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Vorbilder in der Natur.
los fcftftchende Tatfachc in Betracht, daß von einer
abfoluten Spiegelgleichheit beim menfcblicbcn Kör=
per nicht die Rede fein kann. Ja nicht einmal
im Gefichte herrfcht unbedingte Symmetrie, ganz
abgefehen von anormalen Bildungen, wie etwa
einfeitigem Lupus, Warzen, krummen Nafen ufw.,
welch letztere z. B. Goethe als ein Verbrechen
gegen die Symmetrie befonders empfand, fluch
gewöhnliche Unregelmäßigkeiten in der Gefichts»
bildung, die uns gar nicht auffallen, find bereits
— von Dr. Hallervorden in Königsberg — wiffen»
fchaftlich feftgeftellt; ein genaues En-face-Bild
wurde halbiert und die beiden Hälften durch den
Spiegel ergänzt; die rechtsfcitigen Phyfiognomicn
find durchwegs encrgifcher, als die fchwachen links»
feitigen; erft durch die Wiedervereinigung der
beiden Bilder wurde der beftc Ausdruck erreicht.
Es liegt auf der Hand, daß der Photograph nach
folchen Feftftellungen fein Perfonenobject vor
einer Aufnahme nach allen Seiten wird gut be=
trachten müffen, um nicht nur unfymmetrifchen
Zufälligkeiten, wie einer feitlich geteilten Frifur,
fondern vor allem dem wefentlichften Ausdruck
gerecht werden zu können.
Aber nicht nur in der Ruhelage, auch während
der Bewegung finden wir beim menfchlichcn
Körper wiederholt das Moment der bilateralen
oder diagonalen Symmetrie betont. Wie fehwer
wird es felbft einem geübten Pianofpiclcr, mit
jeder der beiden Hände gleichzeitig verfchiedene
Figuren oder Taktgliedcrungen durchzuführen.
Beim Marfchiercn bewegt fich automatifch ftets
das rechte Bein mit dem linken Arm nach vor»