106 I. H. Dannecker
sundheit wurden von niemand lebhafter geteilt als von
den Stuttgarter Freunden. Als nun im Jahre 1805
Schillers Schwager, der Freiherr von Wolzogen, die
in die Heimat vorausgeeilte Todesnachricht unwider-
ruflich beſtätigte, schrieb ihm Dannecker: „Ich glaubte,
die Bruſt müßte mir zerſpringen, und ſo plagte mich’s
den ganzen Tag. Den andern Morgen beim Erwachen
war der göttliche Mann vor meinen Augen; da kam
mir's in den Sinn, ich will Schiller lebig machen, aber
der kann nicht anders lebig ſein als koloſſal. Schiller |
muß koloſſal in der Bildhauerei leben, ich will eine
Apotheoſe.“ Mit genialem Verständnis ließ der Meister
in der Koloſſalbüſte viel von dem weg, was die packende
Wahrheit der lebensgroßen ausgemacht hatte, um in die
herbe Einfachheit der doch ideal wahren Züge alles
Große zu legen, was sich für den Deulschen auf ewig
mit dem Namen Schiller verbindet. Freuen wir uns,
daß dieſes edle Werk, in Marmor ausgeführt, unſer ist
und in jüngster Zeit eine würdigere Aufstellung gefunden
hat, wenn gleich nicht in dem eigenen Tempel, welchen
ſein Schöpfer ſelbſt sich dazu gedacht hatte.
Der Freundſchaft mit Schiller verdanken wir auch
die Statue des zürnenden Hektor, der, nie in Marmor
ausgeführt, in Gips, wie Sie ihn aus der hiesigen
Sammlung kennen, einst eine paſſende Zierde des Zeug-
hauses in Ludwigsburg war. Schiller hatte dem Freunde
nach der Zurückkunft einen deutschen Homer gesendet.
Dannecker fühlte sich ſehr glücklich damit und entnahm
daraus den Gegenstand : Hektor, wie er seinem Bruder
Paris Vorwürfe macht. Er gedachte als Seitenstück
aber auch die nie ruhenden Beſorgniſſe um seine Ge