Full text: Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

12 
Einleitung 
Nach diesem mehr als fünfzehn Blätter füllenden Exkurs kommt 
Jäger, wieder in das frühere Geleise einlenkend, endlich auf seine 
eigentliche „Proposition", die Handwerkererhebung von 1368 zu be 
schreiben, zurück. „Nun will ich achten," sagt er, „daß ich meniklich 
laut meines Verhaissens ain Genuegen gethan und alle Sachen, so 
dem zünftlichen Regiment zu wissen dienstlich, klar und lauter an Tag 
begeben," und kann jetzt die Entstehung des Augsburger Zunftwesens 
genau und ordentlich beschreiben. Zunächst nennt er das Jahr — 
1368 —, in dem das große, die augsburgische Republik verjüngende 
und auf die Bahn zur Größe führende Ereignis vor sich ging, dann 
den Monat, den Tag und die Stunde, und zwar mit einer Umständ 
lichkeit, Feierlichkeit und Wucht, wie etwa Bischof Otto von Frei 
sing den Zeitpunkt fixiert, da Christus, der Heiland, zur Welt kam. 
Aber noch einmal bleibt er stehen, um, zuvor zum guten Teil schon 
früher Gesagtes wiederholend, verschiedene Mißstände, die zur Ein 
führung des Zunftregiments antrieben, zu erörtern. Dann erst kommt 
er ,,ad facta“, indem er uns bekannt macht mit dem Kellermeister der 
Weber, Hans Witzig oder Weiß, einem tüchtigen, zu einer Führer 
rolle geborenen Mann, „der zu dem freien, zünftischen Regiment großen 
Lust hatte" und anscheinend schon seit längerer Zeit die Seele der 
nach diesem Ziele strebenden Gemeinde gewesen. Der Chronist hat 
es trefflich verstanden, uns diese sympathische, von lautersten Ab 
sichten erfüllte Persönlichkeit, in der natürliche Freundlichkeit, ein 
dringliche, über alle Schwierigkeiten hinwegsetzende Beredtsamkeit 
und schuldige Achtung vor den „Obern" mit Würde, Besonnenheit, 
Geistesgegenwärtigkeit und Entschiedenheit des Handelns in glück 
licher Weise vereint war, leibhaftig vor Augen zu führen. Als die 
Handwerker mit ihren Forderungen an die Herren herantraten, 
wurde er von ihnen zum „Orator" erkoren und hatte als solcher die 
Aufgabe, mit anderen, ihm Beigeordneten zwischen beiden Teilen 
hin und her zu gehen, die „Seinigen" in strenger Zucht und guter 
Ordnung zu halten und die „Herren", die ja seit Jahr und Tag auf 
das, was sich jetzt vollzog, hatten gefaßt sein müssen, unter Zusiche 
rung, daß sie an dem künftigen Regiment entsprechenden Anteil 
haben sollten, zur „Bewilligung" der „Zunft" zu bereden und dann, 
ehe sie sich wieder anders besinnen oder von außen Hilfe heranbringen 
konnten, den ganzen Handel rasch zu Ende zu führen, indem er sie 
sofort feierlich auf die „Zunft" vereidigen ließ und erreichte, daß sie
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.