Full text: Erläuternder Text (Textband) (1905)

Abteilung II. — Abteilung III. 
tigste Säulensaal in Karnak ist von Seti I. und 
Ramses 11. nach dem Vorgang von Amenophis III. 
in Luxor erbaut worden. Es ist eine quer zur 
Prozessionstraße gelegte Halle mit größerer mitt 
lerer Säulenreihe, die die Richtung betont und auf 
ihren 21 m hohen Schäften eine massive Stein 
decke trägt, einen Lichtgaden in der Art einer 
Basilika bildend, so daß der Weg reichlich be 
leuchtet ist, die Seitenhallen dagegen im Dämmer 
licht sich verlieren. Diese Fenster waren mit durch 
brochenen Steinplatten verschlossen (Tafel 8). Das 
bedeutete eine wesentliche Verbesserung gegen 
über der älteren Art, mit Schlitzen in Decke oder 
Seitenwänden sich zu helfen (Tafel 10, Fig. 1). 
Fenster waren ja sonst nicht üblich. Gerade 
in den geschlossenen, breit hingelagerten Bau 
massen, die mit den weithinziehenden, wenig be 
wegten Landschaftslinien des Niltals 'zusammen 
stimmen, liegt die Wirkung dieser Bauten (Tafel 7). 
Hohe Mauern umgaben die weitausgedehnten Be 
zirke, in denen heilige Seen, Gartenanlagen, oft auch 
noch kleinere Heiligtümer und Nebengebäude lagen. 
Tafel 9. Der Ägypter stilisiert seine Pflanzen 
und Tiervorbilder wirksam, aber starr. Er ver 
wendet die Ornamentik zur Ausschmückung von 
Decken und Wänden, sogar an Säulenschäften. 
Manche von den Formgebilden haben die Kreter 
herübergenommen und bis nach Griechenland ge 
tragen, anderes ging auf dem Umweg über Vorder 
asien in die antike Kunst. So wirkte die ägyptische 
Kunst weit hinaus befruchtend. 
Abteilung III. Babylonisch-assyrische und persische Baukunst. 
Tafel 1. Die bekanntesten Denkmäler der baby 
lonisch-assyrischen Baukunst sind die gestuften 
Türme, die Zikkurats, deren stockwerkshohe 
Stufen durch Rampen ersteigbar waren. Früher 
hielt man sie für Tempel, jetzt wissen wir, daß 
sie nicht selbst Tempel waren, daß aber zu jedem 
Tempel einer Gottheit eine Zikkurat gehört, die 
den Thronsitz der Gottheit in der Höhe darstellt, 
von dessen Spitze aus sie die Welt regiert und 
richtet. Die Tempel dagegen bestanden aus 
großen Gebäudekomplexen, ihre Höfe und Kult 
räume waren von mächtigen, oft turmartig vor 
tretenden Mauern umschlossen. Im babylonischen 
Tempel lagen etwa drei querrechteckige Säle hinter 
einander als eigentliche Kulträume; im Assyrischen 
folgte hinter einem querliegenden Vorraum ein 
nach der Tiefe sich erstreckender Saal, an den 
sich meist noch ein Adyton (hinteres Gemach) oder 
eine Nische anschloß. 
Die Stufentürme waren wie die Tempel und 
alle Bauwerke in Babylonien aus luftgetrockneten 
Ziegeln erbaut; besseres Baumaterial gab es nicht. 
Die Außenmauern wurden jedoch bei bedeuten 
deren Bauten mit gebrannten Ziegeln verkleidet; 
dabei verwendete man auch buntglasierte und 
setzte solche zu reichen Ornamentfriesen zu 
sammen. Buntglasierte Reliefziegel sogar wurden 
hergestellt und zur Darstellung von gewaltigen 
Reliefbildern von Löwen, Drachen und anderen 
Fabeltieren verwendet. Der Ziegeltechnik entspricht 
auch die auf Tafel 1 dargestellte vertikale Mauer 
gliederung. Ähnliche prismatische Nischenbil 
dungen beherrschten auch die Anfänge der ägyp 
tischen Baukunst und lebten im Alten Reich in 
den Scheintürmotiven noch weiter. Im Ziegelbau 
entsteht auch der Zinnenkranz, der, nach den Re 
liefbildern zu schließen, in der babylonischen Bau 
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kunst die hohen Mauern und ihre turmartigen 
Vorsprünge bekrönte. 
Die assyrische Baukunst fußt fast in allem 
auf der älteren Babylons. Sie arbeitet mit dem 
gleichen Material und den gleichen Baugedanken. 
Hie und da kommen Hausteinteile vor. Zur Ver 
kleidung der unteren Wandteile benutzte man oft 
in mehreren Reihen übereinander Alabasterquadern, 
die mit köstlichen Reliefs verziert wurden. Solche 
Reliefs, bald Jagdstücke, Krieg oder häusliches 
Leben schildernd, kamen in den gewaltigen Palast 
bauten zu Khorsabad (Sargon 722 — 705) und 
Kujundschik (Sanherib 705—681) zutage. 
Tafel 2—4. Der Sargonspalast erhob sich auf 
mächtiger Terrasse an der Stadtmauer. Mit einem 
Hohlkehlengesims war die steinerne Brüstung ab 
geschlossen (Tafel 3, Fig. 6). Der Palast enthielt 
2 gewaltige Höfe, etwa 20 kleinere und rund 
200 Säle und Zimmer. Von Türmen flankiert, deren 
Mauern auf Stierkolossen ruhten, führte das Haupt 
portal in den großen Hof H. Rechts Vorratsräume, 
links durch ein kleineres Tor zugänglich, der 
Tempelkomplex mit drei Kulträumen h 2 und drei 
Höfen; dahinter die Zikkurat P. Vom großen Haupt 
hof führt ein zweites Tor in den inneren Palast 
hof H 1 , zu welchem man auch mittels Wagen auf 
der Rampe a, durch ein Seitentor gelangen konnte. 
Die Hauptsäle folgen sich wie die Kulträume 
babylonischer Tempel, als quergelegte, fast korridor 
artige Räume, die um den Wohnhof H 2 gelegt 
sind. Die Räume waren mit Holzdecken und 
Lehmestrich bedeckt. Tonnengewölbe aus Ziegeln 
kannte man nur bei Gräbern und Kanalanlagen 
(Tafel 3, Fig. 5). Aber Einzelöffnungen mit Bögen 
sind wohl anzunehmen (vgl. Tafel 3, Fig. 7). Das 
kleine Gebäude s wird als Bet Chilani bezeichnet = 
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