Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 45, 1889)

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handene Temperatur wird zusammengehalten. So ist die Dunsthülle
nicht eine selbständige Wärmequelle, aber sie ist ein unentbehrliches
Mittel, um die vorhandene Wärme der Gewässer gegen Verluste zu
schützen. Der Einwand, dass ebendamit auch .die Zustrahlung der
Wärme in gleichem Maasse ausgeschlossen werde, ist nur scheinbar
richtig; denn die Zustrahlung geschieht in hohen Breiten unter sehr
schiefem Winkel, hat deshalb an sich schon geringere Kraft;
die Ausstrahlung aber, die mit keinerlei Winkel zu thun hat, geht
unbehindert in voller Kraft vor sich; daraus ergibt sich, dass für
die Temperatur der hohen Breiten die Verhinderung der Ausstrahlung
 der Wärme des Meerwassers viel wichtiger ist, als die direkte
Zustrahlung. Die Wärme braucht nicht notwendig in den hohen
Breiten erst erzeugt zu werden; es genügt, wenn die in niedrigen
Breiten erzeugte Wärme für die hohen Breiten konserviert wird.
Überdies lehren die Physiker (TynnaıLı), dass die Erdatmosphäre
einerseits gegen jene Wärmestrahlen, die von der Sonne direkt
kommen und anderseits gegen jene, die von der Erde ausgehen, sich
recht verschieden verhalte. Die von der Sonne ausgehenden Strahlen
 finden viel leichter einen Durchgang durch die Erdatmosphäre
als diejenigen, die von der Erde sich entfernen wollen.
Hierdurch erklärt sich der Überschuss an Wärme in den hohen
Breiten, wenn auch die unmittelbare Zustrahlung durch die Dunsthülle
 vermindert wird. Als Beleg aus der Gegenwart dient hierfür
die klimatische Beschaffenheit der Faröer, worüber wir jedoch auf
Hann (Klimatologie S. 460, 463) verweisen können und nur die eine
Stelle ausheben: „Die starke Bewölkung des Himmels und eine fast
stets mit Wasserdampf gesättigte Atmosphäre bewahrt diese Gegenden
 während der Wintermonate vor einer Wärmeausstrahlung, die
sonst während der langen nordischen Nächte die Temperatur stark
erniedrigen müsste.“ (1. c. S. 467.)
So lange die drei Faktoren zusammenwirkten: Wärme, Wasser,
Wolkenhülle, so lang bestand eine sehr intensive Warmwasserheizung.
Nebenher konnten die Gewässer in den hohen Breiten sich allmählich
abkühlen, wenn auch nur um eine mässige Anzahl von Graden, aber
sie sanken wegen ihrer grösseren Schwere nieder und wärmere traten
fortlaufend an ihre Stelle. Die abgekühlten Wasser ihrerseits blieben
nicht unbeweglich in der Tiefe liegen, sondern breiteten sich auf
dem Grunde des Meeres sehr langsam gegen die niedrigen Breiten
hin aus; aber dass sie wirklich schon längst den Äquator erreicht
haben, geht aus den Tiefseeforschungen hervor. Wenn aber die ab-7


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