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der. nicht einzelnen Beobachtern bereits bekannt wäre. Aber ‘die
wenigsten finden es der Mühe wert oder finden den Mut dazu, ihre
Beobachtungen für die Wissenschaft nutzbar zu machen.
Was uns demnach fehlt, ist erstens die Sammlung, zweitens
die geeignete Veröffentlichung der beobachteten Thatsachen.
Was den zweiten Punkt betrifft, so will ich sofort meine Über-
zeugung aussprechen: die einzig: befriedigende Form ‘der Veröffent-
lichung ist die Karte. Es ist ja bereits zur Sprache gekommen,
was es mit allzulangen Fundortslisten auf sich hat; sie sind unüber-
sichtlich und‘ daher zumal für den mit der Topographie nicht Ver-
trauten fast unbrauchbar. Der Gedanke, das geographische Dar-
stellungsmittel ersten Ranges, die Karte, auch zur Wiedergabe der
Verbreitungsverhältnisse von Pflanzenarten zu benützen, ist so ausser-
ordentlich einfach und naheliegend; dass es schon seine besonderen
Gründe haben muss, wenn derselbe bis jetzt noch so wenig zur Ver-
wirklichung gekommen ist. Und diese Gründe liegen auch offen da,
Das Bedürfnis nach pflanzengeographischen Karten ist schon
früh hervorgetreten. Schon im ersten Jahrzehnt des ablaufenden
Jahrhunderts hat der ältere DE CANDoLLE den Plan zu einem grossen
pflanzengeographischen Atlas von Frankreich gefasst‘; also noch ehe
es irgendwo geognostische: Karten gab. Der Plan kam aber aus
verschiedenen Gründen nicht zur Ausführung und ist erst neuerdings
wieder aufgenommen worden”. Inzwischen ist allerdings eine ganze
Reihe von pflanzengeographischen Karten entstanden, meist die ganze
Erde?, teilweise auch kleinere Ländergebiete* umfassend, durchweg
aber in sehr kleinem Massstab und in hohem Grad schematisch ge-
halten. Auch die Verfasser von Florenwerken über beschränkte Ge-
biete haben häufig das Bedürfnis nach Kartenbeilagen wohl gefühlt;
aber fast nie ist eine wirklich pflanzengeographische Karte daraus
1 A. P. De Candolle, Memoires et Souvenirs 1862. p. 205 et suiv. —
Flahault, Bull. de la Soc. botan. de France 41 (1894). p. LIX ff.
? Flahault, Projet de carte botanique, forestiere et agricole de la France.
ce, BD. DVI £.
3 7. B. Grisebach, Vegetation der Erde 1872; Engler, Versuch einer
Entwickelungsgeschichte der Pflanzenwelt 1879—82; Drude in Berghaus’
Physikal. Atlas und Handbuch der Pflanzengeographie 1890; neuestens Schim-
per, Pflanzengeographie auf physiolog. Grundlage 1898. N
* Schweiz: Christ, Pflanzenleben der Schweiz, 1879; Österreich-Ungarn:
Kerner, Florenkarte v. Österr.-Ung. 1887; Deutsches Reich: Drude, Deutsch-
lands Pflanzengeographie Bd. I 1896; Skandinavien: Gunnar Andersson in
Engl.’s Bot. Jahrb. 22 (1897). Taf. V.