stelle entgipfelt
ind, bestimmte Längen zur Messung der Oberstärke vorschreibt.
Die Klassen sind daselbst folgende:
J. Kl. mindestens 18 m lang, Durchmesser bei 18 mm min—
destens 30 em,
II. Kl. mindestens 18 melang, Durchmesser bei 18 m min—
destens 22 cmw,
III. Kl. mindestens 16 m lang, Durchmesser bei 16 m min—
destens 17 cm,
IV. Kl. mindestens 8 m lang, Durchmesser bei 8 m min—
destens 14 em,
V. Kl. alles schwächere Material.
Der Vortheil dieser Klassenbildung liegt darin, daß die
Schaftformen auf die Werthschätzung gebührend Einfluß üben, ohne
aß ein Verschneiden der Langhölzer nothig wäre; der Käufer
ann daher die Façonnirung ganz den Anforderungen des Marktes
inpassen, also nach Bedarf schweizerische, französische oder rheinische
Lokalmaße ausschneiden lassen.
NMeues Holzimprägnirungsverfahren. Der Che—
niker Dr. Hermann Hager hat ein 'neues Verfahren zur bessern
donservirung von weichem Holz, wie z. B. von Reb- und anderen
Pfählen, Kellerbalken und dergl. erfunden. Dieses Verfahren,
„Sidärieren“ genannt, hat andern Methoden gegenüber den Vor—
zug, daß es dem Holze absolut keinen Geruch ertheilt, die Farbe
»esselben nicht ändert und, überdies sehr billig ist. Die Hölzer
verden mit einer heißen Lösung von Eisensalz ganz durchtränkt,