Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/22/
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trotz dieses Mißerfolges seines Siedlungsgedankens die stärksten 
Ursachen hat, an seiner Mandschureipolitik festzuhalten. — 
Schauen wir nun hinüber nach China, so liegen die natürlichen 
Verhältnisse vielfach ganz anders als in Japan. Hier findet sich 
reicher Raum zur Entfaltung einer ackerbaulichen Bevölkerung, 
insbesondere in Nordchina, aber auch in den Verebnungen und Tal 
böden des mittleren und südlichen. 
Richthofen macht in seinem Monumentalwerk eine Schei 
dung zwischen Nord- und Südchina auf Grund des orographischen 
Baus. Als Grenze zwischen beiden nimmt er das mächtige, ungefähr 
westöstlich streichende Gebirge Tsinlingschan, eine Fortsetzung des 
Kunlungebirges von Tibet, und seine Verlängerung, den Hwai- 
schan, der in der Gegend der Yangtsemündung endigt. Er tut dies 
mit außerordentlich durchschlagenden Gründen: im Norden ein 
Gebiet, wo die Verflachungen vorherrschen. Hier dehnt sich vor 
allem die „Große chinesische Ebene“ aus, eine der größten Ebenen 
der Erde mit einem Lockerboden von höchster Fruchtbarkeit, ein 
Hauptsitz der Millionenmassen der chinesischen Bevölkerung, eines 
der ausgesprochensten Agrargebiete der Welt. Aber auch die ge 
birgigen Gebiete Nordchinas, insbesondere der Nordwesten, die 
Provinzen Schansi, Schensi, Kansu, sind vorwiegend Tafelländer, 
deren Geländeformen außerdem noch stark ausgeflacht werden 
durch die Bedeckung mit dem staubentstandenen Löß, von dem wir 
schon sprachen. Diese, man kann so sagen, Muttererde der alten 
chinesischen Kulturentwicklung ist im Süden der Tsinlingschan- 
Hwaischan Grenze fast gar nicht mehr zu finden. Da auch die Große 
Ebene im wesentlichen aus dem von den Flüssen umgelagerten Löß 
besteht, so herrscht er auch in dieser. Die Folge davon ist eine 
außerordentliche Gleichförmigkeit und Gleichartigkeit des Boden- 
anbaus, der Bodenfrüchte, der gesamten Lebensweise. Anders Süd 
china, das fast durchweg ein vielgestaltiges Mittelgebirgsland ist, 
mit starker Sonderung in natürliche Einzellandschaften, mit einer 
großen Vielfältigkeit der Zusammensetzung des vom Löß nicht ver 
hüllten Bodens und einer darauf gegründeten viel größeren Mannig 
faltigkeit der agrarischen Kultur und einer viel reicheren stamm- 
lichen Sonderung der Bevölkerung. Auch klimatisch sondert sich 
Richthofens Nord- und Südchina. Nördlich von Tsinlingschan- 
Hwaischan schroffer Wechsel zwischen Sommer- und Wintertempe- 
ratur, völliger Stillstand der Vegetation und damit des Ackerbaus 
im Winter wie bei uns oder in Rußland. Südlich von dem Grenz
        

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