Full text: Abhandlungen

  
  
  
  
60 Christian Doppler: 
sprechen war, wenn sie anzunehmen verlangte, dass die Licht- 
partikel in jeder Richtung durch ein dünnes Glas oder durch 
irgend sonst einen, immer aber doch durchsichtigen Körper 
dringen sollen, — während man hier durchaus kein Bedenken 
trägt, die nämliche Eigenschaft auf guten Glauben unserer 
undurchsichtigen :colossalen, Erde beizulegen ? 
[754] 8 6. 
Um unserer kritischen Untersuchung den‘ nöthigen Grad 
von Vollständigkeit und Gründlichkeit zu geben, müssen wir 
nochmals zu oben ‚erwähnter Aushilfshypothese Fresnel’s zurück- 
kehren, zumal sie einer Autorität angehört, bezüglich welcher 
selbst anscheinend offen zu Tage liegende Widersprüche auf 
eine um so sorgfältigere Erwägung und Würdigung den be- 
rechtesten Anspruch haben. — Nichtsdestoweniger muss auch 
die hier gemeinte Annahme Fresnel’s, dass nämlich die‘ Un- 
durchsichtigkeit der Körper durch eine statthabende Discor- 
danz bedingt werde, während doch der Aether durch die Erde 
ungehindert durchströmen soll, unbedingt abgelehnt werden. 
Soll dies nämlich ‘bloss so viel heissen, als dass die Wellen- 
bewegung überhaupt in eine gewisse Unordnung gerathe: so 
muss ‚darauf erwidert werden, dass diese einen Körper nicht 
undurchsichtig, sondern nur ‚durchscheinend machen würde, 
Wollte aber Fresnel damit bemerklich machen, dass ‚er sich 
sämmtliche Wellen durch Interferenz vernichtet denke: so dünkt 
mich dieses denn doch, etwas zu viel angenommen, da das 
Gegentheil davon unendlich wahrscheinlicher ist, ja ersteres 
eine so regelmässige innere Beschaffenheit eines Körpers vor- 
aussetzte, wie sie im Allgemeinen bei unserer Erde wohl kaum 
angenommen werden kann. Wenigstens würde man mit ganz 
gleichem Rechte behaupten können, dass auch die Wellen, die 
auf der ruhigen Oberfläche eines Wassers durch das Hinein- 
fallen von Regentropfen entstehen, sich alsogleich ihrer Discor- 
danz oder Unregelmässigkeit wegen durch Interferenz vernichten 
und die Wasserfläche in vollkommen unbewegtem Zustande er- 
scheinen lassen könnten. Ein solcher Erfolg aber steht, so 
weit nämlich unsere Erfahrung hierin reicht, nicht zu erwarten. 
— Vebrigens würde hiermit höchstens nur die sogenannte 
Absorption des Lichtes, nicht aber‘ die eigentliche Undurch- 
sichtigkeit opaker Körper erklärt‘ werden, als deren alleinige 
Ursache selbst die gegenwärtige Undulationslehre geradezu
	        

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