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5futtgart, Mai 1929
24, Jahrgang / Nummer 5
Doppelnummer
Vorworte
Die Bedeutung der Bäder für das Wohlbefinden des Menschen ist unbestrittene Tatsache. Vielfach fehlt es nur an Gelegenheit
zum Baden. Es ist darum eine dankbare Aufgabe für Architekten, wenn sie zwecmäßige Pläne für Bäderanlagen entwerfen. Und
eine noch dankbarere Aufgabe für Vereine und Kommunen ist es, wenn sie diese Pläne zur Ausführung bringen.
In weiten Kreisen hat sich die Erkenntnis durchgerungen, daß die Hautpflege eine der wichtigsten Forderungen der Hygiene
des Alltags ist. Der Ruf „Ba üt Bäder“ ist deshalb durchaus berechtigt. Bäder sind werbendes Kapital, weil sie die Ärbeits—
fähigkeit des Einzelnen fördern und zur Gesunderhaltung der Bevölkerung beitragen. Vom Standpunkt des Arztes aus kann die
pflege des öffentlichen Badewesens nur wärmstens empfohlen und unterstützt werden. Dr. Gnant
Obermedizinalrat beim Württ
Innenministerium
Im abgelaufenen Jahr sind in Deutschland wieder Tausende von Menschen ums Leben gekommen, weil sie des Schwimmens
inkundig waren. Dem Ruf „Baut Bäder“ sollte hinzugefügt werden „Jeder Deutsche ein Schwimmer“.
Nachdem sich die Württ. Beratungsstelle für das Baäugewerbe im letzten Jahr mit Erfolg für mustergültige Turnhallenanlagen
ingesetzt hat, stellt sie sich heute die ebenso wichtige Aufgabe der Freischwimmbäder. Uber Ausmaße der Schwimmbecken, Einord—
nung von Sprunganlagen, über Zu- und Ablauf des Wassers usw. werden bemerkenswerte Feststellungen gemacht. Insbesondere
st auch die so wichtige Frage der Umkleiden in einfachster und in einer den modernsten Erfahrungen entsprechenden Weise gezeigt.
Gemeinden, Vereine, und Architekten werden der Beratungsstelle zu Dank verbunden sein, wenn sie durch deren zusammen—
zassende Arbeit vor unnötiger Geldausgabe und vor schwimmtechnisch fehlerhaften Anlagen bewahrt bleiben. Schmid
Akad. Turn⸗ u. Sportlehrer a. d. Techn. Hochschule Stuttgart
u. Turnwart d. Deutschen Turnerschaft
Freibadeanlagen (Sommerbäder)
Lage der Bäder. Die Sommerbäder sollen möglichst im Orts⸗
bezirk liegen oder in unmittelbar angrenzendem Gebiet. Freibade—
anlagen in Randgebieten müssen schnell ünd bequem erreicht wer—
den können. Die Anlagen sollen vor allem für den Massenbesuch
zut gelegen sein, so daß das werktätige Publikum nach Fabrik⸗,
Büro⸗ oder Geschäftsschluß sie auf einfächste und schnellste Art er⸗
ceichen kann, ohne einen übermäßigen Weg zurücklegen zu müssen.
Das Bad soll möglichst windgeschützt liegen. Anzustreben ist
zine günstige Lage zur Sonne (Sudläge ist immer zu bevorzugen).
Arten von Bädern und deren Anlage. Es sind folgende Arten
pon Freibädern zu unterscheiden: J. Bassinbäder (Gartenbäder)
und II. Flußbäder (Strandbäder). Innerhalb dieser beiden Grup—
pen kann man allgemein Volksbad und Sportsbad
interscheiden. Das Volksbad wird meistens mit Sportsbadanlagen
in Verbindung gebracht. Sehr erwünscht ist, daß den Abmessungen
aller Freibäder, auch denen der Familienbäder, sportgerechte Maße
zugrunde gelegt werden.
Abmessungen. Für die Bassinsportbäder gelten die Längenmaße
oon 25 m, 50 m und 100 mm. Die Länge von 25 mekommt nur
für kleinere Gemeinden in Frage. Den Breitenmaßen der 25 m
langen Bäder ist eine Schwimmbahnbreite von 2,50 m zugrunde
zelegt. Bei 6 Schwimmbahnen erhält man eine Gesamtbreite von
(5 m. Sie ist nur für kurze Schwimmbahnen zulässig. Den Breiten-⸗
maßen der 50—100 melangen Bäder liegt eine Bahnbreite von
3 m zugrunde. Bei 6 Startplätzen erhält man eine Gesamtbreite
von 18 m. Das Maß von 3 mn hat sich für längere Schwimm—
»ahnen in der Praxis notwendig erwiesen.
