Arealgruppen im Florenraum Württemberg
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Jahrzehnte; ein leider nicht geringer Teil der Vorkommen muß heute als erloschen
gelten, wenn auch wenigstens bei einem Teil von ihnen noch die Hoffnung
besteht, daß sie sich durch eine intensive Nachsuche wieder bestätigen
ließen. Jedenfalls integrieren die Spektren Vergangenes mit Gegenwärtigem
und können somit keinen Anspruch auf wirkliche Aktualität und noch weniger
auf Unwandelbarkeit erheben. Das macht sie aber keineswegs wertlos, teilen
sie doch dieses Schicksal mit den in der Klimatologie gebräuchlichen Klimazahlen,
die ebenfalls aus der Integration vergangener meteorologischer
Zustände hervorgehen, deshalb bei ihrem Zustandekommen im Hinblick auf
Schwankungen oder irreversible Änderungen des Klimas im Grunde schon
überholt sind und demgemäß im Lauf der Zeit immer wieder neu berechnet
werden müssen.
Zum andern sind die Spektren auch an die getroffene Artenauswahl gebunden.
Wie eingangs gesagt wurde, sah ich keine Möglichkeit, die Ubiquisten in
meine Berechnungen einzubauen. Wenn sie sich proportional den Artenzahlen,
mit denen die Arealgruppen in die Rechnung eingingen, auf diese verteilen
würden, so ließe sich mit Recht annehmen, daß die Spektren die Konkurrenzverhältnisse
in der real gegebenen Pflanzendecke einigermaßen getreu widerspiegeln.
Da sich aber die Ubiquisten besonders in der Gruppe der Indifferenten,
aber auch in der Südwest- und Nordgruppe häufen, sind diese in unseren
Spektren untervertreten, die Spektren sind verzerrt. Die Problemlage hat ihre
Parallele in der eingangs zur „Ermutigung“ herangezogenen Pollenanalyse:
Auch sie muß angesichts der verschieden ausgiebigen Pollenproduktion der
„Lieferanten“ und der unterschiedlichen Flugfähigkeit der Pollen mit erheblichen
Verzerrungen der wahren Zahlenverhältnisse rechnen, wie sie in der zu
erfassenden Vegetation herrschen bzw. herrschten. Man wird ihr trotzdem
nicht das Recht absprechen wollen, die Wandlung der Vegetation im Wandel
der Zeiten und die Unterschiede in der Artenzusammensetzung zeitgleicher
Vegetationsgebiete aufzuzeigen! Entsprechend wird man auch unserer „Potenzanalyse“
zugestehen können, daß sie die verschiedenen Konkurrenzverhältnisse
in Abhängigkeit von klimatischen und edaphischen Gegebenheiten —
wenn auch verzerrt, so doch tendentiell richtig zu erfassen vermag und daß sie
den Wandel der Mitbewerbsverhältnisse im Lauf der Zeit, sei dieser durch Klimaänderungen
(z.B. FıLzer 1981) oder durch Eingriffe des Menschen in die
Natur hervorgerufen, mindestens qualitativ aufzeigen kann.
Was nun die räumliche Reichweite unserer Spektren betrifft, so wäre folgendes
zu sagen: Wenn wir irgend eine andere Landschaft, sagen wir die Fränkische
Alb mit ihrem nördlichen und südlichen Vorland oder die Oberrheinebene
mit ihren Randgebirgen einer entsprechenden Analyse unterzögen, so
kämen wir möglicherweise zu qualitativ ähnlichen, sicher aber nicht zu quantitatıv
übereinstimmenden Ergebnissen. Es gibt im Gegenteil handfeste Hinweise
darauf, daß unsere oben dargelegten und weiter unten noch folgenden Resultate
zum Teil als Besonderheiten des schwäbischen Raumes gelten müssen. Das
zeigt sich, wenn wir die Abhängigkeit der ökologischen Potenzen von der
Meereshöhe ins Auge fassen. In Abb. 4, welche die einschlägigen Verhältnisse
wiedergibt, zeigt die Grenzlinie der Nord- gegen die Nordostgruppe bis herauf
zur Etage 610-700 m eine ununterbrochene Zunahme der ökologischen Po-Jh.
Ges. Naturkde. Württ. 140 (1985)
0 Th. Naturkde. Württ. 140 (1985)