Full text: Geschichte der Stadt Stuttgart

Vom 16. bis ins iy. 'Jabrkunclent 
von Gärtringen, mit dessen traulichem Verhältnis zu seinem 6ebieter uns eine Romanje von 
Gustav Schwab so artig bekannt macht. 
Die zu des Volkes Leidwesen nur i8jäbrige Chriftophsjcit — der 6dle starb im Schloß 
?u Stuttgart 28. Dezember 1568 — war der Hnfang einer langen, bis ins nächste Jahrhundert 
hinein reichenden friedens- nnd Glückszeit, wie die württembergifebe Hauptstadt und das Land 
sie bis dabin kaum je gesehen. So wenig der einzige ihn überlebende Sohn Christophs, Herzog 
Ludwig (geboren in Stuttgart 1. Januar 1554, f ebendaselbst 18. Hugust 1593) von des Vaters 
Geist geerbt hatte, so gerne fetzte er das Verschönern der Residenz fort, und lebenslustig wie er 
war, sorgte er von seiner prunkvollen ersten Hochzeit 1575 an reichlich für die Befriedigung des 
Schauspiele und Auszüge, festschießen und Kampfspiele liebenden Zeitgeschmacks. Das Schloß 
wird ausgebaut, mit zwei Gcktürmen verstärkt, ein Eandschaftshaus errichtet und das sogenannte 
neue Lusthaus durch Georg Beer aufgeführt. Hm 30. März 1584 hilft Ludwig „zu dem herr 
lichen, vortrefflichen und recht fürstlichen Gebäu selbsteigener Person den ersten Pfahl einschlagen, 
welcher Pfähl zu solchem fundament bei 1500, alle von gutem Eichenholz, die gemeinlicb 
25 Schub lang gewesen, verbraucht worden, und hat solcher Bau, bis der Grund geschlagen, 
der Roseb gelegt und derselbig aus dem fundament kommen, viel tausend Gulden gestanden“. 
1593 war der unvergleichliche Bau vollendet. Jn der Stiftskirche ließ der Herzog die schönen 
Steinbilder feiner Hbnen, die meisten das Merk des franken Sem Schlor, aufrichten. Die Stadt 
war jetzt auf 1288 Mohnhäuser, nämlich 496 in der Hitstadt, 440 in der obern und 352 in der 
Gßlinger Vorstadt, mit etwa 9000 Bewohnern, angewachsen. Sie hatte, nach einer „Erkundigung“ 
von 1592, abgesehen vom Hrmenkasten und Spital, keine Schulden, obwohl sie in dem teuren 
Jahr 1570 bis 5900 Gulden für Lebensrnittel aufwendete. Doch ein andermal, 1585, wird über 
üeurung, freilich noch mehr über Verschwendung bei Hochzeiten, geklagt: Stuttgart sei eine rechte 
Hungergrube, wo man auch um das doppelte und dreifache Geld nichts von Lebensrnitteln 
bekommen könne. Sonst aber war wohlfeile und wohllebende Zeit. 
Mit Herzog Ludwig erlosch der geradlinige Mürttemberger Stamm; ein Sohn des Grafen 
Georg, des Halbbruders von Herzog Ulrich, Herzog friedrich I (geboren zu fflömpelgard, 
19. Hugust 1557, f Stuttgart, 29. Januar 1608) kam zur Regierung. Jbn bezeichnet, was 
fein gleichnamiger und geistesverwandter nachkomme König friedrich von ihm gesagt hat: 
Dieser allein verstand, was regieren heißt. Dach Stuttgart brachte er von fflömpelgard eine 
französische Leibwache mit und feine verschiedenen Projekte, den Bedarf für einen glänzenden 
Hof und eine zahlreiche familie auszubringen, ganz besonders aber den Drang, die fürstliche 
Vollgewalt ohne die landständischen Schranken auszuüben, namentlich über eine stehende Gruppe 
von Soldaten frei zu verfügen. So sah die Stadt viel ßeues: Alchemisten oder Goldmacher, 
bald auch einen für sie, die den Herzog weder reich noch schußfest machen konnten, errichteten 
Galgen; Juden, gegen die vergebens gepredigt wurde, Seidenzüchter, die nichts zuwege brachten, 
englische Schauspieler, faschingslustbarkeiten, gegen die der Stuttgarter Magistrat 1606 vergeblich 
Einsprache erhebt, Gesandte der Königin von England, welche dem eitlen fürsten den heiß 
ersehnten Hosenbandorden überbrachten, ein zum Andenken an diese Komödie eingeführtes 
Ordensfeft. Solches und was mehr Mert hatte, die schönen Schickhardtfchen Bauten, voran 
der in italienischer Renaissance als Marstall und Rüstkammer ausgeführte Reue Bau (südöstlich 
vom Alten Schloß) konnten nur der gedankenlosen Menge den unausgesetzten Kampf zwischen 
dem selbstherrischen fürsten und der engherzigen Landschaft, sowie die kirchlich-politischen 
Schwierigkeiten der Zeit, in welchen der Herzog eine wenig rühmliche Rolle spielte, ver 
hüllen. 
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