Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/28/
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1860 nach einem Konflikt mit Rußland. Als Nordgrenze wurde der 
Amurstrom bestimmt und als Nordostgrenze sein Nebenfluß Ussuri, 
so daß Rußlands Besitz die Mandschurei auch von Osten her ein 
faßte und vom Meere abschloß. Diese für jeden europäisch gewöhn 
ten Staatsmann erstaunliche Grenzziehung zeigt noch einmal die 
geringe Bedeutung, die diese Grenzgegend überhaupt in den Augen 
der chinesischen Regierung besaß, und das oben schon erwähnte 
mangelnde Interesse und politische Verständnis für das Meer und 
den Zugang zu ihm. 
Die Konsequenzen der neuen Lage ließen nicht auf sich warten. 
Es begann, namentlich auch von seiten der Russen, eine wissen 
schaftliche Erforschung der Mandschurei. Sodann eine politische 
Durchdringung. Rußland erzwang von China die Durchführung 
der transsibirischen Eisenbahn durch die nördliche Mandschurei 
nach seinem am Japanischen Meere gegründeten Hafen Wladiwo 
stok sowie die Überlassung eines „Pachtgebietes“ auf der südwärts 
ins Gelbe Meer vorspringenden Halbinsel Liautung, wo es den 
Hafen Dalny und die starke Festung Port Arthur erbaute. Es war 
mehr als deutlich, daß eine vollständige Angliederung der Mand 
schurei an Rußland im Lauf der Entwicklung lag. Das erkannte 
vor allem Japan und griff von Korea aus ein durch den erwähnten 
siegreichen Krieg, durch den es Rußland zwang, das Pachtgebiet am 
Gelben Meer an Japan abzutreten mitsamt der von dort an die 
nordmandschurische Bahn bei Charbin heranführenden Zweigbahn. 
Seitdem herrschte nun in der südlichen Mandschurei der japanische 
Einfluß vor; der russische beschränkte sich auf die nördliche. Jede 
von beiden Mächten entwickelte die wirtschaftlichen Hilfsquellen 
in ihrem Einflußbereich. Und nun stellte es sich immer mehr her 
aus, was für ein wirtschaftlich äußerst wertvolles Gebiet die bisher 
so vernachlässigte Mandschurei ist. Die gewaltigen Flächen ebenen 
oder welligen Landes zwischen den östlichen und westlichen Rand 
gebirgen, größtenteils wie in Nordchina aus fruchtbarem äolischem 
Löß gebildet oder aus ebenso fruchtbaren Flußanschwemmungen, 
durch die hohe Sommerwärme und die reichen Monsunregen für 
den Ackerbau höchst geeignet, erwiesen sich als ein Gebiet ergiebig 
ster landwirtschaftlicher Produktion verschiedenster Art. Die Berg 
gegenden enthielten ungeheure Wälder und der Untergrund barg 
Bodenschätze: ausgezeichnete Kohlen, Eisenerze, Erdöl und anderes 
von höchstem Wert. Rußland sowohl wie besonders Japan taten 
Außerordentliches, um durch Schaffung von Verkehrswegen, Er-
        

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