Volltext: Abhandlungen

  
  
30 Christian Doppler. 
unter diesen beiden Voraussetzungen, es unter den Fixsternen 
nothwendig einige geben müsse, welche scheinbare Farbände- 
rungen erleiden;« — und da Herr Dr. Mädler, ohne sich mit 
der ganzen wissenschaftlichen Welt in einen Kampf zu ver- 
wickeln, kaum hätte anstehen können, diesen beiden Voraus- 
setzungen beizupflichten, so wäre er auch molens volens, d. h. 
mit Nothwendigkeit zu der weitern Schlussfolgerung geführt 
worden, »und somit giebt es also in der That unter den 
Fixsternen solche, welche in Folge ihrer Bewegung Farb- 
änderungen zeigen.« — Nun, dies hätte schon ganz anders 
geklungen, wie die querüberliegenden und völlig unmotivirten 
Vorwürfe seiner Recension, und die Kluft der Meinungsver- 
schiedenheit zwischen uns hätte sich mächtig geschmälert. 
Auch hätte sodann Recensent vielleicht noch die Billigkeit 
geübt, anzuerkennen, dass diese Wahrheit schon an und für 
sich, d.h. abgesehen selbst von jeder etwaigen Anwendung 
eine nicht ganz uninteressante, und vielleicht auch keine ganz 
unwichtige zu nennen sei. — Der Wahrheit obigen Satzes 
aber ungeachtet könnte es immerhin noch geschehen, dass 
diejenigen Farbänderungen, die wir an den Doppelsternen 
beobachten, einer andern Ursache wie ihrer Bewegung zuge- 
schrieben werden müssten, und dass überhaupt möglicher Weise 
jene Bewegungen‘ der Fixsterne viel zu unbedeutend sind, um 
jene als nothwendig nachgewiesenen Farbänderungen, bis zu 
dem für die‘ Wahrnehmung erforderlichen Grad zu steigern. 
Hierüber aber kann wieder nur die Erfahrung, und wo diese 
fehlt, die objective Wahrscheinlichkeit, und wo diese fehlt, 
allenfalls ein bescheidenes subjectives Dafürhalten uns zu einem 
Ausspruch verhelfen. — Wenn nun Herr Recensent behauptet, 
kein Himmelskörper, oder wenigstens doch kein sogenannter 
Fixstern könne oder dürfe sich mit. mehr als 10 Meilen Ge- 
schwindigkeit die Sekunde bewegen, so will dies nach Obigem 
nicht viel, oder vielmehr es will nur so viel sagen, als: »ich, 
Dr. Mädler in Dorpat, halte dafür, dass dies so sei«, und einem 
solchen extravagantem Vermeinen halte ich ganz ‚einfach die 
wohlerwogene herrschende Ansicht fast aller übrigen Astronomen 
entgegen. — Doch ich kehre von dieser nochmaligen Hindeutung 
auf das, wie es Recensent, wäre es ihm um Förderung der 
Wissenschaft zu thun gewesen, hätte machen sollen, wieder zur 
weitern. Erwägung seiner Recension selbst zurück. 
Herr Mädler geht hierauf noch weiter, und wir folgen ihm 
auf dem Fusse. Vorerst beschuldigt er mich, dass ich die
	        

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