Full text: Geschichte der Stadt Stuttgart

Geschichte der Stadt 
üeber die folgenden Jahre, feit dem Hingang König Karls und dem Regierungsantritt 
König Hlilbelms II, 6. Oktober 1891, eingehend zu berichten ist heute noch nicht die Zeit. 6s 
muß genügen, folgende Daten hier niederzulegen. 
Die Stadt veranstaltete Jhren Majestäten dem König und der Königin Charlotte am 
5. Juli 1892 ein fest im Stadtgarten. Die letzten Jahre des 19. und die ersten des neuen Jahr 
hunderts brachten dem Königlichen Haus eine Reihe tief eingreifender Veränderungen. Die drei 
jugendlichen Prinzessinnen, Pauline, die einzige Cochter des Königs, 6lfa und Olga, Cöchter 
der Herzogin Hiera, verließen in den Jahren 1897 und 98 infolge ihrer Vermählung, die Königs 
tochter mit dem Erbprinzen friedrich zu Mied, die andern mit den Brüdern der Königin, den 
Prinzen Hlbrecbt und Maximilian zu Schaumburg-Lippe, ihren Heimatort Stuttgart. Jn den 
selben Jahren und den nächstfolgenden riß der üod eine schmerzliche Lücke nach der andern. 6s 
starben: die Herzogin von Krack, florestine, geborene Prinzessin von Monaco, am 24. Hpril 1897, 
Prinzessin Huguste von Weimar, des Königs Cante, am z. Dezember 1898 und schon am 6. des 
selben Monats die Mutter des Königs, Prinzessin Katharine; am 31. Hugust 1901 folgte der 
Gattin im Code Prinz Herrmann zu Sachsen-Meimar-Eisenach, und am 24. Huguft 1902 schied 
unerwartet die seit 1893 mit Herzog Albrecht vermählte Herzogin Elisabeth, geborene Erzherzogin 
von Oesterreich, ihrem Gatten sechs blühende Kinder hinterlassend. Das Jahr 1904 sah den 
Gatten der Herzogin Olga, Prinz Maximilian zu Schaumburg-Lippe am Hpril, die Erbgroß 
herzogin Pauline von Sachsen-CKcimar am 17. Mai, die Schwester des Herzogs Albrecht, Prin 
zessin Maria Jfabella von Sachsen am 24. Mai aus dem Leben scheiden. Auch der zweite Sohn 
Herzog Philipps, Herzog Robert, sowie Herzog Wilhelm von Krach hatten mittlerweile einen 
eigenen Hausstand in Stuttgart gegründet, ersterer durch Vermählung mit der Erzherzogin Maria 
von Oesterreich, der andere mit der Herzogin Amalie in Bayern, und im Hause Krach ist reicher 
Kindersegen eingezogen. 
Das Königshaus, Land und Hauptstadt erfreuten sich wiederholten Kaiserbesuchs. Vom 
14. bis >6. September 1893 weilte in Stuttgart der Kaiser und die Kaiserin, mit ihnen der 
Kronprinz von Jtalien, Prinz Albrecht von Preußen, die Prinzen Ludwig und Rupprecbt von 
Bayern, der Erbgroßherzog von Baden, der fürst von Hohenzollern. Und zur Kaiserparade im 
September 1899 fand sich der Kaiser mit König Albert von Sachsen und andern fürsten ein. 
Die Wahlen zum Reichstag brachten zunächst bei der durch Auflösung desselben nötig ge 
wordenen Deuwahl 1893, keine Aenderung, indem der bisherige Abgeordnete Gustav Siegle 
durch Stichwahl mit 16073 Stimmen gewählt wurde gegen 15837, welche auf den fübrer der 
Sozialdemokratie, Schreiner und Bürgerausschußmitglied Karl Kloß, fielen. Aber 1898 siegte 
Kloß über Professor Gießler mit 17954 gegen 12517, im Jahr 1903 der sozialdemokratische 
Redakteur Hildenbrand über den letzteren und die Kandidaten Galler und Gröber mit 22757 
gegen 14428, 2269 und 2083 Stimmen. Auch in den Landtag kam Kloß, 1895 durch Stich 
wahl mit 10700 Stimmen, während Rechtsanwalt Dr. Schall 8178 erhielt, ebenso im Jahr 1900 
durch Stichwahl mit 9997 Stimmen gegen 8651, welche auf Gießler fielen. 
Oberbürgermeister Dr. Hack trat am 4. Oktober 1892 nach zwanzigjährigem verdienten 
Wirken wegen andauernder Krankheit in den Ruhestand. Bei der Wahl eines Dachfolgers am 
18. Rovember stimmten von 11261 Wahlberechtigten 9454 (— 84 Prozent) ab und es fielen auf 
Obersteuerrat Emil Rümelin 5410, auf Gemeinderat Dr. Gö; 4031 Stimmen; ersterer erhielt am 
28. Dezember die Königliche Bestätigung, am 27. September 1893 den Citel Oberbürgermeister. 
Dach sechsjähriger Verwaltung des Amts starb Rümelin am 24. März 1899, worauf am 19. Mai 
der Erste besoldete Gemeinderat Rechtsanwalt Heinrich Gauß mit 4810 Stimmen zum Stadtschult- 
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