Für die Flußbäder sind glatte Längen von 100 m, 200 m,
300 m und mehr vorzusehen, damit sie für schwimmsportliche
Veranstaltungen benützt werden können.
J. Bassinbäder. Die Bassinbäder sind den Flußbädern in hygie—
aischer Beziehung vorzuziehen, weil Verunreinigung durch Ab—
vässer der Industrie und der Städte ausgeschlossen ist.
Für das Schwimmbecken ist Eisenbeton das beste Mate—
zial. Der Billigkeit halber ist Holz nur im Ausnahmefall in holz⸗
ceichen Gegenden zu wählen.
Die Wasserversorgung erfolgt durch kleinste Bäche,
durch Zuleitung von Flüssen, Seen, Quellwasser, Brunnenwasser
oder Leitungswasser. Leitungswasser ist nur bei billigster Ver—
iorgung zu wählen. Ein Anschluß an die Wasserleitung sollte aber
möglichst immer vorgesehen werden.
Wassererneuerung an heißen Tagen ie Badegast bis
oehm. on kühlen Tagen genüat wenidger
Die Bassinbäder sollen zwecks Reinigung von Schmutz und
Algen geleert werden können. Für dauernde Reinigung und
Zterilisation des Badewassers ist zu sorgen. Sie ist der täglichen
ẽerneuerung vorzuziehen und erfolgt durch eine Rückreinigungs—
nlage, bei der das Wasser ununterbrochen über Filteranlagen
jeschickt und dann mit Desinfektionsmitteln versetzt wird.
II. Flußbäder. Die Flußbäder sollen oberhalb der Ortschaften,
licht im Bereich der Abwässer oder in unmittelbarer Nähe der
häuser liegen. Das Bad kann als Pfahlbau ins Wasser eingebaut
der offen als Strandbad ausgebildet werden. Die eingebauten
xẽlußbäder sind möglichst an ruhigen Stellen einzurichten. Der
Vasserstand soll keinem zu großen Wechsel unterworfen sein. Bei
zlußbiegungen ist die innere ruhigere und flachere Seite zu be—
ützen, da die äußere der Ströniung stärker ausgesetzt ist. Das
Ztrandbad soll eine möglichst reichliche Längenausdehnung und
eichte Erweiterungsmöglichkeit besitzen.
Ein Licht- und Lustbad und ein Turnpla sollte bei
einer Freibadeanlage fehlen. Es soll in Sand- und Rasenplätze
ufgeteilt sein. Zu achten ist auf beste Lage zur Sonne und auf
Windschutz. Eine größtmögliche Längenausdehnung ist besonders
ei Strandbädern anzustreben. Bäume oder Baumgruppen als
53chattenspender sollten vorhanden sein.
Die Garderobeanlagen des Freibades
Vor den Kassen, den Eingangs-, Brause-, Abort⸗, Sanitäts⸗
ind Erfrischungsräumen ist die Garderobeanlage die wichtigste
Frage. Die Garderobe wird in Abteilungen für Männer und
zrauen getrennt und soll das Bad nach der Nord- und Westseite
zin abschließen. Hiedurch wird ihre Orientierung nach Süden und
»in Windschutz gegen den Westwind erreicht, was vom Badegast
chon beim Umktleiden angenehm empfunden wird. An die Gar—
erobe einer größeren Anlage werden große Ansprüche gestellt.
Ib Massenverkehr mit normaler Besucherzahl oder Stoßverkehr,
ie Abwicklung an den Garderoben soll möglichst einfach erfolgen
ind reibungslos vor sich gehen.
Leider ist die Garderobefrage bei den wenigsten Bädern ein—
vandfrei gelöst worden. Selbst bei den modernsten Anlagen findet
nan Lösungen, die nicht einwandfrei sind. (In einer der größten
ieueren Freibadeanlagen Deutschlands, in Duisburg, ist z. B.
jerade die Garderobe räumlich und betriebstechnisch nicht gut. Die
zroßen neuen Garderobehallen machen nicht den Eindruck, als ob
ie für ihren Zweck gebaut seien.)
Hie folgenden Garderobespiteme für kleinste, mittlere und arößere