Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/29/
27 
Öffnung von Bergwerken, Hafeneinriditungen, Investierung von 
Kapitalien diese Schätze zu heben. Die Mandschurei wurde rasch 
eines der für den Welthandel und Weltverkehr aussichtsreichsten 
Gebiete Asiens. 
Jetzt versuchte auch China, unter besonderer Betonung seiner 
Besitzrechte, etwas für das Land zu tun. Auch der Rest der Mand 
schurei erhielt den administrativen Rang des „eigentlichen“ China, 
in Form zweier weiterer Provinzen, Kirin und Heilungkiang. Ein 
chinesischer Generalgouverneur, der berühmte Marschall Tschang 
Tso-lin, übte viele Jahre hindurch hier eine nicht schlechte Ver 
waltung, die das Land frei hielt von den Bürgerkriegswirren des 
übrigen China, und seine Stellung wurde so bedeutsam, daß sie 
den Japanern bedrohlich erschien. Er fiel ja dann einem Eisenbahn 
attentat zum Opfer, das allgemein den Japanern zugeschrieben 
wurde. Unter ihm nahm vor allem ein Vorgang gewaltige Ausmaße 
an, der für die Frage, wem die Mandschurei zufallen soll, die aller 
größte Bedeutung hat: die Einwanderung von Chinesen. Das vor 
her fast entvölkerte Land begann sich schon durch die Bahnbauten 
der Russen mit chinesischen Kulis zu füllen: die weitere Eröffnung 
von Ackerland, Bergwerken, Fabriken mit russischem und japani 
schem Kapital hat dann chinesische Bauern und Arbeiter in solchem 
Maße herangezogen, daß buchstäblich eine Völkerwanderung ent 
standen ist, wie sie die Welt in solchen Dimensionen und so kurzer 
Zeit noch nicht gesehen hat. Mit Dampfschiffen, mit Auswanderer 
zügen, mit Wagen, Karren und zu Fuß sind geradezu Ströme von 
Auswanderern hereingekommen, 1—2 Millionen jährlich, so daß 
heute schon die Zahl der chinesischen Ansiedler in der Mandschurei 
auf mehr als 20 Millionen geschätzt wird. Sie haben schon früh die 
Steppenflächen der südlichen Mandschurei größtenteils in blühende 
Getreide- und besonders Sojabohnenfelder verwandelt. Ihre Dörfer 
schießen wie Pilze aus der Erde, ihre Bedürfnislosigkeit, ihr Fleiß, 
ihre Widerstandsfähigkeit gegen die Unbilden des Winters schlie 
ßen jede Konkurrenz anderer Nationen aus. Geht das so weiter, so 
ist trotz der politischen Überlegenheit Rußlands oder Japans über 
das gegenwärtig so darniederliegende China doch die Chinesierung 
der Mandschurei nur eine Frage der Zeit. 
Diese Tatsache ist es wohl und zugleich der Einfluß der all 
gemeinen Weltlage, die den übrigen Mächten ein Dazwischen treten 
erschwert, was Japan neuerdings veranlaßt hat, mit der größten 
Energie für die Behauptung seines Einflusses und seiner Zukunfts
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.