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hiebei zu dem gleichen Resultat gekommen sind, wie ich selbst: daß es
das Wollhemd nie zu erseßen vermag, denn physiologisch ist Reform-
baumwolle wie andere Baumwolle und wird auf dem Körper ebenso
sc<hnell übelriehend und naßfkalt als gewöhnliche.
Anilinfarben in Kleiderstoffen.
Unter diesem Titel findet sich folgender Artikel in Nr. 44 des
„Zentralblattes für die Textilindustrie" Jahrgang 1884:
„Wieder einmal ist eine öffentliche Anklage gegen die Gefährlichkeit der Anilin-
farben in für die Bekleidung bestimmten Webwaren aufgetreten und hat, wie schon
öfter, eine ganze Litteratur von Veröffentlihungen für und wider die Wahrschein-
lichkeit der aufgestellten Behauptung veranlaßt. Dies8mal ging der Jmpuls von
einem Herrn Startin aus, der gelegentlich der Londoner Hygiene-Ausstellung eine
Abbildung eines Auss<lages ausstellte, welcher angeblich durch das Tragen mit
Anilinfarbstoff gefärbter Strümpfe entstanden sein sollte. Darauf erschien in der
Times vom 12. Septbr. d. J. ein Artikel, augenscheinlich von sachkundiger Hand,
welcher die Anklage substantiierte und seitdem haben sich von allen Seiten Berufene
und Unberufene mit neuen Anklagen, gestüßt auf weiter vorgebrachte Fakten, an
den HerauSsgeber dieser Zeitung gewendet, die nur gar zu sehr geeignet sind, das
ohnehin empfängliche Publikum in übertriebenem Maße zu ängstigen und irre zu
führen. Cs haben sich daraufhin einige Autoritäten der <hemischen und Textilbranche
veranlaßt gesehen, in sachgemäßer Weise die erhobenen Anklagen zu prüfen und
geben wir heute in anbetracht der wichtigen Folgen, welche solche Animosität des
Publikums, wenn sie nicht beizeiten aus Fachkreisen widerlegt wird, für die ganze
Branche haben kann, einzelne davon im Auszuge wieder,
„Als bekannte Autorität wendet sich zuvörderst Jvan Levinstein, der
Vorsitzende der Mankester-Abteilung der „Society of Chemical Industry“
an verschiedene Fachblätter. Er richtet u. a. folgende Fragen an Herrn Startin:
Ob er durc< Analyse festgestellt habe, daß der Strumpf wirklich mit Anilinfarbstoff
gefärbt gewesen sei und wenn dies der Fall, ob nicht eiwa in Verbindung mit
einem andern Farbstoff; welche Beweise er habe, daß im Falle» der Bejahung der
Vorfrage die Schuld an dem Anilin liege; ob nicht etwa das Präparieren und
Beizen vor jedem Farbprozesse die Schuld trage, da die dazu verwendeten Mittel
sehr häufig giftiger Natur seien; ob er wisse, daß selbst Cochenille, die an und für
sich ganz ungefährlich, ohne zine starke Beize mit Zinnsalz nicht zum Rotfärben
benüßt werden könne; ob er wisse, daß die echteste rote Färbung auf Baumwolle
(Türkischrot) häufig mit einer giftigen Beize präpariert werde 20x. Nie sei troß
aller Anklagen ein Fall bewiesen worden, wo der Gebrauch eines Anilinfarbstofses
zum Färben den Aussc<hlag veranlaßt habe. Die einzige Teerfarbe, die an und für
sich die Haut gereizt hätte, sei eine Orangefarbe gewesen, die nicht einmal eine rich-
tige Anilinfarbe sei, das Hexanitrodiphenylamin, aber diese sei längst vor den
Naphtol-Orangefarben in Vergessenheit geraten. Den Hauptstoff für die Anklage
biete das Magenta, weil es teilweise (mehr als die Hälfte) unter Beihilfe von
Arsenik hergestellt würde. Aber das Arsenik würde später auf <emischem Wege
entfernt und wenn wirklih Spuren davon zurücblieben, so wären diese zu un-
bedeutend, als daß sie der. Gesundheit schaden könnten; denn es könne höchstens
1/16 Gramm Arsenik in einem Paar Strümpfen zurückgeblieben und davon viel-
leiht der 100. Teil, also */1600 Gramm, durc< Ausdünstung in den Körper ge-
drungen sein. Von Naphtol-Rot würden allein 4/25 Mill. Pfd. pr. Jahr: pro-
duziert, was ausreichend sei, um 500 Mill. Pfd. Fabrikat zu färben und doh höre
man nur in einzelnen wenigen Fällen die Vermutung einer Anilinvergiftung aus-
sprechen. Dazu komme no, daß die Arbeiter, die mit der Anfertigung der Farben
beschäftigt sind, nie unter sol<en Symptomen zu leiden gehabt hätten. Zum Scluß