Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/18/
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stisdi eingestellt: der Erdkreis gehörte eben dem Sohn des Himmels 
oder war unbeachtlich. Erst heute, wo diese Anschauung als ein so 
schwerer Irrtum sich offenbart, versucht die Partei der Jugend, die 
Kuomintang, dem Volk ein solches Gefühl zu geben. Das ist aber 
vorläufig ein Erziehungsexperiment, ganz ähnlich wie das des 
Faschismus’ in Italien. 
* * * 
Soviel über das Gesamtgebiet Ostasien. Nun noch einige geo 
graphische Einzelheiten. 
Für Japan hat der Inselcharakter des Landes die politisch selb 
ständige Entwicklung des Reiches ganz ebenso durch viele Jahr 
hunderte gewährleistet wie bei England. Letzteres hat seit 1066 
keinen auswärtigen Feind auf seinem Boden gesehen, Japan seit 
historischem Gedenken überhaupt nicht. Der einzige Versuch einer 
großen maritimen Unternehmung gegen Japan, der Flottenangriff 
des mongolischen Groß-Khans Kublai, der damals zugleich Kaiser 
von China war, 1281, scheiterte ebenso durch einen Meeressturm, 
wie der der Armada auf England 1588. Und ähnlich wie diese Ge- 
schütztheit und Abgeschlossenheit die Bevölkerung Großbritanniens 
keineswegs verweichlicht und unkriegerisch gemacht hat, so ist dies 
auch bei Japan nicht geschehen, wie wir ja alle wissen. Vielleicht 
hat sie im Gegenteil in beiden Fällen den männlichen Stolz und das 
Unabhängigkeitsgefühl erzeugen helfen, die beide Völker besitzen. 
Auch darin bestehen Parallelen mit England, daß auch das bri 
tische Volk keineswegs immer auf Grund seiner Meerlage einen 
überseeischen Handel und eine überseeische Politik getrieben hat. 
Ganz wie England dazu erst übergegangen ist, als der Atlantische 
Ozean von anderer Seite her zu einem Schauplatz des Welthandels 
und Weltverkehrs gemacht worden war, gerade so ist auch Japan 
erst in den Überseeverkehr mit eingetreten, als die Europäer und 
Amerikaner die Rolle des Stillen Ozeans geändert hatten. Dann 
aber haben die Japaner ebenso wie die Briten die Gunst ihrer See 
lage und die Trefflichkeit ihrer Hafenbuchten sofort zur Entwick 
lung einer kommerziellen und politischen Seemacht zu entwickeln 
verstanden. 
Im Lande selbst überwiegt das Gebirge ganz außerordentlich 
über die Ebene. Eine ungemein mannigfaltige, formenreiche Ge- 
birgswelt erfüllt Japan, an deren Bildung jugendlicher Vulkanis 
mus einen sehr großen Anteil hat, wenngleich er sie nicht aus 
schließlich beherrscht. Er schafft ungemein malerische Bergformen,
        

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