Full text: Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

Einleitung 
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Und nun steht er vor dem letzten Amt, dem des Diktators. Nachdem 
er sein Herz erfreut an der Geschichte des wackeren Cincinnatus, 
springt er über zu den „großen Hansen" in den letzten Zeiten der römi 
schen Republik, zu Marius und Sulla, zu den Helden der beiden 
Triumvirate, unter deren Willkürherrschaft „der freie Stand" im 
Römerreich innerlich zerging und nach fürchterlichem Blutvergießen 
dem „kaiserlichen Regiment" weichen mußte, das dem Staat und dem 
Volk wenig Gutes brachte. Schließlich ist es „mit den Römern dahin 
kommen, daß sie den kaiserlichen Sitz ... verloren und von dem Greuel 
aller Greuel, dem wahren Antichristo, dem Bapst, geregieret worden". 
Damit schließt Jäger seinen Überblick über die römische Geschichte und 
seinen Vergleich der römischen und Augsburger Ämter, der sich natür 
lich nur in der Manier des Prokrustes durchführen ließ und, wie es 
ja nicht anders sein kann, mit vielen schweren, manchmal recht heiteren 
Mißverständnissen „beladen" ist. Begeisternden Verehrern des Römer- 
tums, wie sie seine Zeit hervorbrachte, nachschreibend, erblickt Jäger 
in dem republikanischen Staatswesen der Römer das Ideal einer dem 
wahren Volkswohl zuträglichen Verfassung und berauscht sich in kind 
licher Gläubigkeit an den Tugenden und der Charaktergröße der 
„edlen" Römer, für die er in seinem Lieblingsautor, dem Valerius 
Maximus, so zahlreiche erhebende „Exempel" fand. Indem er ihrer 
gedachte, hatte er, um gleich den besten seiner Zeitgenosse:! die Ge 
schichte zu einer Lehrmeisterin zu machen, nebenbei noch den erziehe 
rischen Zweck im Auge, durch das Lob, das er dem hervorragenden 
Pflichtbewußtsein der römischen Ämterträger zollte, seine Augsburger 
„Herren" zu gleichem Tugendeifer anzuspornen und dahin zu bringen, 
daß sie z. B. ebenso fleißig und pünktlich in die Ratssitzung kämen wie 
die römischen Senatoren. Schließlich noch ein Aufruf an alle Reichs 
städte, „so von Gott, dem allmächtigen, mit ehrlichen, freien und zünft- 
lichen, bürgerlichen Regierungen begäbet worden sein: Habet Acht, 
damit ihr in aller Fraintlichkait bei dem alten, hergebrachten, löblichen, 
bürgerlichen Regiment und Regierung bester ruhiger und südlicher 
bei- und mitainander wohnen und beleiben und in aller Gottseligkait 
und glücklicher Regierung nach christenlicher Mainung auf diesem 
Jammerthal einander zu allem Guten behilflich und beratlich sein 
künden und möchten"; denket an die Römer und Karthager, die bei 
Festhalten an ihrem „freien Stand" von dem Unglück, dem sie erlegen, 
wohl hätten bewahrt werden mögen.
	        

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