Full text: Die östlichen schwäbischen Landesteile (1)

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Drittens daß sich derjenige gemeinds man, welcher ein haußgnoßen auf- 
nimbt, mit zehen gulden baaren gelds oder in manglung dessen so viel mit 
bürgschaften versichern lassen solle, da mit sich bey vorfallenden straffen die 
herschaften und gemeind an solchen haußgnoßen erhalten kendten. 
Viertens solte einer oder der andere gemeindsman sich unterstehen aller- 
ley herrnloße leuthe, welche keine abschid oder attestationes vorzuweißen haben 
ohne vorbewußt der adelichen herrn sechser und fünfer haußgnoßen weiß einzu- 
nehmen, der solle unnachlessig. umb einen gulden gestraft, und der hauß gnoß 
nicht geduldet, sondern wider zum dorf hinauß geschaffet werden. 
Von verglichenen strütigkeiten. 
Es ist auch zu wißen, daß in denen deß Römischen reichs dreissigjährigen 
kriegs läuften, wie auch nach beschlossenem friden, zwischen dises dorfs ade- 
lichen häussers herrn inhabern und einer erbahren gemeind sich unterschüdliche 
streit und irrungen eraignet haben, damit nun solche dem ansehen nicht zur 
besorgender deß dorfs höchst beschwehrlichen weitleuftigkeiten und dardurch 
der vorstehenden großen unkosten außschlagen möchten, so sünd durch inter- 
position etlich ehrlicher fridlübender herrn solche stritigkeiten, welche auß drey- 
zehen puncten bestanden, den ersten Aprilis deß 1655. jahrs gütlich verglichen 
auch seyts ein ander mit mund und hand beständig darbey zu verbleiben ver- 
sprochen, auch ein besiegelter recess darüber aufgerichtet und den strittig ge- 
weßenen partheyen jedem ein bekräftigtes original zugestellet worden, maßen 
auch dergleichen in der fünfer laden zu befinden und sich dessen auf alle fähle 
zu bekennen sein und dabey imer wehrendes verbleiben haben würdt, welches 
dißer ehehaft zu unvergeßlicher gedächtnus und mehrern nachrichtung mit dißen 
wenigen zeilen zu gedenken auch zu end copialiter von worten zu worten ein 25 
zu verleiben vor nothwendig ermeßen worden, im fahl sich aber wider alles 
verhoffen begebe, daß zwischen der adelichen häußer herrn besitzern wie auch 
fünfern und einer ganzen gemeindt sich mißverständ und strittigkeiten eraig- 
neten, welche nicht unter ihnen selbsten verainigt werden kendten, so solle 
allerseits dahin getrachtet werden, daß solche strittigkeiten durch vermittlung 30 
ehrlicher unpartheyscher personen gütlich verglichen und diß fahls so wohl der 
adelichen personen alß auch einer erbahren gemeindt mit verursachung großer 
kosten keine ungelegenheit und weitläufttigkeiten zugezogen werdten möchten !). 
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Von ordnung wie über dißer ehehaft gehalten werden solle. 
| Es ist auch zu wissen, wan einer oder der andere gemeinds man, dißer 35 
ehehafts einverleibten puncten darüber er jährlich den adelichen herrn sechsern 
daß hand geliebt geben muß, nicht nachkomen, sondern sich derselben trotzig- 
lich wider stehen und zwischen den herrschaften und der gemaind zu schaden 
und nachtheil deß dorfs allerley stritigkeiten verursachen wolte, der solle nicht 
allein‘ alle darüber gehende unkosten zu erstatten schuldig sein und nach er- 40 
kandtnus einer erbahren gemeind abgestraffet werden, wor nach sich ein jeder 
zu richten und vor schaden zu hüten wissem wirdt. Schließlich ist auch zu 
wissen, daß nach verleßner ehehaft der selbiges jahrs revierende adeliche herr 
) Hier schliesst der Abdruck bei Grimm a. a. O.
	        

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