Insbesondere verkehrte er mit berühmten auswärtigen Technikern, u. a. dem Baudirektor
Pressei in Wien, als er die Wahl zwischen der Gäu- und Strohgäubahn zu treffen hatte; von Einfluss
bei dieser Wahl war die Frage, ob und wie mit angemessener Maximalsteigung und Richtung
den beiden Teilstrecken für Lokal- und Durchgangsverkehr nützlichst gedient werden und ob für
diesen Fall die Nagoldbahn eine für Durchgangsverkehr von Stuttgart über Calw nach Horb—
Rottweil—Basel geeignete Richtung bilden konnte?
Es wurden denn auch eifrigste Bemühungen eingesetzt, um der Bahn Horb—Calw-Zuffenhausen
möglichst günstige Visiere abzugewinnen und es wurde ausser dem für Tracierungsarbeiten
.vorzüglich geeigneten und bewanderten, für sanfte Steigungen warm eingenommenen Oberingenieur
Abel auch der früher in Württemberg und später in der Schweiz mit Auszeichnung thätig
gewesene Bauinspektor, nachherige Baurat v. Bekh zu diesem Zwecke vorübergehend in Verwendung
gezogen.
Doch war es, was die Bahn Zuffenhausen—Calw—Horb betrifft, nicht möglich, die Ecke
bei Calw und andere Ausbiegungen in zweckdienliche Richtungen zu übersetzen, und ein recht
zweifelhafter Gewinn war es, als die erst der Terrainlage mehr angepasste Steigung von 1:45 in
eine solche von 1:62 verändert wurde. Auch dieser Aufstieg erfordert für frequente Transitbahnen
eine Vorspannlokomotive und verlängert gleichwohl wegen der Sogen. Entwickelung die Längenausdehnung,
was in dem gegebenen Falle besonders nachteilig war. Doch wurde die Bahn Zuffenhausen—Horb,
weil in sich berechtigt, in den generellen Plan der Schwarz waidbahnen von der
Regierung aufgenommen, indem die von dem Minister mit Bearbeitung der Böblinger Bahn Beauftragten,
Oberbaurat v. Gaab und Bauinspektor Hocheisen von Rottweil, mit Fertigung der Pläne über
diese Gäubahn und hierauf der Baurat Abel mit einem Kontrolleprojekt über die Böblinger Strecke
beauftragt waren und dieselben Pläne von der Regierung den Ständen zur Vergleichung, Begutachtung
und zur Verabschiedung der Leonberger Bahn übergeben waren.
Dieses Material sollte die Stände zu gründlicher, unparteiischer und reiflicher Begutachtung
und Beschlussfassung über die Vorlage in Stand setzen. Bei der Prüfung der beiden Linien in der
volkswirtschaftlichen Kommission und der II. Kammer kam zwar die Böblinger Linie nicht zu
Schaden, vielmehr wurden derselben hauptsächlich von dem Referenten Mohl verschiedene Vorzüge
zuerkannt — gleichwohl aber auch nicht zur Genehmigung.
II. Abteilung: Pforzheim-—Calw—Eutingen—Horb.
Technischer Referent: Baurat Abel; Administrativreferent Finanzrat Rank; Bauzeit: 1868.
Diese Linie erhielt bei der generellen Projektierung ihren Abstoss auf der Station Pforzheim,
auf welcher die Grossherzogi. badischen Bahnen Mühlacker und Karlsruhe—Pforzheim ihre
Aufnahme gefunden hatten und welche auch den Ausgangspunkt der Strecke Pforzheim—Wildbad
bildet. Von dort war erst das Flüsschen Enz zu überschreiten, die Wasserscheide zwischen letzterem
und dem Gebiete der Nagold zu durchdringen und war im Nagoldthale selbst durch einen weiteren
Tunnel bei dem Städtchen Weissenstein und an dem Badeorte Liebenzell vorüber vorzudringen,
endlich Calw auf gleicher Höhe mit der Station dieses Namens, dem Endpunkt von Zuffenhausen—
Calw, zu erreichen. Nachdem dort die beiden Bahnen vereinigt, waren sie gemeinsam im Nagoldthale
weiter an Teinach—Wildberg—Nagold—Gündringen vorüber bis an die Stelle zu führen,
wo das Nagoldthal durch die Höhe von Hochdorf vom Neckarthale abgeschlossen ist. In südlicher
Richtung sodann durch einen Tunnel bei Hochdorf vordringend, war von dieser Station die Bahn
in einer grossen Schleife nach Eutingen fortzusetzen, um nach Vereinigung mit der Gäubahn auf
letzterer Station Anschlüsse in südlicher Richtung auf der Höhe des Schwarzwalds bei Freudenstadt,
anderseits in langgestreckter Ausschlängelung erst gegen Osten und nachher durch das Mühlenthal
in ostsüdöstlicher Richtung die Niederung des Neckars bei Horb zu gewinnen.
Nicht unbedenklich und die Hoffnungen auf schöne Erträgnisse wesentlich herabstimmend,
war die Lageform dieser Teilstrecken unter sich und mit den Verästungen der Bahnen des