Full text: Augsburg, Bd. 8 (1928 / 33)

1560 
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Herr Anthoni Fuggers absterbenf 
U 508d [25b] Auf sambstag adj. 14. september zü morgens umb 
8 uhr» ist Herr Anthoni Fugger alhiev aus diser Welt cristenlich ver 
schweiß, und feind im nach seinem todt seine gewonliche klaider, 
»> morgens zwilchen 7 und 8 uhr, Chron. B. b) ist des tugentreich und sürnem (bei kaiser 
und künig) Herr A. F. alhie zu 2t., Chron. B. 
verjagt und vertriben, so den schulmaistern die straffen über sie entzogen, besonder 
dieweil die kay. recht die schüler nit weniger dann den clerum der kirchen jurisdiction 
underworfen. und were hierauf ain erw. thumbcapitl gantz nachpeurlich und srundt- 
lich erbietig, gleiche ordnungen in iren schulen zü machen und fürzunemen, also daß 
unu8 et idem ekkectue gevolgen solle, allain daß die straffen geendert und den schül- 
maistern haimbgestelt wurden, und betten hierauf gantz nachpeurlich und frundtlich, 
ain e. rat walte sie bei altem herkamen irem vertrauen nach pleiben lassen, schützen, 
schirmen und handthaben. das weren sie umb ain e. rat frundtlich und nachpeurlich 
zu verdienen erbittig. seind also darmit ausgetretten und in die Steurstuben ge 
ordnet worden," 
Die Stadtpfleger und Geheimen erklärten darauf, daß sie zu einer Berbeschei« 
düng dieses Vorbringens nicht befugt seien, dem Kapitel aber nachmittags drei Uhr 
in der Domdechanei die Antwort des Rates, dem die Sache sofort vorgelegt werden 
würde, bringen lassen wollten. Sie lautete: „Ain er. rat hat aus der verordneten 
aines erw, thombcapitels heutigem anpringen, an die Herrn gehaimen beschechen, 
vermerckt, daß der vorhabend beruff des herumbsingens halber auf der gasten dahin 
verstanden werden wölle, als solle dardurch ainem bischoff und erw. thumbcapitl 
wider die kay. gemaine recht in irer jurisdiction eingriff beschehen, in bedenckung, 
daß vermög der recht nit allain ire schulen sonder auch die schuler ainem bischof 
und der kirchen underworfen. deswegen dann ain er. rat in den schulen, so irer 
jurisdiction underworfen, nit ordnungen zu machen noch schüler zü straffen hätte 
aus welchem, und da die straffen ainem schulmaister entzogen, anders nichts dann Ver 
treibung der schüler volgen wurde, hetten aber sonst, wie es des herumbsingens halb 
zu halten, ires tails kain bedencken, sonder weren erbittig, in den dreien schulen 
gleiche ordnung antzurichten. 
Nachdem aber ain e. rat durch solichen berüf allain Vorhabens, güte policei auf 
der gasten zü erhalten, dessen sie habender oberkait halber wol befügt, und gar nit 
der mainung ist, maß und ordnung zü geben, wie es in den schulen zü halten, so 
bleib es darbet billich, wollte sich auch getrösten, ain erw. thumbcapitl were nit 
gesindt, ainem e. rat deshalben, so auf der gasten fürgehet und güte policei belangen 
mag, maß und ordnung zü geben und fürzuschreiben Vorhabens, sonder gedeucht 
sich, in dem und anderm, wie sie sich entgegen auch versehen, frundtlich und nach 
peurlich zu halten." (Bl. 101a). 
Dabei ließ es der Rat trotz neuerlicher entschiedener Einsprache der vom Kapitel 
Verordneten bewenden und schlug den Beruf, der seine endgültige Fassung erst am 
7. September erhalten hat, am nächsten Tage <8. September) an.— Vgl. Gasser 
ad 1560; Stetten S. 539; Bisle, Die öffentliche Armenpflege usw., S. 68 fs.— 
Die Verordnung des Rates hatte zur Folge, daß man für die armen Schüler, denen 
man den öffentlichen Gesang zum Teil „abstrickte", nun durch Sammlung von 
Almosen aus der Bürgerschaft sorgte und den Gesang durch geordnete Pflege und 
Unterricht zu veredeln und zu heben versuchte. — Vgl. Koeberlin, „Beitr.zur 
Gesch. der Kantorei bei St. Anna in Augsburg" in der Zeitschr. des hist. Ver. f. 
Schw. u. Rbg., Bd. XXXIX (1913), S. 71 ff. 
1. Vgl. Gasser unter 1560, Stetten S. 539; Crusius-Moser S. 298; die 
Chronik der Familie Fugger (eck. Metz er, Leipzig 1902), S. 65; den Brief Ambr. 
Blaurers an Bullinger vom 5. Oktober 1560 bei Schieß, Blaurers Briefwechsel, 
I I I, S. 546, Nr. 2286.
	        

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