Full text: Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

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Einleitung 
frevle Rebellion" in den Besitz des Stadtregiments gekommen und 
habe die von ihr erlangten Vorteile den „Herren" gegenüber in ge 
walttätiger, unzulässiger Weise ausgebeutet, als ganz oder fast ganz falsch 
und unberechtigt zu erweisen. Um dieser Apologie aber eine feste Grund 
lage zu geben und darzutun, daß die durch den „Aufstand" der „Ge 
meinde" in Augsburg zur Einführung gelangte demokratische Ver 
fassung die beste sei und anderswo schon in den ältesten Zeiten bestanden 
habe, macht Jäger einleitend einen flüchtigen Rundgang durch die Ge 
schichte der wichtigsten Völker des Altertums, wobei er zeigt, daß sich 
diese unter einer solchen Regierung immer wohl befunden hätten, 
aber bei Veränderung derselben in aristokratischer und monarchischer 
Richtung früher oder später auf abschüssige Bahnen geraten wären. 
Zuletzt kommt er an die Römer, bei denen er länger verweilt. An 
fangend mit der Zeit der Könige, berichtet er ausführlich die Vor 
gänge, die die Beseitigung der Königsherrschaft herbeigeführt, in der 
von ihm breit vorgetragenen „Historie" der keuschen Lukrezia, die 
gerade damals Erzählern, Dichtern und Künstlern einen außerordent 
lich willkommenen Stoff darbot. Von da geht er dann über auf die 
nach der Vertreibung des Tarquinius erfolgte Aufrichtung „des freien 
Standes" bei den „werden" und „edlen" Römern — so nennt er dies 
von ihm hochgeschätzte Volk fast ständig — und gestattet sich im An 
schluß daran einen auf den ersten Blick seltsamen Exkurs. Um nämlich 
darzutun, wie sehr die Augsburger Stadt- und Ratsverfassung 
mit den Verhältnissen der „herrlichen" römischen Republik zusammen 
stimme, bespricht er an der Hand des Livius, Fenestella, Pom- 
ponius Laetus und anderer die Aufgaben der einzelnen hohen 
römischen Magistraturen, zeigt dann, meist aus Livius und Valerius 
Maximus schöpfend, mit welcher Gewissenhaftigkeit die römischen 
Ämterträger sich ihren Pflichten unterzogen, um dann in einer „Ab 
gleichung" genannten Gegenüberstellung zu erweisen, daß die Ämter, 
durch die seit 1368 das Augsburger Staatswesen regiert wurde, im 
wesentlichen ganz den römischen entsprochen. Solche „Abgleichungen" 
lagen im Geiste der Zeit, in der man sich die Zustände des Altertums mit 
leidenschaftlichem Eifer zu veranschaulichen suchte und dabei auch auf 
manche Spielerei verfiel. Die Übersetzer römischer Historiker nahmen 
nicht den mindesten Anstand, das Wort „Consul" mit „Bürgermeister", 
„Prätor" mit „Schultheiß" usw. wiederzugeben, und stellten zuweilen, 
um ihre Leser mit dieser Terminologie bekannt zu machen, in den
	        

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