Full text: Ostasien in der Krise (1933 / 6)

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menschliche Ernährung hervorragend geeignetes Mehl herstellen. 
Die Chinesen z. B. essen mit Vorliebe eine aus Sojabohnen herge 
stellte, sehr nährstoffreiche Speise, die sie „Tofu“ nennen. An dieser 
so außerordentlich nützlichen und wertvollen Sojabohne hängt in 
der Mandschurei schlechthin alles. Sie ist es letzten Endes, die — 
neben strategischen Rücksichten — die schweren Eisenbahnkämpfe, 
bei denen es sich um die Anlage oder Nichtanlage von Parallel 
bahnen handelt, hervorgerufen hat. Ihre Ausfuhr über die oben ge 
nannten Häfen ist mitbestimmend für die Rentabilität der Bahnen; 
das Gedeihen oder Nichtgedeihen, der Absatz und der Preis der 
Sojabohne sind schlechthin ausschlaggebend für das Ergehen und 
die Kaufkraft der Millionen von Bauern, die sie anbauen, m. a. W. 
für das gesamte wirtschaftliche Leben der Mandschurei überhaupt. 
So ungemein wichtig die Mandschurei als Wirtschaftsgebiet heute 
schon ist, sie wird es im Laufe der Zeit von Jahr zu Jahr mehr 
werden. In einer Beziehung allerdings wird sie kaum eine nennens 
werte Rolle spielen. Nämlich als Reservoir zur Unterbringung des 
japanischen Bevölkerungsüberschusses. Viele Millionen Chinesen 
sind während der letzten 25 Jahre eingewandert, aber kaum mehr 
als eine halbe Million Japaner. Letzteren sagen die klimatischen 
Bedingungen nicht zu, und sie sind wenig geneigt, sich dauernd auf 
mandschurischem Boden niederzulassen. Was an Japanern in der 
Mandschurei sich befindet, sind Beamte, Soldaten, Ingenieure, Kauf 
leute, Gewerbetreibende, Händler, die nach mehr oder minder lan 
gem Aufenthalt in die Heimat zurückkehren, nicht aber Bauern. 
Abgesehen von allem anderen, wäre auch eine Konkurrenz zwischen 
den japanischen und chinesischen Bauern um den Boden der Mand 
schurei von vornherein aussichtslos, denn der chinesische Bauer ist 
schlechthin unübertreffbar in seinem Fleiß, seiner Anspruchslosig 
keit, seiner Anpassungsfähigkeit an fremde klimatische Verhält 
nisse; in dieser Beziehung kann kein Bauer der Welt mit ihm in 
Wettbewerb treten. 
Daher haben auch die Chinesen vollkommen Recht, wenn sie 
sagen, daß Japan gewiß Millionen von Yen in der Mandschurei in 
vestiert und für ihre Erschließung vieles getan habe, aber das wich 
tigste und wertvollste Aktivum der Mandschurei, seine 30 Millionen 
arbeitsamer Bauern, seien fast ausschließlich Chinesen. 
Die gesamte Mandschurei-Frage, besonders auch nach ihrer wirt 
schaftlichen Seite hin, ist noch durchaus im Fluß, denn die ökono 
mische Erschließung der Mandschurei steht erst in ihren Anfängen.
	        

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