Volltext: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 56, Bd. 15, 1896)

Berichte aus verschiedenen Städten. — Bautechnische Notizen. 
526 
Es sollen eben nur die Verhäͤltnisse, wie sie bis zum Tode des 
Verunglückten thatsächlich bestanden haben, berücksichtigt, und die 
Ascendenten für den Verlust entschädigt werden, den sie durch den 
Tod ihres Ernährers erlitten haben. Das Gesetz will offenbar 
die Ascendenten, die bisher nur von dem Verunglückten ernährt 
waren, nicht zwingen, eventuell erst noch einen Prozeß, dessen Aus— 
gang immerhin ungewiß ist, gegen ihre anderweitigen Kinder, 
welche bisher zu ihrer Ernährung nichts beigetragen haben, anzu— 
strengen, und will sie bis zum Ausgange des Prozesses nicht der 
Armenunterstützung anheimfallen lassen.“ 
Wasserstutzen zum Schutz gegen Feuersgefahr. Die Schornsteine 
verden über Dach gereinigt, zu welchem Zweck dieselben mittels 
Aussteigeluken, Laufbrettern und eisernen Leitern zugänglich gemacht 
ind. Zur Aufnahme der festen Auswurfstoffe dienen AÄbortgruben, 
vährend das Tages- und Schmutzwasser in den bedeckten städtischen 
zus glasirten Thonröhren hergestellten Kanal abgeführt wird, der 
in den Rhein mündet. Der Entwurf zu dem Gebäude ist in der 
Bauabtheilung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten auifge— 
tellt worden. Unter der Oberleitung des Kreis-Bauinspektors Thon 
m Neuwied bis zum 1. April 1885, von diesem Zeitpunkt ab unter 
der Oberleitung des Bauraths Scheepers in Wetzlar, hat der 
RKegierungs-Baumeister Andreae die besondere Ausführung des 
Baues geleitet. Die veranschlagten Bausummen von 168 700 Mark 
ür den Hauptbau, von 24 900 Mark für die Nebenbaulichkeiten, 
ils Einfriedigungen, Abortanlagen, Asch- und Müllgruben, Pflaster— 
arbeiten und Entwässerungsanlage, und von etwa 20000 Mark 
für die innere Ausrüstung des Gebäudes werden nicht überschritten 
verden. 
Berichte aus verschiedenen Städten. 
Halle a / S. (Rabitz'sche Patentwände in Anwendung 
von Theaterbauten.? Wie wir bereits berichtet haben, hat das 
vor Kurzem eröffnete Theater der Stadt Halle in lobenswerther 
Weise die neueren Errungenschaften auf dem Gebiete des Theater— 
baues zur Verwendung gebracht und wird daher für spätere Neu— 
bauten auf diesem Gebiete vielfach als Muster gelten können. 
Der Vertreter der Bürgerschaft von Halle, Herr Bürgermeister 
Staude, hat Veranlassung genommen, in einer dem Theater ge— 
widmeten, soeben erschienenen Festschrift eine genaue Darlegung 
der gesammten, auf das Theater bezüglichen Verhältnisse zu liefern, 
und können wir die Anschaffung dieses Werkes, auf das wir 
später noch näher eingehen wollen, allen Denen empfehlen, welche 
sich für Theaterbauten und seine Fortschritte besonders interessiren. 
Für heute möchten wir einen Punkt aus der erwähnten Fest— 
schrift besonders hervorheben, nämlich die Anwendung Rabitz'scher 
Patentwände, Decken ꝛc. bei dem Hallenser Theaterbau. 
Es wird von dem Verfasser der Denkschrift ausdrücklich her— 
vorgehoben, daß z. B. die Ventilations- und Heizungsanlagen in 
der ausgeführten Weise nur dadurch ermöglicht wurden, daß 
Rabitz'sche Patentkonstruktionen in Gebrauch kamen und daß 
eine der wichtigsten Fragen bei jedem Theater — die der Sicherheit 
gegen Feuersgefahr — in geradezu mustergültiger Form durch 
die Rabitz'schen Ausführungen gelöst wurde. Eine gewichtige Be— 
stätigung hiersür liegt in dem am Schlusse des Werkes abge— 
druckten Urtheile des Branddirektors der Berliner Feuerwehr, Herrn 
Witte, auf das wir besonders verweisen; nicht unerwähnt bleibe 
chließlich, daß die in der in unserer heutigen Nummer abgedruckten 
e es Patentinhabers, Herrn Maurermeister C. Rat 
in Berlin, enthaltenen günstigen Urtheile wörtlich der erwähnten 
Festschrift entnuommen sind, demgemäß eminente Beachtung ver— 
dienen. —m. 
