Full text: Geschichte der Stadt Stuttgart

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Vom >b. bis ins 19. "Jahrhundert -s# 
einem in der Scbweij geworbenen I)eer die Hauptstadt und das Land wieder ?u gewinnen, 
durch die schon einmal, 1519, gezeigte (Inzuverlässigkeit der Hefvetier unglücklich aus. Und auch 
die Lauern, die im Herzogtum fast an demselben Lag fick in Massen erhoben, an welckem 
Ulrick vor den Mauern seines Stuttgart umkehren mußte, bewirkten zwar, daß die Legierung 
und ihre freunde die Stadt verließen, der Magistrat mit den Aufständischen in Unterhandlungen 
trat, diesen die Core öffnete und mit Meinlieserung, Stellung eines fäbnleins Bürger zu Millen 
war, letzteres auch mit gegen Herrenberg zog. Aber die Hoffnung, sich mit dem H cr ?°9 5 u 
vereinigen und ihn wieder in sein Land einzusetzen, war eitel und unversehens wurden die Aus 
marschierten, während die Städte, Stuttgart voran, mit dem Anführer der Bündifchen, Georg 
Cruckseß von Maidburg, zu verhandeln anfingen, in die Schlacht bei Böblingen mit verwickelt 
„und mancher ehrliche junge Geselle von Stuttgart, etwa 85 Mann, kamen um“. Der Herzog, 
auf den sie gebaut, hatte vielmehr aus die Bauern und Städter sich verlassen und floh nach 
ihrer Hiederlage wieder aus dem Land. Stuttgart sollte zur Strafe den hündischen Siegern 
zur Plünderung überlassen werden, aber die Mitglieder der Regierung baten für die Stadt und 
so begnügte man sich mit großen Entschädigungen an den Bund und Erzherzog ferdinand. 
Zum warnenden Exempel aber schleppte man zwei Bauernpfarrer nach Stuttgart und bängte sie 
an der Cannftatter Straße auf. 
Deun Jahre noch trugen Stadt und Land, jetzt unter dem Vetter des bisherigen Statt 
halters, dem Cruckseß Jörg, der die Bauern besiegt hatte, das fremde Joch, die Hälfte der Jahre 
mit schlechten Herbsten, „beinahe ungenießbarem" Mein und solchem, der „sogar den Essig ver 
derbte“ ; dazu zweimal, 1529 und 30, große Seuchen, die letztere mit 1500 Coten in Stuttgart. 
Qnd während der Kaiser in Augsburg seinen Bruder ferdinand endgültig mit Mürttemberg 
belehnte, auch zum deutschen König wählen lassen wollte, und während dort fürsten und Städte 
sich anschickten, die deutsche evangelische Kirche zu begründen (1530), ließ die österreichische Regie 
rung einen jener „Propheten“, die das Reich Gottes mit Gewalt vom H'wmel auf die Erde 
ziehen wollten, in Stuttgart jämmerlich zum Code bringen: der Kürschner Bader von Augsburg 
wurde aus einem Karren durck die Straßen geführt, mit glühenden Zangen gemartert, mit feinem 
angeblicken Königssckwert enthauptet und verbrannt. Jm Mai 1531 starb der Bauernjörg-Statt 
halter, nachdem er vom Krankenlager in Stuttgart aus die lutherische Bewegung in feinem ober- 
schwäbischen Maidsee kaum gewaltsam hatte unterdrücken können. Sein Dacbfolger in der 
Stattbalterei wurde Pfalzgraf Philipp bei Rhein. Ein anderer Philipp, der junge hessische 
Landgraf, hat seinem Regiment bald ein Ende bereitet und durch den bei Lauften am Deckar 
erfochtenen Sieg über die Oesterreicher Herzog Ulrich am 15. Mai 1534 unter dem Jauchzen der 
Bevölkerung in die Stadt seiner Väter zurückgeführt. 
Es entsprach nicht bloß der eigenen Deigung Ulrichs, sondern auch den oft geäußerten 
Münscken großer Ceile des Volkes, daß der alte römische Gottesdienst abgetan, die Kirche in 
Stadt und Land reformiert wurde. Ueber die neue Lehre wurde auf Andringen des Herzogs, 
der sie in beiden Lagern, in der Schweiz und in Heften, kennen gelernt hatte, in feinem Stutt 
garter Schloß unschwer eine Einigung erzielt. Hm 2. februar 1535 hielt man dahier die letzte 
Messe, schloß auck um diese Zeit die Mallfahrtskircke zu unserer lieben frau in Heslach. Statt 
mehr als 50 Klerikern, 17 Stiftsherren, 12 Dominikanern, deren letzte übrigens erst 1540 das 
Kloster verließen, und 23 (Ueltpriestern, nämlich 5 ?» St. Leonhard, je einem im Spital, in der 
Sonderfiechenhapelle, in Heslach und in Berg, batte die Stadt fortan nur noch 7 Geistliche: 
3 an der Stiftskirche und je 2 an der Leonhards- und Hospitalkirche. Aus den Pfründgütern, 
Bruderschaften, Kirchengeräten — in der Stiftskirche allein 54 silberne und vergoldete Kelche
	        

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