Volltext: Geschichte der Stadt Stuttgart

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vie ©rafenzeit 
alten Schlosses, Prinzessin Marie, die erste Gemahlin König Milhelms II, auf dem alten Fried 
hof in £udwigsburg. 
Die ©rafenftadt. Jm Beginn des 14. Jahrhunderts bildete Stuttgart den Einschluß 
eines eiförmigen Mauerrings, der von der Burg und der Kirche an seinem Ostende längs des 
„großen Grabens", der jetzigen Königstraße, und dann in einem Bogen längs des „kleinen 
Grabens“ (jetzt Eberhards- und Karlstraße) zur Burg zurücklief, indem er den Marktplatz in 
sich begriff, der als forum mercatorium erstmals 1290 erwähnt ist. Zu diesem Grundstock kam 
im Süden um die St. Leonhardskapelle, die 1334 noch zwischen Gärten, Heckern und Miesen 
stand, bald hernach die Leonhards- oder 6ßlingervorstadt und hundert Jahre später die obere 
Vorstadt, auch üurnierackor oder Liebfrauenvorstadt genannt, sie übrigens erst unter Eberhard 
im Bart „der Schnur nach in Zwerch- und Kreuzgassen“ ausgebaut. 
Jm Jahr 1350, allerdings unmittelbar nachdem eine Seuche viele Menschen weggerafft, 
zählte die Stadt, wie das in diesem Jahr angelegte älteste Zinsbuch ausweist, 589 zinsende 
Bürger, welche nach dem zweiten Verzeichnis von 1393, hauptsächlich durch den Hinzutritt der 
Leonhardsvorstadt, auf 1146 anwuchsen, was mit frauen, Kindern, Dienstboten, auch den nicht 
besteuerten Hof- und Kanzleipersonen, eine Bevölkerung von annähernd 5000 Seelen ergibt. 
Mie viele von den Einwohnern Leibeigene der Herrschaft waren, ist nicht mehr nachzuweisen, 
üebrigens hatten diese, außerdem daß sie jährlich eine kleine Hbgabe entrichteten, keine weitere 
Beschränkung, als daß sie sich mit ihrer familie nicht der Herrschaft entfremden durften, und 
auch diesem Rest von Unfreiheit hat der Cübinger Vertrag von 1514 ein Ende gemacht. Bürger 
oder Beisitzer — die beiden bis lange ins 19. Jahrhundert bestehenden Bewohnerklassen — 
konnten die Leibeigenen so gut sein -wie die andern. Der wenig zahlreiche Stadtadel war gegen 
das Ende des 14. Jahrhunderts auf die Meiling, fürderer, Holzwart, Eisen grein, Schütz, Vaut 
und vielleicht einige andere zusammengeschmolzen. Dagegen hatten nach wie vor nicht bloß ein 
Dutzend Klöster: Bebenhausen, Denkendorf, Heggbach, Heiligkreuztal, Herrenalb, Kaisersheim, 
Lichtenftern, Lorch, Maulbronn, Pfullingen, Salem, Meil bei Eßlingen, sondern auch zahlreiche 
Edelleute aus der Dähe und ferne, kürzere oder längere Zeit, Grundbesitz, Zehnten und Gülten, 
zum Ceil auch, wie die Dagersheim, Gültlingen, Richtenfels, das Bürgerrecht in der Stadt. So 
die oberschwäbischen Vettern der Mürttemberger, die Grafen von Landau und die mit diesen 
verschwägerten Blankenstein, ferner die Baldeck, Bernhausen, Cannstatt, Dürrmenz, Ebersberg, 
Echterdingen, frauenberg, Gundelfingen, Heinrieth, Heimstatt, Hoheneck, Hohenheim, Hürnheim, 
Kaltental, Leinstetten, Lustnau, Mannsberg, Deubausen, Dippenburg, Dotbaft, Plieningen, Rech 
berg. Riet, Sachsenheim, Schauenburg, Stein, üalbeim, Cbumb, Möllwart. 
Die Entwicklung der Stadt im ganzen 14. und einem großen Ceil des 15. Jahrhunderts 
konnte nur eine sehr langsame sein. Die fast unausgesetzten fehden der Landesherren mit den 
Dachbarn Baden und Pfalz, dem mittleren und kleinen Hdel, ganz besonders aber mit den der 
fürstengewalt sich erwehrenden Städten, ließen kein ruhiges Gedeihen zu. Einmal gehörte die 
württembergische Hauptstadt, wie bereits erwähnt, fünf Jahre lang, 1311—1315, ganz den 6ß- 
lingern; ein andermal, im Sommer 1378, verheeren die Reichsstädte,- die Umgebung der Stadt, 
verbrennen Cunzhofen, und wieder 1448 wütet verderblicher Streit zwischen den Dachbarstädten 
in jener Meise der Zeit, daß die Eßlinger die württembergischen Untertanen auf den fildern 
von Haus und Hof verjagen, die Stuttgarter durch ihre Ziegen die Meinberge des feindes ab 
weiden lassen, Eßlinger Kleiber und Mädchen nach Stuttgart schleppen und nach 14 Cagen mit 
abgeschnittenen Röcken wieder heimschicken. Huch war ja Stuttgart nicht die einzige fürstliche 
Residenz: während der Landesteilung 1441—82 zwar beiden fürsten gemeinsam zugewiesen, aber
	        

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