Full text: Ostasien in der Krise (1933 / 6)

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erst entstanden, als die beiden Hauptmächte, Japan und China, so 
ganz grundverschieden auf diesen Versuch der übrigen Mächte 
reagierten, ihre Völker, Länder und Gebiete in diesen weltwirt 
schaftlichen und weltpolitischen Betrieb miteinzubeziehen. Und da 
gibt es in der Tat kaum einen krasseren Gegensatz als den zwischen 
Japan und China. 
Die Japaner, ihrer Umgebung in früheren Jahrhunderten und 
in den Anfangsjahrzehnten des 19. J ahrhunderts eben so verschlossen 
oder noch verschlossener gegenüberstehend wie die Chinesen auch, 
werfen mit der um die Mitte des Jahrhunderts erfolgten gewalt 
samen Aufschließung ihrer versperrten Tore durch die Amerikaner 
das Steuer herum. Nicht daß etwa ihre innere Fremdenfeindlichkeit 
sich irgendwie geändert hätte. Aber sie erkennen rechtzeitig, daß 
nur eine Übernahme der militärischen, maschinellen, technischen und 
Verkehrsmethoden der Europäer und Amerikaner ihr Leben und 
ihren Bestand als selbständige Nation und — was immer das ja 
panische Ziel in den letzten hundert Jahren gewesen ist — als 
herrschender Staat in Ostasien sichern könne. So stürzen sie sich 
nach Überwindung innerer Parteikämpfe und partikularistisdher 
Strömungen sowie nach Befestigung der Mikadoherrschaft mit vol 
ler Wucht in diesen Weltstrudel: das Heer wird nach preußischem 
Muster, die Marine nach englischem Beispiel herangebildet, Japan 
gibt sich eine geradezu preußische Verfassung und sichert sich eine 
amerikanisch-technische Entwicklung. Es schickt seine Mediziner 
nach Deutschland und seine Ingenieure nach den Vereinigten Staa 
ten, es nimmt vorübergehend Hunderte von fremden Lehrern und 
Beratern in seinen Dienst, während noch vor wenigen Jahrzehnten 
kein Fremder das eigentliche Japan hatte betreten dürfen. Handels 
verträge sichern ihm Anschluß an die Weltwirtschaft und den Welt 
verkehr, das Kaiserhaus selbst beteiligt sich am kapitalistischen 
Aufbau und Ausbau der japanischen Weltmacht und Weltstellung. 
In den Zeiten der durch rastlose Arbeit nach innen und nach außen 
gekennzeichneten Aufschwungsperiode schweigen alle inneren Par 
teiungen und Trennungen; kein Volk der Erde scheint so einheit 
lich in der Hand seiner nach einem großen Willen und Ziele arbei 
tenden Staatsmänner und Führer, als dieses Japan, dessen Ent 
wicklung in der Tat wie ein Schulbeispiel kapitalistischer Auf 
schwungsmöglichkeiten aussieht. Hand in Hand mit maritimer und 
militärischer Schulung und weltweiter Schul- und Hochschulbildung 
geht die Industrialisierung, geht auch die außenpolitische Ziel-
	        

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