Neuwied. Der Neubaudes Gerichts-Gefängnisses, 
welcher anfangs Juni 1884 begonnen ist, wurde nach dem 
„Zentralbl. d. Bauverw.“ am 1. Oktober d. J. fertiggestellt und 
seiner Bestimmung übergeben. Das Gebäude enthält außer dem 
Kellergeschoß ein Erdgeschoß und zwei Stockwerke von 3,30 bezw. 
3,60 und 4,0 m Höhe. In dem Kellergeschoß liegen die Wirth— 
schaftsräume, während in den Stockwerken die für 40 Untersuchungs— 
gefangene und 60 Strafgefangene (Männer und Weiber) ersorder⸗— 
lichen Zellen für Einzel- und gemeinsame Haft, Strafzellen, 
2 Reinigungs-, 2 Bade-, 5 Spülzellen, 3 Arbeitssäle, 3 Kranken— 
zellen, JBetsaal, 1 Zimmer für den Arzt, 1 Zimmer für den 
Untersuchungsrichter untergebracht sind. Außerdem befindet sich 
im Erdgeschoß die Wohnung des Wärters und im ersten Stockwerk 
die des Inspektors. Durch die getroffene Einrichtung des Gebäudes 
ist eine Trennung der Gefangenen, besonders der Männerabtheilung 
von der Weiberabtheilung unter sich und von den Beamtenwohnungen 
bewirkt. Zur Ueberwachung der Zelleneingänge von einem Flur 
aus sind in den übereinander liegenden Stockwerken des Männer— 
flügels vor den Zellen hinlaufende eiserne, auf Kragträgern ruhende 
Galerieen angeordnet, welche an beiden Enden und in der Mitte 
durch Brücken mit einander verbunden sind. Sämmtliche Galerieen 
werden durch die Dachoberlichter erleuchtet. Die Ausführung des 
Bebäudes erfolgte in einfachsten Formen als Ziegelrohbau, bei 
welchem nur die Sockelabdeckung, die Hängeplatte des Hauptgesimses 
und die Fenstersohlbänke in Werksteinen aus Basaltlava hergestellt 
sind. Der innere Ausbau entspricht der einfachen Ausstattung des 
Aeußeren. Die Fußböden im Kellergeschoß sowie in den Flur— 
räumen sind asphaltirt, alle übrigen mit Tannenbrettern ge— 
dielt, die Fenster aus Eichen- die Thüren aus Kiefernholz, und 
jämmtliche Treppen massiv mit Steinstufen von Trachyt hergestellt. 
Fenstervergitterungen, Thür- und Fensterverschlüsse sind nach den 
hierfür vorgeschriebenen Mustern gefertigt. Die Heizung sämmtlicher 
Räume geschieht durch eiserne Oefen, die Lüftung in den Zellen 
und Sälen durch besondere Schachte. 
Das Dach ist mit rheinischem Schiefer eingedeckt und mit 
einer Kastenrinne versehen, deren Ansicht durch Wellblech verkleidet 
ist. Das Gebäude erhält Gas- und Wasserleitung mit den nöthigen 
Bautechnische Notizen. 
Zucker⸗Mörtel. In Folge des billigen Zuckers hat man in 
England Versuche angestellt, einen Mörtel aus Kalkpulver und Zucker 
herzustellen. Man nimmt, gleiche Theile von Kalkpulver und Melasse, 
rührt dieses Gemenge in üblicher Weise mit Wasser an und erhält da— 
zurch einen außerordentlich festen Mörtel. Die bei dem Ausbau der 
Peterborougher Domkirche gemachten Versuche ergaben, daß dieser Cement 
iich sogar sehr fest mit Glas verbindet. Die Engländer schreiben die 
zuten Eigenschaften des römischen Mörtels einem Zuckerzusatz zu. Be— 
sannt ist, daß schon seit langer Zeit bei uns in Deutschland zum Wer— 
nauern der Dampfkessel, besonders an allen Stellen, wo bedeutende Hitze— 
zrade auftreten, ein Mörlel aus Lehm und Syrup bezw. Melasse herge— 
tellt wird, welcher verhältnißmäßig hohen Temperaturen widersteht. 
