Full text: Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

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Einleitung 
mehr oder weniger wortgetreu mitgeteilt werden. Es sind —bis 
etwa 1440 —nicht allzu viele Seiten, auf denen solche Ratsdekrete 
völlig fehlen, einige enthalten sonst überhaupt nichts. Die meisten 
derselben kennzeichnen sich als sog. Rats-Statuta und betreffen Strafen 
für Verbrechen, z. B. Totschlag, oder für Vergehen, z. B. verbotenes 
Waffentragen, unerlaubtes Spiel, betrügerischen Verkauf; andere 
haben das Rechtsverfahren gegen Schuldner und Bankrottmacher, 
Verfügungen auf dem Gebiete des Pfand- und Leibgedingrechtes 
oder des Steuer- und Ungeldwesens zum Gegenstände; wieder andere 
Rats-, Gerichts-, Zunft-, Gewerbe-, Polizei- und Pflegschaftssachen, 
die Regelung der Bedingungen zur Erlangung des Bürgerrechts oder 
des freien Abzugs bisheriger Bürger, das Verbot der Anrufung frem 
der Gerichte u. dgl. Eine eigene Gruppe endlich bilden die gegen die 
„tote Hand" und die Juden erlassenen Gesetze, die Jäger, der Feind 
des Klerus und der Juden, namentlich für die frühere Zeit fleißig 
verzeichnet. Wenn sich auch nicht ersehen läßt, daß sich Jäger bei der 
Auswahl dieser Stücke von bestimmten Gesichtspunkten leiten ließ, so 
ist doch so viel erkennbar, daß er im allgemeinen darauf bedacht war, 
solche Statuta und Gesetze aufzunehmen, die jedem Bürger und Ge 
werbetreibenden in seinem Interesse bekannt sein sollten, und heute 
in Geschäftskalendern und volkstümlichen Rechtsbelehrungsschriften 
dargeboten werden: Wichtiges, Minderwichtiges und Geringfügiges. 
Die Quellen, aus denen Jäger diese Stücke schöpfte, waren das 
Augsburger Stadtbuch von 1276, die Zunftbücher der Weber, die 
bei dem Regimentswechsel von 1548 dem Kaiser eingeliefert werden 
mußten,^ Ausschreibungen der Zunft auf losen Blättern, das ver 
schollene Denkbüchlein des Rates von 1362 bis 1385, das namentlich 
bezüglich der städtischen Händel mit den Geistlichen von Wichtigkeit 
war,^ und die einzelnen Ratsbücher? Für die Zeit nach 1390 benutzte 
Jäger außerdem einen noch vorhandenen Sammelband von Rats 
erlässen, der die Zeit von 1390 bis 1440 umspannt* und an vielen 
Stellen die auch in anderen städtischen Büchern von seiner Hand her 
rührenden Rötelstiftzeichen aufweist, und für die Zeit seit der Mitte 
des XV. Jahrhunderts die Langenmantelsche Chronik, die ihm 
während ihrer Entstehung zugänglich gewesen sein muß. Daß Jäger 
1. S. hierzu ebenda S. 172. 
2. Dirr, „Studien", I. c., S. 162, Anm. 3, Nr. 3. 
3. Über diese s. ebenda S. 162, Anm. 3, und S. 171, Anm. 1. 
4. Ebenda.
	        

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