Abteilung VI.
Fig. 2. S. Croce in Oerusalemme. Wahrscheinlich
ein antiker großer Saalbau aus dem Anfang
des 4. Jahrhunderts, in welchen Säulenarkaden
eingestellt worden sind. Apsis und Vorhalle
wurden angefügt.
Fig. 3. S. Pietro in Vincoli. Zur Aufbewahrung
der Fesseln Petri, 442 gestiftet, noch nach
dem Vorbild der großen »konstantinischen« Apostelbasiliken
mit Querschiff. Die beiden Seitennischen
erinnern wieder an die in der östlichen Kirche üblichen
Plätze von Prothesis und Diakonikon.
Fig. 4. S. Maria in Cosmedin. Ein bescheidenes
Kirchlein aus dem 6. und 8. Jahrhundert. Auch
hier, wie in S. Clemente, bereits Pfeiler innerhalb der
Arkadenflucht. Die alte Inneneinrichtung der Cancelli
und Ambonen, die Osterkerze und ein mittelalterlich
umgebautes Ciborium sind noch erhalten
und geben dem schlichten Raum einen großen Reiz.
Fig. 7. S. Apollinare nuovo in Ravenna.
Das, was Ravenna für alle Zeit groß und wertvoll
gemacht hat, ist im knappen Zeitraum von 150 Jahren
entstanden. Hier fand das römische Weltkaisertum
Zuflucht und Ende, hier blühte das ostgotische
Reich unter Theoderich (493—526) auf. S. Apollinare
nuovo wurde für die Arianer, zu denen
Theoderich gehörte, gebaut. Der Innenraum
zeigt noch, trotz der Veränderung des Chors,
die ganze Schönheit und Strenge der alten Basilika
und insbesondere ihre Ausstattung. Hier allein ist
der ganze reiche Schmuck der Mosaiken der Hochwände
erhalten: Überden Fenstern, dazwischen und
darunter (die jüngsten) sind Mosaikbilder, Heiligenfiguren
und ein langer Zug von Märtyrern, in weißen
Kleidern dargestellt. Es gibt nicht leicht etwas, das
inhaltlich und formal diese Kompositionen innerhalb
des basilikalen Raumgedankens und des baulichen
Rhythmus übertreffen könnte.
Fig. 6. S. Apollinare in Classe. Hier ist
die alte Apsis erhalten, bezeichnend für den byzantinischen
Einfluß (vgl. auch Tafel 10 u. 11) ist der
mit großen Fenstern durchbrochene, außen polygon,
innen kreisrund gebildete Apsiskörper.
Fig. 5. Dom in Parenzo. Auch hier ist sofort
der byzantinische Einfluß erkennbar an der
Apsisform und den Konchenabschlüssen der Seitenschiffe.
Von der Westseite ist noch das kleine
Atrium erhalten, an dem eine achteckige Taufkapelle
— Baptisterium — steht. Die Vereinigung
von Basilika und Baptisterium war bei altchristlichen
Anlagen üblich, meist aber ohne daß
eine strenge architektonische Verbindung angestrebt
wurde. (Rom: Lateran ; St. Peter; Torcello.)
Tafel 9. Altchristliche Zentralbauten.
Fig. 1 u. 2. Grabmal der Costanza in
Rom. Neben dem basilikalen Grundriß wurde
schon früh auch der des Zentralbaues für christliche
Anlagen beansprucht. Die erste Bedeutung
scheint er für Grabkirchen gehabt zu haben, womit
er auch unmittelbar an den heidnisch-antiken
Brauch anschließt: die Rundgräber an der Via
Salaria, das Mausoleum des Romulus am Forum,
das Diokletiansgrabmal in Spalato usw. Im Orient
wird die zentrale Bauanlage für Denkmalskirchen,
das ist für Räume, die eine örtlich bedingte Kultstätte,
ein Grab oder einen heiligen Gegenstand
umschließen, beliebt; sie ist aber auch zu kirchlichen
Versammlungsräumen verwendet worden.
In Rom waren die gewaltigsten Vorbilder für
Zentralbauten das Pantheon und die gewölbten
Thermensäle. Vom geschlossenen Rundbau des
Pantheon führt die Entwicklung zu den Kuppelräumen
der Thermen, deren Wände mit tiefen Nischen
und Fenstern durchbrochen sind; und von
da weiter zu dem von einem Umgang umschlossenen
Zentralbau der S. Costanza. Diesen Schritt,
den durchbrochenen Kuppelraum noch mit einer
weiteren Raumform zu verbinden, hat offenbar erst
das 4. Jahrhundert gemacht. Hier geht die christliche
Kunst in den Spuren des römischen Gewölbebaues
noch eine Strecke weiter, während
sie sich beim Langhausbau an die östlichen gewölbelosen
Basiliken als Vorbilder hält.
In S. Costanza tragen 12 Paar gekuppelter
Säulen mit schweren Gesimsen die Bogen, und
darüber den hohen zwölffenstrigen Tambour mit
der Halbkuppel. Als Versteifung dient das ringsum
gelegte Tonnengewölbe, dessen außerordentlich
starke Tragmauern durch Nischen wechselnder
Form gegliedert sind. Wiederum ist, wie bei der
Basilika, deren Querschnitt hier auf den Rundbau
übertragen scheint, der untergeordnete Raum nur
mäßig und indirekt beleuchtet. Der ursprünglich
reiche Mosaikschmuck an Wänden und Gewölben ist
fast ganz späteren Restaurationen zum Opfer gefallen.
Fig. 3 u. 4. Nicht so bedeutend ist das Baptisterium
zu Nocera. Der Grundgedanke ist
der gleiche und technisch vielleicht richtiger ausgesprochen,
weil die Seitengewölbe als Widerlager
richtiger an der Kuppel ansitzen als in S. Costanza.
Aber räumlich ist eine greuliche Mißform,
ein finsteres Gewölbe entstanden, das nichts von
der aufrichtenden Schönheit des vorigen behalten
hat. Die Ansetzung einer Apsis zeigt auch bereits
den Widerspruch zwischen der Raumform
und der liturgischen Notwendigkeit, ein Widerspruch,
der sich in der ganzen Entwicklung des
christlichen Kirchengebäudes geltend macht.
Tafel 10 u. 11. S. Vitale in Ravenna. (Erbaut
zwischen 540—46.) Eine große Steigerung
des zentralen Bausystems wird durch diesen raven69
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