Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/24/
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ländische Machtpolitik verfolgt und die Grenzen seines Reiches 
weit nach Inner- und Südasien vorgetragen; niemals aber hat es 
überseeische Eroberungszüge gemacht. Die oben erwähnte Flotten 
unternehmung gegen Japan ging von einem Fremdherrscher, dem 
Mongolenkhan Kublai, aus. 
Auch im Binnenlande ist das Verkehrswesen Südchinas stark 
verschieden von dem nordchinesischen. In Südchina spielt der 
Wagen verkehr eine sehr geringe Rolle, ja südlich vom Yangtse- 
kiang gab es bis zur Einmischung der Europäer eigentlich über 
haupt keinen Wagen; noch heute ist die Bewegungsfähigkeit des 
Wagens dort sehr beschränkt durch das gebirgige Gelände und die 
diesem angepaßten Straßen, die schmale Fußpfade sind, zum Teil 
Treppenwege, mit entsprechenden Brücken, auf denen man zu Fuß 
geht oder reitet oder sich in Sänften tragen läßt. Auf minder ge 
birgigen Strecken wird auch die einrädrige Schiebkarre des Nordens 
noch gebraucht, aber kein Wagen. Dafür aber findet auf den Flüs 
sen und Seen Südchinas — auch wieder ganz im Gegensatz zum 
Norden — ein überaus starker Binnenschiffahrtsverkehr statt, mit 
Dschunken, Sampans und Flößen, der sogar den Landverkehr quan 
titativ übertreffen dürfte. 
So erscheint also die Richthofen sehe Sonderung von Nord- 
und Südchina auch in dieser Hinsicht wohl begründet. Eingewendet 
kann nur die starke räumliche Ungleichheit der beiden Teile wer 
den, da Nordchina sehr viel kleiner ist als Südchina, wenn man es 
im Norden, wie üblich, mit der Großen Mauer enden läßt. Fügt 
man aber noch die Mandschurei hinzu, wie nach der amtlichen Auf 
fassung der gegenwärtigen chinesischen Zentralregierung richtig 
ist — und auch geographisch rechtfertigen das der Oberflächenbau 
und das Klima sehr stark — dann sind die beiden Teile Chinas, die 
Tsinlingschan-Hwaischan trennen, auch annähernd gleich groß. 
Lassen wir die Mandschurei, die bis vor kurzem ja auch offiziell 
als nicht zum „eigentlichen“ China gehörig betrachtet wurde, bei 
seite, dann bietet sich noch eine andere, sehr populäre Einteilung 
in Nordchina, Mittelchina und Südchina dar, die charakterisiert 
wird durch die Gebiete der drei Hauptströme des Landes: Hwangho, 
Yangtsekiang und Sikiang. 
Der Hwangho ist der klassische Fluß Altchinas. An seinen 
Ufern ist die alte Kultur der Chinesen in grauer Urzeit entstanden. 
Und nicht nur rein topographisch an ihm, sondern er ist auch im 
tieferen Sinne damit verknüpft. Wie auch in anderen Gegenden
        

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