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Soziale Analyse der Führerschaft
die Lohnarbeiterschaft in ungleiche, stetem Wechsel unterworfene
Teile gespalten werden.
Das Abhebungsbedürfnis beschleunigt im übrigen nur den
Prozeß der Differenzierung, wie er durch die auch in der
Arbeiterschaft obwaltenden individuellen Unterschiede hervorgerufen
wird. Neuerdings sind Versuche gemacht worden, selbst
die Gegensätze zwischen Kommunisten und Sozialisten wie
auch diejenigen zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern x )
auf Unterschiede des Temperaments (reflektierte Charaktere
und unreflektierte, ordnungshebende und unordentliche) zurückzuführen
(Arbeitsbursch und Lehrling). „Alles ernst zu
nehmen” führe zum Opportunismus. Parteieinstellung sei Folgeerscheinung
des „Lebensstiles” 1 2 ). Freilich hat dieser Lebensstil
denn doch auch seinerseits wiederum berufliche Grundlagen.
Ursache und Wirkung sind also hier schwer auseinander
zu halten. Ein Spezialist sagt darüber: „Werfen wir nun einen
Blick auf den ungelernten Arbeiter und seine Neigung zum
Radikalismus. Ich sage, daß sich sein Verhältnis keineswegs
in erster Linie aus dem Lohntarif ableitet. Die Transportarbeiter
(im großen und ganzen doch ungelernte Arbeiter) stehen z. B.
zur Zeit höher im Tarif als etwa die Buchdrucker. Und doch
dürfte hundert gegen eins zu wetten sein, daß die Zahl der Kommunisten
unter den Transportarbeitern ungleich viel größer
ist als unter den Buchdruckern. Maßgebend ist vielmehr das
Arbeitsverhältnis. Man merkt es schon dem Typus an. Der
ungelernte Arbeiter ist in der Regel nicht nur nachlässiger in
der Kleidung, sondern auch in der Haltung. Er geht, steht
1 ) Kurt Geyer („Der Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung.
Ein soziologischer Versuch”. Jena 1923, S. 73 ff.) lehnt die
Herleitung des Radikalismus aus' der gedrückten Existenz besonders
tiefstehender proletarischer Schichten ab.
2 ) Günther Dehn: „Großstadtjugend”. Berlin 1919, Heymann,
S. 40. Carl Mennicke: „Massenbewußtsein. Zur Psychologie der
sozialistischen Bewegung”, Frankfurter Zeitung vom 15. April 1923
(I. Morgenblatt, Nr. 276).