Full text: Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

Einleitung 
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die von ihm mitgeteilten Dekrete ziemlich häufig nicht nur mit un 
richtigem Tagesdatum versieht, sondern auch unter ein falsches Jahr 
stellt, dürfte auf die chronologisch etwas unklare Anlage des erwähnten 
Sammelcodex zurückzuführen sein, hätte aber bei genauerem Zusehen 
vermieden werden können. 
Die übrigen Einträge dieses zweiten Hauptteiles werden gebildet 
von chronikalischen Stücken, die meist die innere Geschichte der Stadt 
betreffen und in ihrer Buntheit und Mannigfaltigkeit den Eindruck 
erwecken, als wären sie von Jäger aus dem ihm vorliegenden Stoff 
vorrat blindlings herausgegriffen worden, wie man ein Los aus dem 
Topf nimmt. Kein Zweig des städtischen Lebens bleibt unberührt, 
doch sind es sehr oft mehr nebensächliche als wichtige Dinge, die zur 
Sprache kommen, und zwar meist nur in der Form von Notizen, da 
ihm für größere Erzählungen und längere Erörterungen, wie schon 
bemerkt, der Raum fehlte. Wir lesen von teuren und wohlfeilen Zeiten, 
von Seuchen, Hungersnöten und Bränden, von „hochzeitlichen" 
Tagen, an denen man in der Stadt mit Turnieren, Festschießen und 
sonstigen Lustbarkeiten „Kurzweil trieb", oder Besuche des Kaisers, des 
Königs, verschiedener Fürstlichkeiten und „Potentaten" empfing, von 
der Unbotmäßigkeit der einen oder anderen Zunft, von einem Pöbel 
aufstand, von der Gesellschaft der Herrenstube und ihrem Heim, von 
Zwistigkeiten des Rates mit einzelnen hervorragenden Persönlich 
keiten — einem Peter Argon, Heinrich von Erlbach u. a. — von der 
„Tyrannei" des Bürgermeisters Ulrich Schwarz und dessen Sturz, 
von der Errichtung städtischer Bauwerke und den Standplätzen der 
Märkte, von der Gründung verschiedener Wohltätigkeitsanstalten — 
der Jakobspfründe, des Antonspitals, des Findelhauses, des Blatter 
hauses —, von außergewöhnlicher Belastung der Bevölkerung mit 
Ungelt und Steuern, von Maßnahmen zur Minderung der Ausgaben 
für den städtischen Haushalt, von Neuerungen in der Rats- und Ge 
richtsverfassung, von kostbaren Privilegien und Freiheiten, die den 
Augsburgern von Kaisern und Königen erteilt wurden. Mordgeschichten, 
bei vielen Chronisten ein beliebter Stoff, werden nur ein paarmal er 
wähnt; auch Zeichen, Wunder, Kometenerscheinungen, Mißgeburten 
sind fast ganz übergangen. Neben der Stadtgeschichte im engeren 
Sinn des Wortes ist auch die Kirchengeschichte ziemlich gut vertreten. 
So wird berichtet über die Bauten am Dom im XV. Jahrhundert, 
über Zwiste und Kämpfe der Stadt mit den heimischen Bischöfen und 
Städtechroniken XXXIV. 2
	        

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