*S- Die wirtfcbaftUtbc kntwicklung ^
Jnfolge der seit der ßewerbefreiheit eingetretenen Ausdehnung, Spezialisierung und Vermehrung
aller Berufe (die allerdings auch allmählich wieder zur krassen üeberfetjung einzelner
und zu Befferungsvorfchlägen der in alten Zeiten beliebten, oben geschilderten Hrt geführt hat),
ist es schwer und im Rahmen dieser Skizze überhaupt nicht möglich, detaillierte Vergleiche zwischen
den statistischen (auch zum großen Ceil veralteten) Ziffern von 1895 und denen selbst nur
von 1861 zu ziehen, wie überhaupt die Darstellung der wirtschaftlichen Entwicklung unserer
heutigen Großstädte für jede einzelne von ihnen, ohne erschöpfend zu sein, einen eigenen dicken
Band füllen müßte.
Der Platzmangel und die ungünstige Geländeform Stuttgarts haben es leider schon beizeiten
veranlaßt, daß größere Betriebe wieder aus der Stadt hinaus und andere neu gegründete
nicht herein verlegt worden find. So wurde B. die Jobftfche Chininfabrik schon 1863—64
nach feuerbach verlegt und 10 Jahre später der größte Ceil der Siegle-Rnospschen Betriebe mit
der Badischen Anilin- und Sodafabrik verschmolzen; mancher andere Betrieb, der schon lange in
feuerbach, Cannstatt und anderen Orten der Dachbarschaft seßhaft ist, würde, wenn er hier Platz
gefunden hätte oder ihm nicht durch kurzsichtige Erwägungen einflußreicher Ceile der Bürgerschaft
die Diederlassung verleidet worden wäre, Stuttgart erhalten geblieben sein. Daß die Verschmelzung
von Stuttgart und Cannstatt für beide Plätze eine wirtschaftliche Dotwendigkeit war,
diese Einsicht ist nicht eine Errungenschaft neuerer Zeit, sondern hat schon in den ersten
Dezennien des vorigen Jahrhunderts zu leider fruchtlos gebliebenen Erörterungen der frage
geführt. Manche nur unvollkommen oder noch gar nicht gelöste wichtige frage der allgemeinen
Verkehrsentwicklung oder der inneren, lokalen Jnteressen wäre sonst schon lange erledigt. Eine
frühzeitigere Verschmelzung beider Gemeinden hätte vielleicht auch manches andere zur Erörterung
gestandene aber gescheiterte Projekt verwirklichen helfen, unter anderem die Rieherverlegung der
Universität, auf jeden fall aber die nicht geringe Bedeutung Stuttgarts als wirtschaftliches
Glied des Staatswesens viel mehr, als jetzt der fall ist, erhöht. Der Catkraft der Bevölkerung,
die schon so viele und große Schwierigkeiten zu besiegen verstanden hat, wird, nachdem jetzt
die schlimmste sie einengende feffel gefallen ist, das Versäumte bald nachzuholen gelingen.