Volltext : Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen

Jh. Ges. Naturkde. Württemberg | 153. Jahrgang 1 Stuttgart, 15. Dezember 1997 )

Aktuelle Beiträge

Wirkungen des atmosphärischen Kohlendioxid-Anstiegs
auf die Biosphäre

Von ULRICH KuLL, Stuttgart
Mit 4 Abbildungen und 1 Tabelle

Zusammenfassung

Der C-Kreislauf, die Wirkungen erhöhter CO,-Konzentrationen auf Pflanzen in
Laborversuchen sowie die Veränderung des CO2-Gehalts der Atmosphäre im Verlauf
 der Erdgeschichte und deren Effekte auf die Evolution der Lebewesen werden
dargestellt. Experimente unter Bedingungen zukünftiger CO,2- und Temperaturverhältnisse
 zeigen bei Einzelpflanzen eine Zunahme der Stoffproduktion und eine
Veränderung der Assimilatverteilung. Letzteres dürfte Auswirkungen auf Nahrungsketten
 haben. Spaltöffnungszahl und Blattaderdichte sind in komplexer Weise von
den Umweltfaktoren abhängig. Die bisherigen Langzeitversuche in Ökosystemen
unter CO2-Anreicherung zeigen — außer bei Trockenheit — keine bleibende Erhöhung
 der Stoffproduktion, aber gesteigerte Umsatzraten. Gleichzeitige Stickstoffzufuhr
 birgt die Gefahr einer drastischen Veränderung der Ökosysteme unter Artenverarmung.
 Die bei erhöhtem CO2-Gehalt veränderte Konkurrenzfähigkeit der Arten
 kann zur Auflösung der bisherigen Vegetationseinheiten (Zonobiome und deren
Pflanzengemeinschaften) führen. Auch Gesellschaften des Tertiärs zeigen andere
Artenkombinationen aufgrund anderer Konkurrenzverhältnisse. Die biologischen
Möglichkeiten zur Verringerung des CO,-Anstiegs sind vergleichsweise gering.

Einleitung

Der gut dokumentierte globale Anstieg des CO„-Gehalts der Atmosphäre
 seit Beginn der Industrialisierung von etwa 280 ppm auf mittlerweile
 etwa 350 ppm verursacht eine Erwärmung der Erdoberfläche („Treibhauseffekt“).
 Diese Folge wurde auf der Basis physiko-chemischer Überlegungen
 schon 1896 von S. ARRHENIUS (1896) postuliert. In der quantitativen
 Voraussage der eintretenden Klimaeffekte gibt es aber große Unsicherheiten
 (SCHÖNWIESE 1997). Immerhin erlauben die Modelle, das Eintreten
folgender Vorgänge qualitativ vorherzusagen:
globale Temperaturerhöhung;
globale Zunahme von Verdunstung, Luftfeuchte und Niederschlag (bei
beiden Prozessen erhebliche regionale Umverteilung, so daß etwa die
Hälfte der Landoberfläche Vorteile erlangt, die andere Hälfte Nachteile
erleidet (s. z.B. LARCHER 1994);
Meeresspiegelanstieg;
möglicherweise Zunahme von Extremereignissen.

Ih. Ges, Naturkde. Württ. 153 (1997)
            
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