Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/23/
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wall dagegen nicht völlige Winterruhe, immergrüne Pflanzen bis 
an den Südfuß der Gebirgsgrenze, nicht völliger Stillstand der 
adcerbaulichcn Tätigkeit auch in den nördlicheren Teilen und von 
dort allmählicher Übergang in Vegetation und Wirtschaft bis zu 
den tropischen Bereichen des äußersten Südens. Weiter ist Nord 
china ein Gebiet ausgesprochenen Landverkehrs, mit Wagen auf 
Landstraßen auf Hunderte von Kilometern hin. Dagegen auf den 
Flüssen fast gar keine Schiffahrt. Mindestens keine zusammenhän 
gende und weiterreichende, mit Ausnahme auf der großartigen, im 
Mittelalter geschaffenen künstlichen Wasserstraße des Kaiserkanals 
von der Mündungsebene des Yangtsekiang nach der Reichshaupt 
stadt Peking. Die lößbeladenen Flüsse Nordchinas sind für die 
Schiffahrt viel zu stark verschlammt, einschließlich des gewaltig 
sten von ihnen, des Hwangho. Sogar auf die Seeschiffahrt bezieht 
sich das. Mit Ausnahme der gebirgigen Gestade der Halbinsel 
Schantung besitzt Nordchina nur eine sandige Flachküste von 
äußerster Verkehrsfeindlichkeit, ohne jeden Hafen von Bedeutung, 
ja fast ohne nennenswerte Fischerei. Auch die Flußmündungen 
bieten keine Vermittlung zwischen Land und Meer; selbst die des 
Hwangho nicht; eine Barre verschließt sie, so daß kein Hafen an 
ihr liegt. Einzig der kleine Paiho nördlich davon hat bisher, mit 
Baggerungen, kleinere Seeschiffe einige Dutzend Kilometer weit 
ins Land getragen, und daraufhin ist hier die wichtigste inter 
nationale Handelssiedlung Nordchinas, Tientsin, erwachsen. Da 
nun in Nordchina die chinesische Kultur entstanden ist, so erklärt 
es sich, daß sie einen so ausgesprochen kontinentalen Charakter 
bekommen hat. Seeschiffahrt hat das chinesische Volk Jahrtausende 
hindurch so gut wie überhaupt nicht betrieben. Das wurde erst 
anders, seit sich die chinesische Macht auch über Südchina ausge 
dehnt hat. Südchina besitzt im Gegensatz zum nördlichen eine aus 
gezeichnete, für die Verknüpfung von Land und Meer geeignete 
Küste, ausgestattet mit zahllosen Vorsprüngen und Hafenbuchten 
sowie Scharen von vorgelagerten, zur Seefahrt anlockenden Inseln. 
Hier hat es sicher seit alters auch Seefischerei und Seeschiffahrt ge 
geben. Und nun begann auch das chinesische Volk rasch eine See 
fahrt zu entwickeln, die zeitweilig sehr bedeutend gewesen ist und 
längs der Küste Südchinas bis nach dem Persischen Meerbusen, ja 
dem Roten Meer gereicht hat. Trotzdem kann man den vorwiegend 
kontinentalen Interessenhorizont der chinesischen Kultur deutlich 
noch weiter erkennen. China hat oft eine weitausschauende fest-
        

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