Full text: Geschichte der Stadt Stuttgart

«S- ©esdncbtc der Stadt 
genannt der Niederländer, 1586 ff.; die Maler: Klendel Dietterlein aus Straßburg, 1591 ff., 
Hans Staimer von Riedlingen, Stuttgarter Bürger (f 1610), Hans Dorn von Kircbbeim, Jahob 
Züberlen von Cübingen bis 1600, Hans Sebastian Raminger (f 1617), Gabriel Dachs von Stutt 
gart, Philipp 6räter von Dagold (| 1612), J. B. Braun aus Qlm. Huch der tüchtige blinde 
Orgelbauer Ronrad Schott, Bürger in Stuttgart, soll nicht vergessen werden. Die Gartenkunst 
zeigt in den fürstlichen Gärten, nach dem Vorgang «Italiens und Frankreichs, jene „freier, land 
schaftlich-malerischer Behandlung gänzlich widersprechenden Blumenbeete, eingefaßt von rund- 
geftutjten Bäumchen des Südens, durchzogen von Caxusbechen und überwölbten Laubgängen, 
dazwischen Springbrunnen, Statuen und Gartenhäuschen, Grotten, Labyrinthe und andere zier 
liche Spielereien — eine streng mit Lineal und Zirkel behandelte Hnlage". 
vHuch die Bürger gönnten sich jetzt schönere, im Stil der Zeit verzierte sUobnungen: 
Schickhardt führt in seinem Inventar 17 in den Jahren 1580—1619 von ihm zu Stuttgart gebaute 
Privathäuser, mit Rosten bis zu 6000 Gulden, auf. Hber Lübke, der lange in Stuttgart gelebt 
bat, wird recht haben, wenn er urteilt: „namentlich die jetzige Hauptstadt des Landes verrät 
durch die Hermlicbheit ihrer städtischen Bauten aus jener Epoche den untergeordneten Zustand 
ihres damaligen Bürgertums; und besonders in der ausschließlichen pflege eines dürftigen 
Fachwerkhaus, der weit entfernt ist von der prachtvollen künstlerischen Husbildung der Holz 
bauten am Rhein, in Westfalen und Diedersachsen, offenbart sich eine gewisse Hrmfeligheit des 
damaligen Lebens," die nur — möchten wir hinzusetzen — Qeppigheit und Husgelassenbeit der 
Lebensweise nicht ausgeschlossen hat (s. u.). 
Doch eine Runft, die Musik, erfreute sich damals besonderer pflege in Stuttgart. Sie 
hatte in Herzog Ulrich einen Kenner und ausübenden freund, in Herzog Christoph einen 
förderer für gottesdienstliche Zwecke gehabt. Hn Ludwigs Hof Karn auch für die weltliche 
Musik eine Blütezeit. Eine Kapelle von 40—50 Sängern, Organisten, Lauteniften, Trom 
petern und Jnstrumentisten, mit einer geordneten Singknabenschule, führte unter tüchtigen 
Meistern, Ludwig Daser aus Bayern, seinem Schwiegersohn Balduin Huiol, einem Diederländer, 
Leonhard Lechner aus Cirol, die Werke der Zeitgenossen auf, auch der katholischen, eines 
Orlando di Lasso in München und anderer, die unbefangen mit dem protestantischen Hof in 
Stuttgart verkehrten, 
Jm Schauspiel setzte das Volk lange seine meist ins derblustige ausartenden Hufführungen 
biblischer Stoffe fort. Huf Ostermontag 1571 lädt der junge Herzog Ludwig Waiblinger Bürger 
ein, auf dem hiesigen Marktplatz ihr jüngstes Gericht zu spielen. Dabei kommt feuer aus, 
die Hölle gerät in wirklichen Brand, die Leusel und zuletzt auch 60« Vater fliehen und 
das Spiel endet unter allgemeinem Gelächter. Zu andermalen wird von Stuttgarter Bürgern die 
Historie Josephs, Hdam und Eva u. a. gespielt, dann wieder von den Schülern mit ihren Lehrern 
der Cobias und ähnliches. Oder gehen viele, auch Hofleute und Konsiftorialherren, nach Unter- 
türhheim, die von dem Pfarrer Birck verfaßten, von seinen Pfarrhindern ausgeführten Komödien 
von den gottsvergesfenen Doppelspielern, Ehespiegel u. dgl. anzusehen. Die ersten Berufsschauspieler 
waren wandernde Engländer der Shakespearezeit, 1600 und dann öfters, denen 1609 eine hessische, 
1613 eine französische Cruppe folgte. Die Rennbahnen, welche von den Lusthäusern aus über 
schaut werden konnten, dienten zu den Ritterspielen, die um die Mitte des 16. Jahrhunderts an 
die Stelle der scharfen Curniere traten und mit dramatisch-musikalischen Huffübrungen der Hof 
kapelle und der Höflinge verbunden zu sein pflegten. 
Klein war noch das literarische Bedürfnis: nach der Unterdrückung der Buchdruckerei 
durch Oesterreich wurde erst 1597 wieder ein Buchdrucker Max förfter von Hnsbacb, ein Buch-
	        

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