Volltext : Chronik der Stadt Stuttgart

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Stuttgart  unter  Herzog  Karl  1777—1779.  167
braucht,  daß  manche,  wenn  sie  vollends  alles  aufgesetzt  und  keinen  Kredit
mehr  finden,  lieber  Hunger  leiden  und  ihren  Kindern  das  Brot  entziehen,
als  sich  hierunter  Einhalt  thun.  Alle  diese  Umstände  mußten  die  Folge
haben,  daß  der  freiwillige  Beitrag  zum  Unterhalt  der  Armen  alljährlich ­
  weniger  wurde,  daß  Leute  dem  Almosen  anheimfielen,  von  denen
man  es  niemalen  vermutet  hätte  .  .  .
1778  An  seinem  fünfzigsten  Geburtstag  überrascht  der  Herzog  die  Residenzbewohner ­
  und  das  ganze  Land  durch  jenes  merkwürdige,  von  den  Kanzeln
verlesene  Manifest:  er  sei  ein  Mensch  und  also  immer  unter  dem  Grade
der  Vollkommenheit;  aus  angeborner  menschlicher  Schwachheit,  unzulänglicher ­
  Kenntnis  und  andern  Umständen  haben  sich  viele  Ereignisse
begeben,  die  nun  nicht  mehr  geschehen  dürfen,  die  Zukunft  solle  nun
einzig  dem  Wohle  der  Unterthanen  gewidmet  sein  ro.
Schikaneder,  der  Dichter  der  Zauberflöte,  bringt  im  Ballhaus
Schauspiele  und  Melodramen  mit  einer  Gesellschaft  von  30  Personen
zur  Aufführung.
Nicht  viel,  aber  ziemlich  guter  Wein.
1779  Der  Herzog  läßt  durch  Major  Fischer  auf  der  Planie  zwischen
der  Akademie  und  dem  Waisenhaus  ein  von  Teinach  hierher  versetztes
Theater  mit  622  Sitzplätzen  in  3  Galerien  bauen  (s.  1802).
Märze;.  Konr.  Heinr.  Schweikle,  Bildhauer,  f  1833,  hier  geboren;  im
gleichen  Jahr  der  Maler  Gottlob  Friedr.  Steinkopf,  fi  1861.
Im  Theater,  das  bis  dahin  frei  gewesen,  wird  ein  Eintrittsgeld
von  12  bis  40  Kreuzer  eingeführt.
Es  war  wenig  genug  gegen  die  großen  Summen,  welche  das
Theater  —  übrigens  in  dieser  Zeit  nicht  mehr  so  toll  —  verschlang.
Vestris,  der  seine  Kunstleistungen  zwischen  St.  und  Versailles  teilte,
bekam  12  000  Gulden  jährlich.  Mancher  Tänzer  bezog  eine  stärkere
Besoldung  als  ein  wirklicher  Geheimerat.  Und  ob  cs  gleich  der  Kasse
oft  eine  Stunde  vor  Beginn  der  Vorstellung  an  Geld  fehlte,  um  Ül
und  Lichter  zur  Beleuchtung  anzuschaffen,  so  wurden  doch  für  die  Dekoration ­
  zu  einem  Ballet  nicht  selten  600  —  1000  Gulden  und  noch
mehr  für  die  Kleidung  eines  Sängers  oder  einer  Sängerin  verwendet.
Man  führte  Opern  auf,  zu  denen  die  Zubereitungen  einen  Aufwand
von  l  00  000  Gulden  erforderten.
Die  seit  dem  Sturz  des  Süß  vertriebenen  Juden  werden  wieder
zugelassen.
Der  junge  Herzog  Karl  A  igust  von  Weimar  kommt  im  Dezember
auf  der  Rückreise  aus  der  Schweiz  mit  seinem  Freund  Goethe  auf  18
            
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