Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/33/
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wendig sind, und schließlich eine nicht zu überbietende Genügsam 
keit und Anspruchslosigkeit. 
Wenn auch in der Nabe der großen Städte sich in beschränktem 
Maße neue Methoden det Bodenbearbeitung usw. durchzusetzen 
beginnen, so hält der chinesische Bauer im allgemeinen doch mit 
zäher Beharrlichkeit an den durch die J ahrhunderte überkommenen 
und erprobten Arbeitsmethoden fest. Änderungen in dieser Rich 
tung herbeizuführen, bedarf langwieriger, mühsamer Beeinflus 
sung, nicht nur, weil der chinesische Bauer, wie die Bauern der gan 
zen Welt, konservativ eingestellt ist, sondern vor allen Dingen 
auch, weil ihm die zu einer Umstellung (Anschaffung modernen Ge 
rätes, Maschinen, Düngemittel usw.) notwendigen Betriebsmittel 
fehlen. Die chinesischen Bauern sind arm. Sie waren es immer und 
sind es in jüngster Zeit ganz besonders, denn in großen Teilen Chi 
nas leiden sie unendlich unter den innerpolitischen Schwierigkeiten, 
den Generalskriegen, dem Bandenunwesen, dem Steuerdruck und 
den — bald hier, bald dort — auftretenden Naturkatastrophen, mö 
gen sie als Dürren oder — wie 1931 — als Überschwemmungen 
weite Gebiete zerstören. Die ungeheure Wasserkatastrophe des Vor 
jahres hat Millionen chinesischer Bauern um ihr letztes Hab und 
Gut, d. h. nicht nur um das lebende und tote Inventar, sondern 
auch um den Boden gebracht. 
Es ist unter diesen Umständen durchaus nicht verwunderlich, 
daß seit einer Reihe von J ähren in vielen Gegenden Chinas erheb 
liche Verschiebungen in den Eigentumsverhältnissen vor sich gehen, 
d. h. ein nicht geringer Teil bäuerlicher Eigentümer zu Pächtern 
wird. Ihre Lage wird dadurch noch schwerer als sie bisher schon 
war. Wenn auch die Pachtverhältnisse in den verschiedenen Gebie 
ten des unermeßlichen Reiches mannigfache Verschiedenheiten 
aufweisen, so kann man generell doch sagen, daß, an europäischen 
Verhältnissen gemessen, die bäuerlichen Pachtzinsen, die teils in 
bar, zum überwiegenden Teil aber in Naturalien entrichtet werden, 
außerordentlich hoch sind. 
Daß die schlechte Lage weiter Teile der chinesischen Bauern 
schaft einen äußerst günstigen Boden für die politische Agitation 
darstellt, braucht kaum erwähnt zu werden. Wenn sich heute die 
bäuerliche Bevölkerung in großen Distrikten Chinas in Unruhe 
und Unrast befindet und wenn kommunistische Tendenzen sich in 
ihr durchzusetzen versuchen, so ist das nur zu begreiflich in einer 
Zeit, die fast unerträglich auf den an sich so geduldigen, ruhigen,
        

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