Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/53/
das Festland geht in der Linie des schwächsten Widerstandes, richtet 
sich gegen das zur Zeit schwache China. Die zeitweilige Besetzung 
der Gebiete um Wladiwostok, also sowjetrussischen Landes, un 
mittelbar nach dem Kriege, hat den Japanern wohl gezeigt, daß 
hier in einem klimatisch für sich noch schwierigeren Gebiete auch 
geistig, d. h. im Kommunismus, Gefahren und Schwierigkeiten lie 
gen, mit denen man sich vorläufig lieber nicht auseinandersetzt. 
Aber die Bedeutung der von den Japanern schon jetzt erstrebten 
mongolisch-mandschurischen Randgebiete für die Russen und vor 
allem der Nordmandschurei mit ihrem ostchinesischen Bahnnetz 
— das bislang mit seiner russisch-chinesischen gemeinschaftlichen 
Verwaltung die wichtigste Verbindung aus Innerrußland nach dem 
wertvollen und unentbehrlichen Außenbesitz am Gelben Meere, 
nach Wladiwostok bildete — läßt erkennen, daß hinter dem Kon 
flikt mit China für Japan gewaltige Fragen eines erneuten Zu 
sammenstoßes mit dem weißen Manne liegen, mit dem man aller 
dings 1904/1905 sich schon einmal erfolgreich schlug, aber zu Zeiten, 
da die Bedingungen für Rußland sehr ungünstig und für Japan 
verhältnismäßig günstig lagen. Sie liegen auch zur Zeit für Rußland 
zweifellos nicht günstig, und das ist der einzige Grund, warum 
Japan bei seinem heutigen Festlandsvorgehen noch nicht auf den 
Gegner Rußland stößt. Aber alle Anzeichen deuten darauf hin, daß 
sich sowohl Japan wie auch Rußland über die kommenden Gegen 
sätze im klaren sind und schon heute sich ernstlich darauf vorbe 
reiten. 
Der heutige Gegner Japans auf dem Festlande ist China, ein 
Land von riesigen Ausmaßen, an dessen Einheitlichkeit innere Bür 
gerkriege und äußere Feinde rütteln, dessen Übervölkerung nicht 
minder groß ist, wie diejenige Japans, wenn man von seiner Ober 
flächenausdehnung die unbesiedelbaren oder doch nur unter phan 
tastischen Kapitalinvestierungen zu erschließenden Gebiete abzieht 
und nur den ackerfähigen Boden rechnet. Sicherlich kann in künf 
tigen Zeiten die Industrialisierung, vor allem auch im Anschluß an 
die in nahezu unbegrenztem Maße zur Verfügung stehenden Boden 
schätze und Arbeiterreservoire, Millionen von Menschen beschäf 
tigen, selbst wenn China nur für seinen eigenen Heimatbedarf 
arbeiten wollte! Aber auch dazu fehlte bislang und fehlt heute das 
Kapital und es wird auch in übersehbarer Zukunft fehlen. So sah 
auch China in den letzten Jahrzehnten sein Heil in einer groß 
zügigen Auswanderungspolitik nach Süden und nach Norden hin. 
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