Full text: Abhandlungen

  
  
  
  
    
  
  
  
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
  
  
  
  
  
   
      
84 Christian Doppler. 
In Betreff der ersten Frage enthielten sich zwar sämmtliche 
sieben Musiker einer bestimmten Antwort, sich damit ent- 
schuldigend, dass es hierbei sogar viel auf die Individualität 
ankomme (und dasselbe war auch der Fall bei der vierten 
Frage). Als ich jedoch meine Frage so stellte: ob es wohl 
eine  übertriebene Annahme sei, solcher Abstufungen etwa 
90—100 anzunehmen, verneinten dieses fünf von ihnen ganz 
bestimmt, einer glaubte, man dürfe hierin selbst noch merklich 
weiter gehen, und nur der letzte wünschte die Zahl sicherheits- 
halber, wie er sich ausdrückte, etwas herabgesetzt. Ich setze 
diese Zahl daher absichtlich auf 70 herab. — In Bezug auf 
die zweite Frage erklärten sie einstimmig, dass, wenn man 
die zwar nicht mehr musikalisch brauchbaren, aber doch noch 
hörbaren Töne oder vielmehr Schallempfindungen mit einbegreife, 
man recht wohl elf Oetaven und darüber annehmen könne, 
und diese Behauptung stimmt auch sehr gut mit den von Savart 
auf dem Wege [8] der Experimente mittelst der Sirene ge- 
fundenen Resultaten überein, in Folge deren alle zwischen den 
Schwingungszahlen 14 bis 33000 liegenden Töne noch wahr- 
nehmbar sind, was umgefähr 114 Octaven beträgt*). Ich nehme 
demnach 11 Octaven zu 7 Tönen. — Rücksichtlich der dritten 
Frage wurde mir einstimmig versichert, dass, wenn die in 
Rede stehenden Töne mit einander verglichen werden können, 
auch ein minder geübtes und feines Gehör Tonunterschiede 
von weniger als Ay Ton noch gar wohl zu unterscheiden ver- 
möge (mehrere sagten geradezu 3% Ton), bei welcher kleineren 
Zahl 16 ich denn auch bleibe, wiewohl es mir nichts weniger 
als unbekannt ist, dass Weber**) durch unmittelbare Wahr- 
nehmung noch A Töne zu unterscheiden vermochte. — Was 
endlich‘ die vierte Frage anbelangt, so fand ich sämmtliche 
Gefragte sehr bereitwillig, die nur nach meinem subjectiven 
Dafürhalten‘ hingeworfene Zahl 20 nicht nur zu willfahren, 
sondern eher noch zu verdoppeln. Sie bemerkten mir ganz 
richtig, dass es ja wenigstens eben so viele wesentlich quali- 
tativ verschiedene Tonscalen geben müsse, als es verschiedene 
Instrumente giebt, und die Anzahl dieser wohl schon die von 
mir genannte Zahl weit übersteige. — Auch sei es ja zur 
Genüge bekannt, wie selbst ein: musikalisch ungeübtes Ohr die 
Stimme eines Bekannten oder Freundes aus Hunderten, ja 
*) Gehler’s physikal. Wörterbuch, Bd. 8, S. 502, 
**) Fechner’s Repertorium, Bd. 1, 5. 260.
	        

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