Volltext : Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

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Weberchronik  von  Clemens  Jäger

aber  der  sibent  und  letst  könig,  Lucius  Tarquinius  genant,  von  gepurt
  ain  kriecht  das  regiment  innen  hatte,  wölicher  gar  ain  tirannischer,
  harter  man  in  seiner  königlichen  regierung  was,  also  daß  man
in  Tarquinius  Superbus,  das  ist  den  stoltzen  oder  hochfertigen,  benenet,
  ab  wölicher  harten  regierung  die  Römer,  so  ir  leib  und  leben
zu  erweiterung  der  statt  Rom  in  vil  gfar  gesetzt  hetten,  kam  gefallen
trugen,  sie  sahen  auch,  daß  diser  könig  Tarquinius  ain  besserer  kriegsmann ­
  dann  ain  rezent  were;  zudem  hett  er  ainen  sun,  wöllicher
Sextus  genant  und  dem  datier  in  allen  untugenten  nicht  [22*]  vast
ungleich  wäre,  diser  Sextus  was  auch  über  die  maßen  gegen  den
werden  Römern  gantz  stoltz,  üppig  und  voller  Hochfart;  so  hett  er  auch
in  kriegssachen  kam  ausfrichtig  gemiet,  dann  er  imerzu  sein  gemiet
auf  list  und  Verräterei  begab,  wöliches  die  Römer  gar  nicht  gewonet
warend;  derhalben  sie  zu  dem  datier  und  son  kamen  hertzlichen  gunst
und  guten  willen  tragen  künden,  nun,  in  dem  24.  jar  seiner  regierung
zoch  der  könig  Tarquinius  sampt  seinem  son  Sextus  mit  der  römischen
kriegsmacht  im  aprilio  für  ain  statt,  Aredd» 3  genant,  der  mainung,
dieselbe  den  Römern  undertänig  zu  machen,  dise  statt  was  aber  von
natur  vest,  dartzu  mit  volck  und  provandt  wol  fürsehen,  alsodaß  ir
der  könig  mit  allem  seinem  hör  mit  stürmen  nichts  abgewinnen  möcht
und  sich  derhalben  verschantzen  und  vergraben  muessen,  in  mainung,
die  mit  Hungersnot  zu  ainer  ergebung  durch  ain  belegerung  zu  betzwingen. ­
  und  wie  der  könig  also  zu  veldt  vor  der  statt  Aredo  in  den
schantzen  mit  dem  römischen  hör  läge,  da  hat  es  sich  begeben,  daß  ir
drei,  mit  namen  Sextus,  des  königs  son,  Collatinus  Secundus 3  und
Tarquinius,  der  son  Egri 4 ,  under  andren  reden,  so  sich  hinder  den
maltzeiten  erhoben,  jeder  sein  Hausfrauen  gelobet  und  derhalben  ain
gewett  getroffen  haben  der  gestalt,  daß  gen  Rom,  in  die  statt,  geschickt ­
  werden  sollt,  und  wöliches  Hausfrau  an  der  ersamesten  und
züchtigisten  arbait  erfunden  wurde,  dieselb  sollt  den  breiß  vor  den
andren  Weibern  allen  mit  herlichem  rechten  behalten  und  ir  der
danck  dorumb  gegeben  werden,  dises  zu  erfaren,  wurden  bottschafften
a)  Aredo  b.
1.  Ein  Etrusker.
2.  Ardea  im  Gebiet  der  Rutuler.  —  Quelle  der  Lukretia-Geschichte  ist  der  Hauptsache ­
  nach  die  oben  angegebene  Livius-Übersetzung,  Bl.  XXI  ff.
3.  Tarquinius  Collatinus,  Lehnsfürst  in  der  kleinen  Stadt  Collatia,  der  Vetter
des  Sextus.
4.  Egeri  <Livius).

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