Die wirtschaftliche Entwicklung -i»
rührten lieb und gliederten sieb in eine neue und bessere Ordnung ein. 1817 finden wir schon
die Zentralstelle des landwirtschaftlichen Vereins, 1819 den Verein für Gewerbe und I)andel und
feine Zentralstelle in Stuttgart. Erleuchtete Köpfe wiesen auf die anzustrebenden Ziele hin,
man denke nur an unfern berühmten Landsmann Lift mit feiner Hrbeit für die Zollunion
Deutschlands und an fflobl mit feinen Studien jur Förderung des württembergifchen Gewerbes.
Daß daju eine großzügige Verkehrspolitik nötig fei, war schon früh erkannt worden, man vergleiche
die von Seeger u. a. bearbeiteten großen Kanalprojekte, deren Dichtzustandekommen
heute mehr als je und besonders im Interesse Stuttgarts schwer ju bedauern ist, ferner die schon
damals zu Erörterungen führende Gifenbabnfrage und endlich die von Württemberg 1824 angebahnte
Einführung der Dampfschiffahrt auf dem Bodenfee. Jm selben Jahre fand in Stuttgart
auch schon die erste Candesindustrie-Husftellung statt, die allenthalben Huffehen erregte
und in der auch die Stuttgarter Gewerbstätigkeit sich mit Ehren zeigte, so z- B. in der Mollmanufaktur
Keller, Enslin, Weiß, in Leinen und Baumwolle Barrier, in Bijouterie Weber
u. Co., mit Klavieren die 1809 hier begründete firma Schiedmayer u. Dieudonne (J. L. Scbiedmayer
war in diesem Jahre von Erlangen nach Stuttgart übergesiedelt). Deben den Genannten
hatten auch damals schon die Damen J .6. Dörtenbacb, fr. Jobst, C. Ostertag, fr. federer u. a. guten
Klang. Die Zollfreiheit belebte nicht nur die industrielle Cätigkeit, sondern auch den Handel.
1843 wurde der württembergifebe Handelsverein gegründet, der an vier Plätzen, darunter auch
Stuttgart, Privat-Handelskammern und Handels-Schiedsgerichte befaß. Hm 8. Juni 1848 folgte
die Errichtung der Kgl. Zentralstelle für Gewerbe und Handel, welche schon 1853 die Gründung
einer (allerdings erst 1860 ins Leben getretenen) Börse und 1859 wegen der blühenden Cucb-,
Möbel- und anderer Märkte die Erstellung einer großen Zentralverkehrshalle (Gewerbehalle)
anregte, die auf dem Hlleenplatze erstellt werden und Gleisanschluß erhalten sollte. Schon 1848
dachte man an den überseeischen Export und machte den Vorschlag, zwei fachkundige Männer
Zum Studium der dafür in frage kommenden Verhältnisse nach Hmerika zu entsenden. 1853
wurde unter Steinbeis' Leitung, zur förderung des Exports, die württembergifebe Handelsgesellschaft
in Stuttgart gegründet, zu welcher der Staat 30000 Gulden beifchoß und deren Hnteile
bei Gemeinden, Gewerbevereinen und Privaten schlanken Hbfatz fanden. Jbr war es zu verdanken
, daß das Land und besonders die Stuttgarter Gewerbstätigkeit bei den Husftellungen
in München (1854), Paris (1855) und London (1862) Vertretung und Hnerkennung fand. Jn
London 1862 erregte die Stuttgarter chemische Industrie durch die Jobstfchen Chininpräparate
allgemeines Huffehen, (übrigens war auch die Husstellung von 1851 in London schon nicht
ohne folgen für unsere heimische Industrie. Qnsere Eifenmöbel-, Gewächshäuser- u. dgl. Industrie
ist auf die damals gewonnenen Eindrücke zurückzuführen; auf ähnlichen Erfahrungen
beruht die Einführung der Gießerei (Stotz) in Stuttgart. Die dadurch geschaffene Möglichkeit,
fafsonnierte Maschinen- u. dgl. Celle statt wie bisher durch Schmieden und feilen auf dem
kürzesten Wege herzustellen, kam auch einer großen Menge anderer Metallverarbeitungs-Werkstätten
zu gute.
Von den frühesten großen ausländischen Husftellungen trug sodann die Schreinerei Lorbeeren
heim. Jn der Möbelindustrie (Senior fr. Wirth) hatte Stuttgart schon vor 30 Jahren
den Vorrang in Süddeutfchland erobert. Die Mafchinenfabrikation im heutigen Sinn führte
1852 6. Kuhn ein. Jn der Werkzeugfabrikation war Stuttgart schon 1842 für verschiedene
Hrten von Werkzeug ein bekannter platz. Die Zinkwarenfabrikation, kunstgewerbliche Ornamente
u. dgl., ist feit 1856 hier heimisch, ebenso lange die fabrikation von Kupfer- und ähnlichen
Waren für Brauerei-, Brennerei-, Heizungszwecke u. f. w. Jn ihrem Gefolge entwickelte