Beseitigung des Fensterkittes. Bekanntlich wird der aus 
Kreide und Leinölfirniß hergestellte und in kurzer Zeit steinartig erhärtete 
Fensterkitt beim Einsetzen neuer Scheiben oder anderen Veränderungen 
Jgewöhnlich mit Hammer und Meißel weggestemmt. Da bei dieser Arbeit 
eicht auch nicht beschädigte Fensterscheiben zerbrochen oder die Holzrahmen 
beschädigt werden, so hat man ein neues Verfahren mit Erfolg ange— 
wandt, welches jede Gefahr beim Entfernen des Kittes beseitigt. Reine 
Pottasche wird mit frischgebranntem Kalk sorgfältig gemischt, nachdem 
letzterer durch Besprengen mit Wasser zu Kalkpulver gelöscht ist. Durch 
zuͤsatz mit Wasser stellt man einen dünnflüssigen Brei her und über— 
lreicht damit den hartgewordenen Kitt so lange, bis letzterer erweicht ist. 
n , on grüner Seife verhindert ein schnelles Trocknen der Masse. 
Der weich gewordene Kitt läßt sich dann leicht ablösen, ohne irgeud 
welche Nachtheile zu erzeugen. 
Kitt zum Ausbessern von Zinkornamenten. Nach der 
Schweizerischen Industrie- und Handeis-Jeitung“ kann man einen solchen 
Kitt dadurch herstellen, daß man eine Natronwasserlösung von 33 Glad 
R. mit feiner Schlemmkreide unter Zusatz von Zinkstaub (sog. Zinkgrau) 
recht innig zu einer dicken, plastischen Masse anrührt. Man erhält so 
eine nach 6—8 Stunden erhärtende, außerordentlich fest werdende Masse. 
Polirt man dieselbe nach dem Erhärten mit einem Achatsteine, so nimmt 
sie die glänzend weiße Farbe des metallischen Zinks an, so daß man 
mit dieser Masse schadhaft gewordene Zinkornamente und Zinkgefäße sehr 
—B 
est wie an Metallen und Glas halten und sich auch zur Ausbesserung 
von Trinkgläser-Beschlägen eignen. 
Dom zu Mailand. Die im „Wochenblatt für Baukunde“ 
jegebene Anregung für die deutschen Architekten bei der Wahl der die 
Wettbewerber vertretenden Mitglieder des Preisgerichtes zur Beurtheilung 
der Façade des Domes zu Mailand hat einen namhaften Künstler ver— 
anlaßt, folgende Männer in Vorschlag zu bringen: Oberbaurath Dr. 
don Leins in Stuttgart, Geh. Regierungsrath Professor Hase in Han— 
nover, Bildhauer Professor C. Mohr in Köln, Maler Professor 
F. Geselschap in Berlin. Da Oberbaurath Friedrich von Schmidt in 
Wien dem Preisgericht bereits angehört, so wuͤrde es diesem verdienten 
Architekten sicher eine willkommene Ueberraschung sein, den einen oder 
inderen deutschen Fachgenossen sich zur Seite zu wissen. Wenn alle 
deutschen Architekten und Bewerber sich entschließen wollten, für die vor— 
tehend genannten Männer ihre Stimmen schriftlich abzugeben, so würde 
die im Interesse der Sache wuͤnschenswerthe Wahl eines ferneren Deutschen 
n den Beurtheilungsausschuß an Aussicht sehr entschieden gewinnen. 
Bilt es doch vor Allem, in diesem Falle eine bedenkliche Zersplitterung 
zu vermeiden. 
Altrömischer Mörtel. Bekanntlich zeigt der Kalkmörtel in 
den Ueberresten altrömischer Baukunst eine Haltbarkeit und Härte, welche 
der unserer besten Cemente mindestens gleichkommt. Allgemein wird an— 
zenommen, daß diese Eigenschaften durch Zusatz von Puzzolanerde oder 
bon Traß erzielt wurden, Professor Artus will dasselbe erreicht haben, 
'ndem er gewöhnlichem Mörtel, bestehend aus einem Theile gut gelöschtem 
Kalk und drei Theilen feinem Bausand, noch drei Viertheile — 
—B 
derarbeiten ließ. Schon nach vier Tagen konnte in solchen Mörtel ein 
spitzes Eisen nicht mehr eingetrieben werden, und nach zwei Monaten 
war er steinhart geworden. Dieser Mörtel soll sich gleich gut als Luft— 
und Wassermörtel eignen.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.