Full text: Der Hoppenlau-Friedhof in Stuttgart

    
  
  
  
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Auf unſern Altfriedhof ist dieser neueſte Maßstab eines gesteigerten 
künstlerischen Feingefühls natürlich nicht anwendbar. Er will als ein 
Vermächtnis von Vätern und Urvätern betrachtet ſein mit all dem Mannig- 
faltigen, was er umſchließt, dem im Wandel der Zeiten Gewachſenen 
und Geſchaffenen, Verſunkenen und Verklungenen mitten im stillen und 
doch übermächtigen Walten der aus dem Erdboden drängenden Kräfte. 
Welch maleriſchen Reiz, welch ſchwermütigen Zauber hat die mit jedem 
jungen Frühling raſtlos treibende Natur über diesen Erdenwinkel hin- 
gegoſſen! Den Eingang übersſchatten rege Wipfel, ein schimmernd hoch- 
stämmiges Platanenpaar. Und weithin in wähleriſcher Willkür, bald zu 
geheimnisvollem Düster geschart bald in lichten Einzelgestalten aufstrebend, 
Baum und Strauch: finstere Fichten in starrem Wuchs und ſanft sich 
neigende Trauerweiden, breitgegipfelte Ulmen und Eſchen, Akazien und 
Kastanien, ſchlanke windgewiegte Pappeln, Eichen von Efeu umsponnen, 
tiefsinniger Lebensbaum, zarte Birken, herzerfreuender Flieder. Durch 
das dichte Unterholz huſchen zahlloſe kleine Sänger. Grüne Lichtungen 
liegen traumhaft im Sonnenglanz gleich abgeschiedenen Inseln, über welche 
von außen im Ätherblau die vielgetürmte Kirche wie eine Himmelsburg 
verheißungsvoll hereinragt. 
Ein solcher Friedhof ist nicht ſchlechthin ein Totenfeld, welches, über 
und über belegt, nur noch als Baugrund Wert beſäße. Der Hoppenlau- 
friedhof iſt ein grünender Hain in ſtaubdurchwirbelter (Großstadt; er ist 
ein Wahrzeichen unserer nationalen Entwicklung, des Emporkommens 
unserer Kultur seit Jahrhunderten, ein großes, vielgestaltiges und ehr- 
würdiges heimatliches Denkmal. 
 
	        

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