Full text: Abhandlungen

Ueber das farbige Licht der Doppelsterne etc. 97 
müssten die Zwischenzeiten, in denen jene Boten in B au- 
kommen, kürzer als eine Stunde ausfallen. 
Nun wird es in der Physik für völlig ausgemacht und über 
allen Zweifel erhoben angesehen, dass sowohl die Tonhöhe 
beim Schalle, als auch die Farbe beim Lichte von der Anzahl 
der innerhalb einer Zeitsekunde beim. Beobachter ankommen- 
den Wellen oder Undulationen abhängt. Setzt man daher an 
die Stelle der obigen Boten die Undulationen, und lässt man 
die Person b als Beobachter, jene in 4 befindliche @ dagegen 
als die Schall- oder Lichtquelle gelten, so lautet die eben 
ausgesprochene Wahrheit wie folgt: »Wenn ein schallender 
oder leuchtender Körper sich einem Beobachter nähert, oder 
sich von ihm entfernt, oder umgekehrt, wenn ein Beobachter 
sieh von oder gegen eine Schall- oder Lichtquelle bewegt, 
endlich wenn beides zugleich geschieht, so muss damit 
wendig für die Wahrnehmung eine Aenderung in der Ton- 
» und Farbe eintreten.« — Ein Satz aber, der allgemein gilt, 
nüss auch in jedem speciellen Fall sich als richtig erweisen, 
‚ich schloss daraus, wie mich dünkt, ganz folgerecht, dass 
1ls die Gestirne des Himmels sich mehr ‚oder weniger schnell 
bewegen, sie in Folge dieser Bewegung eine Farbänderung 
zeigen müssen. Ob diese für uns schon eine wahrnehmbare 
sein wird, hängt natürlich bloss von dem Grade der Geschwin- 
digkeit ab, mit der sie sich bewegen, und ich glaube nach- 
gewiesen zu haben, dass man diesfalls nicht viel über 33 Meilen 
Geschwindigkeit in der Sekunde bei ihnen vorauszusetzen 
braucht. — Von diesem zunächst in ‚die allgemeine Wellen- 
lehre und somit im die Physik gehörigen Satze wird nun 
gleichsam gelegenheitlich, so wie einerseits auf die Akustik, 
so andererseits auf das farbige Licht der Doppelsterne eine An- 
wendung versucht, und ich übersah es hierin nicht, die Ent- 
scheidung des letztgenannten Punktes, wie billig, dem Urtheile 
praktischer Astronomen anheimzustellen , nicht aber wie Herr 
Mädler sich ganz irrigerweise ausdrückt, hierüber selber abzu- 
sprechen. — Dies das Wesentlichste meiner Abhandlung; — 
dies aber auch diejenigen Punkte, die jener Recensent hätte 
widerlegen oder entkräften müssen, falls seine ebenso an- 
massende, als nichtssagende Sprache wenigstens einigermassen 
eine Entschuldigung finden sollte. Wie er dies gethan, wird 
man sogleich sehen. 
Als ich obige Gedanken veröffentlichte, glaubte ich nicht, 
ganz Unnützliches unternommen zu haben. Ich hielt es für 
  
     
 
	        

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