Full text: Der Hoppenlau-Friedhof in Stuttgart

  
  
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sie doch in all ihrer Unrast gerecht genug, bei fortwirkenden Verdiensten zu 
verweilen ?), Welches Aufgebot von Intelligenz und Tatkraft, von 
Idealismus und Betriebſamkeit iſt in Schwabens Hauptstadt von den 
Tagen der Karlsſchule bis über die neue Reichsgründung hinaus ans 
Licht getreten und nicht ohne leuchtende Spuren vorübergezogen – zur 
Nacheiferung für nachwachſende Geſchlechter! 
Im Lauf der Jahrhunderte haben sich in diesem Friedhof Natur- 
und Kunſtgebilde zu wundersſamem Einklang verwoben; der Ort ist wie ge- 
schaffen für ein der K. Altertümersſammlung anzugliederndes Freilichtmuseum. 
Bei seiner Anlage und in den folgenden Menſchenaltern mag er einen recht 
nüchternen Anblick geboten haben. In den lettten Zügen lag ja die deutsche 
Renaissance, welche bei friſchem Spiel der Kräfte bis ins einfache Bürger- 
tum eine gehobene, durch Kunst verſchönte Lebensführung verbreitet hatte. 
Nach der Nördlinger Schlacht ergoß sich auch über Württemberg der 
verheerende Strom des wilden Krieges. Da blieb für die Pflege des 
Schönen kein Raum; dem nackten Bedürfnis dienten vor allem die durch 
Gewalttat und Seuchen raſch sich füllenden Grabfelder an der Peripherie 
unserer Altsſtaht. Dann kam das Zeitalter des Darniederliegens der 
nationalen Entwicklung. Bei aller Abhängigkeit vom Ausland in Kultur- 
fragen konnte sich immerhin in der Kunst des Barock, Rokoko und Klassizis- 
mus eine deutſche Stilweiſe herausbilden, bis im 19. Jahrhundert in 
ganz Europa das originelle Kunſtſchaffen erlahmte und man in der Neu- 
belebung historiſcher Stilarten sein Heil suchte, am glücklichſten auf dem 
Gebiet der italieniſchen Renaiſſance. All diese Kulturſtrömungen haben 
in unserem Friedhof ihre Niederschläge hinterlassen. 
Erst im 20. Jahrhundert hat man sich im neuen Deutschen Reich 
aufgerafft, um neben dem materiellen Aufschwung ernstlich nach einer 
ästhetischen Kultur eigenen Gepräges zu ringen. So auch in Friedhof- 
anlagen. Ein zielweiſendes Vorbild ist geschaffen im Waldfriedhof zu 
München, weit entfernt von der naturfremden Marmorpracht eines modern 
italieniſchen Campo Santo. Zwischen alte Nadelholzbestände sind zwanglos 
verteilte, mit allerlei friſchem Grün bepflanzte Rodungen eingebettet 
mit vielverſchlungenen Pfaden und Gruppen von unaufdringlichen, ſtili- 
ſtiſch einheitlich gehaltenen Denkmälern auf gemeinſamen, durch keine 
Grabeinfriedung beengten Rasenflächen. Über der ganzen gewaltigen und 
doch so intim ausgestalteten Ruhestätte schwebt eine ergreifende, von Frei- 
heit und Schönheit geweihte Stimmung. 
25) Ich erinnere an die monumentale Allgemeine Deutſche Biographie. 
Hierher gehört auch die große in der K. Landesbibliothek verwahrte Sammlung : Bild- 
nisſe von Württembergern. 
  
  
  
  
  
 
	        

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