Volltext: Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen

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Zugleich  wurde  Abel  zum  Mitgliede  der  Eisenbahnbaukommission  und  zum  Baurat  ernannt
und  war  eifrig  bemüht,  zunächst  der  entsprechenden  Aufgabe  über  Erbauung  des  Teiles  Heilbronn—
Hall,  welchem  noch  der  technische  Betriebsdienst  auf  der  Bahn  Ulm-Friedrichshafen  beigestellt
wurde,  nachzukommen.  Zu  seiner  Unterstützung  für  Detailbearbeitung  und  Ausführung  der  genannten ­
  Bahn  waren  bestellt  die  Bauämter:
1)  Heilbronn  mit  Bauinspektor  Binder,
2)  Oehringen  mit  Bauinspektor  Daser,
3)  Hall  mit  Bauinspektor  Bonhöffer,
4)  Hochbauamt  Hall  mit  Bauinspektor  Dimmler.
Die  Vorarbeiten  nahmen  ungehinderten  Verlauf,  während  bei  der  Ausführung  allerlei  schwierige ­
  Erdbewegungen  zu  bekämpfen  waren.  In  dem  Tunnel  bei  Weinsberg  waren  derart  empfindliche ­
  Schwierigkeiten  eingetreten,  dass  schon  während  des  Baues  und  demselben  nachfolgend  ein
starker  hölzerner  Einbau  nötig  wurde.  Dort  haben  sich  die  gipshaltigen  Mergel  und  Anhydrite
in  ihrem  Volumen  erweitert  und  haben  mit  fast  unwiderstehlicher  Kraft  das  Gebilde  aus  Menschenhand ­
  zu  erdrücken  gesucht.
Diesen  bedrohlichen  Bewegungen  wurde  entgegen  zuwirken  versucht,  erst  ohne,  dann  später
mit  wünschenswertem  Erfolg,  nachdem  es  einer  aus  den  Oberingenieuren  der  Eisenbahnbaukommission,
aus  Geognosten,  Bergleuten  und  anderen  Technikern  bestehenden  Kommission  nach  gründlichen
Untersuchungen  gelungen  war,  die  Ursachen  jener  zerstörenden  Kraft  zu  entdecken.  In  der  ersten
Zeit  der  eingetretenen  Bewegung  erschien  es  jener  Kommission  fraglich,  ob  der  Zutritt  von  Luft,
von  Wasser  oder  von  welch  anderer  Ursache  die  Blähungen  des  Gipsmergels  veranlasst  waren,
doch  wurde  diese  Frage  durch  besagte  Kommission  erledigt.
Durchaus  in  einem  von  der  Weinsberger  bis  zur  Heilbronner  Seite  reichenden  Gefälle
von  x  :  200  angelegt,  wurde  der  Tunnel  von  jener  Seite  und  von  einem  in  Mitte  seiner  Länge
eingesetzten  Förderschacht  durch  Tag-  und  Quellwasser  in  seinem  Innern  befeuchtet.  Da  weder
der  Zutritt  der  Luft,  noch  jener  des  Wassers  besagte  Wirkung  erkennen  liess,  wurde  zunächst  die
Abwehr  des  drohenden  Unheils  mit  mechanischen  Mitteln  versucht.
Ein  Bodengewölbe  und  ein  hölzerner  Einbau  wurden  in  den  Tunnel  eingesetzt;  sie  waren
aber  nicht  im  stände  der  gewaltigen  Kraft  der  sich  blähenden  Mergel  zu  widerstehen.
Besonders  nachteilige  Folgen  hatte  die  Einlegung  des  Bodengewölbes.  Da  es  nicht  nur
zerstörende  Wirkung  der  Blähungen  auf  Widerlager  und  Gewölbe  des  Tunnels  ausübte,  sondern
selbst  der  Zerdrückung  anheimfiel,  so  war  es  geboten,  nachzuforschen,  wie  die  fortdauernden  Beschädigungen ­
  alles  Mauerwerks  möglichst  abzuwenden  wären,  und  wurden  zu  diesem  Zwecke
ausser  den  vorbesagten  Vorkehrungen  weitere  Beobachtungen  angestellt.  Das  bestehende  Schienengeleise ­
  wurde  in  Tunnelsmitte  gerückt,  um  dessen  hölzernen  Einbau  so  stark  in  dem  Tunnel  einrichten ­
  zu  können,  dass  die  Gefahr  seines  Einsturzes  als  beseitigt  angesehen  werden  konnte.
Hierauf  wurden  immerwährende,  mindestens  alle  Monate  zu  wiederholende  Untersuchungen
über  die  Veränderungen  angeordnet,  welche  sich  in  der  Mergelmasse  unter  der  Tunnelsohle,  unter
dem  Bodengewölbe,  neben  den  Widerlagern  und  über  dem  Gewölbe  begaben.
Das  Ergebnis  dieser  Untersuchungen  war,  dass  1)  der  Boden  und  das  Geleise  im  Tunnel
monatlich  bis  zu  24  Centimeter  sich  hob,  nachdem  das  zugedrungene  Wasser  die  Gipsmergel
erweicht,  in  kristallinische  Form  umgewandelt  und  in  ihrem  Volumen  ausgedehnt  hatte,  dass  aber
2)  die  das  Gewölbe  und  die  Widerlager  umgebende  gleichartige  Erdmasse  in  sich  kaum  und  nur
auf  geringe  Tiefe  unwesentlich  verändert,  nur  durch  eine  Anzahl  Risse  in  sich  getrennt  war,  aber
weder  Ausdehnung  angenommen,  noch  weniger  das  Mauerwerk  beschädigt  hatte.  Es  war  nun  klargestellt, ­
  dass  alle  in  demselben  vorgekommenen  Beschädigungen  lediglich  auf  die  Wirkung  des
Wassers  in  der  Tunnelsohle  und  unter  dem  Bodengewölbe  zurückzuführen  waren.  Ueber  dem
Gewölbe  hinweg  und  an  den  Widerlagern  vorüber  war  das  gefährliche  Wasser  ohne  Ausübung
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